• 20.07.2005, 12:15:50
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Es gilt das Gesprochene Wort! Rede von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer zur Eröffnung der Bregenzer Festspiele 2005 am 20. Juli 2005

Wien (OTS) -
Wenn man den Koffer packt, um zu den Bregenzer Festspielen zu fahren,
dann tut man es im Bewusstsein, dass es Festspiele sind, wo Kultur
und Natur in Form des Festspielprogramms, der Landschaft und der
Seebühne eine wunderbare Verbindung eingehen.

Bevor man noch das Programm im Einzelnen studiert hat, weiß man und
kann sich darauf verlassen, dass es durchdachte, künstlerisch
erstklassige und gleichzeitig unaufdringliche Festspiele sind.

Es ist sicher kein Zufall, dass gerade diese Festspiele im Westen
Österreichs, auch wirtschaftlich zu den erfolgreichsten Festivals in
Mitteleuropa zählen und eine Zuschauerauslastung haben, die so
manchen Kulturmanager oder auch Kulturpolitiker, neidvoll nach
Bregenz blicken lässt. Und nicht zuletzt sind es Festspiele an einem
Ort der Begegnung - der Dreiländerecke am Bodensee - wo der Dialog
lebt und Begegnungen der unterschiedlichsten Art zustande kommen.

In diesem Sinn ist es nur logisch, dass die heutige Eröffnung der
Bregenzer Festspiele mit einer Begegnung mit dem Schweizer
Bundespräsidenten Samuel Schmid verbunden ist, den ich gemeinsam mit
seiner Frau Gemahlin noch einmal sehr herzlich begrüßen darf.

Diese Begegnung rund um den 60. Geburtstag der Zweiten Republik - ein
Geburtstag, den wir in den letzten Wochen und Monaten viel
Aufmerksamkeit gewidmet haben - ist auch ein guter Anlass an die
grenzüberschreitende Solidarität seitens der Schweiz zu erinnern.

Damals, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, kamen rund 70.000
Kinder aus Österreich zu Familien in die Schweiz, wo sie nicht nur
buchstäblich "aufgefüttert" wurden, sondern auch Freundschaften
geschlossen wurden, die zum Teil bis heute Bestand haben und ein
weiteres verbindendes Element zwischen unseren beiden Staaten
darstellen.

Mit Recht hat die "Europäische Rundschau" der Schweiz kürzlich ein
eigenes Sonderheft gewidmet, in dem viel Bedenkenswertes über die
Beziehungen zwischen der Schweiz und Österreich - auch auf dem Gebiet
der Kultur - berichtet wurde. Ich darf zum Beispiel daran erinnern,
dass Franz Welser Möst zum neuen Generalmusikdirektor der Züricher
Oper bestellt wurde, Matthias Hartmann als Intendant des
Schauspielhauses Zürich tätig ist, Univ.-Prof. Dr. Gäbler als Rektor
der Universität Basel ausgewählt wurde oder Alexander Pereira seit
1991 Intendant der Züricher Oper ist. Im Museum in Montreux wird
derzeit eine Kokoschka Ausstellung gezeigt, in Genf gibt es eine
Ausstellung zum Anlass "25 Years of Ars Electronica", Gert Jonke, Eva
Menasse, Robert Schindel und mehr als ein Duzend weitere
österreichische Schriftsteller halten heuer Lesungen in der Schweiz,
Nikolaus Harnoncourt, die Haydn-Philharmonie, das Alban Berg Quartett
und andere geben Konzerte, die Wiener Philharmoniker werden beim
Luzerner Festival auftreten und die Liste ist noch lange nicht
vollständig. Und all das ist ja keine Einbahnstraße, sondern
entwickelt sich auch in der Gegenrichtung.

In diesem Sinne stellen auch die Bregenzer Festspiele einen
kulturellen Anziehungspunkt für zahlreiche kulturbegeisterte Menschen
aus den angrenzenden Ländern dar. Mit dem neu inszenierten Stück auf
der Seebühne, Verdis "Troubadour", steht ein wirklicher Klassiker der
Opernliteratur auf dem Programm, der ohne Zweifel viele Besucher und
Besucherinnen begeistern wird. Die Premiere im Festspielhaus, die in
aller Regel zu den besonders interessanten Aufführungen zählt, ist
diesmal dem Dänen Carl Nielsen gewidmet, dessen Oper "Maskerade" uns
ins Kopenhagen des 18. Jahrhunderts entführt.

Mit der Auswahl dieser zwei Opern präsentiert sich Bregenz auch in
dem Sinn als Ort der Begegnung, dass nord- und südeuropäische
Musiktraditionen zeitgemäß und lebendig zusammengeführt werden.

Damit auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die
Rahmenbedingungen für ein so großartiges Festival gewährleistet
bleiben und noch verbessert werden können, wird bald nach dem Ende
der heurigen Festspielsaison, wie mir berichtet wurde, ein großer
Umbau begonnen, und ich bin schon sehr neugierig auf das dann rundum
erneuerte Festspielareal. In den Unterlagen habe ich gesehen, dass
der Zeitrahmen für die Umbauarbeiten mit weniger als elf Monaten
angesetzt ist, und ich möchte allen Mitarbeitern und Verantwortlichen
schon heute viel Erfolg für dieses mutige Projekt wünschen. Zuletzt
darf ich allen Beteiligten für ihr Engagement, für ihre Mühe und vor
allem für ihre künstlerischen Leistungen herzlich danken.
Insbesondere Präsident Günter Rhomberg und Intendant David Pountney -
stellvertretend für das gesamte Team -, von dem die Grundlagen und
Voraussetzungen für erstklassige Aufführungen geschaffen werden und
selbstverständlich auch allen Künstlerinnen und Künstlern und
überhaupt allen Mitwirkenden.

Ich wünsche auch heuer eine erfolgreiche und faszinierende
Festspielsaison, die hiermit eröffnet ist.

Rückfragehinweis:
Österreichische Präsidentschaftskanzlei
Presse und Informationsdienst
Tel.: (++43-1) 53422 230
mailto:[email protected]
http://www.hofburg.at

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