Privatkrankenanstalten haben faires Angebot der Ärztekammer abgelehnt

Nach Scheitern der Verhandlungen: Ärztekammer rät Kollegen zu besonderer Vorsicht bei Honorarabrechnung mit Belegspitälern - Acht Krankenhäuser in Wien betroffen

Wien (OTS) - Die Ärztekammer für Wien zieht die Konsequenzen aus den gestern abgebrochenen Verhandlungen mit den Privatkrankenanstalten und rät den belegenden Ärztinnen und Ärzten, aufgrund der unklaren Rechtssituation bei den betroffenen Spitäler (Evangelisches Krankenhaus Wien-Währing, Privatklinik Döbling, Privatklinik Josefstadt, Neue Wiener Privatklinik, Sanatorium Hera, Privatklinik Grinzingerberg, Goldenes Kreuz und Rudolfinerhaus) besondere Vorsicht bei der Honorarabrechnung walten zu lassen.****

Patienten, die in diese Privatspitäler aufgenommen werden, müssen damit rechnen, hinsichtlich der finanziellen Abwicklung selbst zur Kasse gebeten zu werden, da Ärzte ab sofort ihre Leistungen zu den mit der Ärztekammer vereinbarten Tarifen nicht mit den Versicherungen verrechnen können. Der Wiener Ärztekammerpräsident Walter Dorner rät Patienten daher, sich vor einer allfälligen Aufnahme mit dem jeweiligen Belegarzt abzusprechen sowie die Aufnahme und die entsprechenden Modalitäten und Möglichkeiten schon im Vorfeld genau zu analysieren.

Zum Scheitern der Verhandlungen selbst betonte Dorner, dass die Ärztekammer den Privatkrankenanstalten mit dem Kompromissvorschlag einer Erhöhung des Hausrücklasses (Prozentsatz vom Arzthonorar, der für die Nutzung der Spitaleinrichtung bezahlt wird, Anm.) von derzeit 6 auf 8 Prozent zugunsten einer funktionierenden Belegarztstruktur "massiv entgegengekommen" sei. Die Krankenanstalten wären jedoch von ihren bisherigen Forderungen, die Abgaben der Ärzte an die Häuser auf 9 Prozent ab 2005 und 10 Prozent ab 2007 und damit um zwei Drittel zu erhöhen, nicht einen Millimeter abgewichen. "So erzielt man keine Kompromisse im Sinne der Patienten", sagt Dorner.

Es sei "zutiefst zynisch", dass Spitäler, die von den Versicherungen die Qualität der Einrichtung schon durch Zuschläge abgegolten und vor zwei Wochen weitere 32,6 Millionen Euro vom Parlament im Rahmen des PRIKRAF (Pendant der Privatspitäler zum WIKRAF für die öffentlichen Spitäler, Anm.) bekommen haben, nun nochmals von den Ärzten kassieren wollen. Für Dorner gehe es den privaten Häusern offensichtlich nur "um die eigene Gewinnmaximierung unmittelbar auf Kosten der Ärzte und mittelbar auf Kosten der Patienten".

Klarer Verhandlungsspielraum durch Votum der Belegärzte

Inhaltlich gestützt hat sich die Ärztekammer in ihren Verhandlungen auf eine kürzlich erfolgte Mitgliederbefragung. "Nachdem sich fast 40 Prozent der befragten Kolleginnen und Kollegen für ein Beibehalten der derzeitigen 6 Prozent und von den restlichen mehr als 80 Prozent für eine Anhebung um maximal 2 Prozent ausgesprochen haben, sind wir mit unserem Angebot von 8 Prozent sowieso sehr weit gegangen", betont auch Klaus Frohner von der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien und einer der Mitverhandler seitens der Ärztekammer.

Die von den Privatkrankenanstalten geforderten 9 Prozent seien jedenfalls nicht mehr durch die Mitgliederbefragung gedeckt gewesen. Frohner: "Hätten wir dem zugestimmt, wäre der durch die Befragung eindeutig bekundete Wille der Kolleginnen und Kollegen von uns negiert worden." Die absolut unnachgiebige Haltung der Gegenseite zeige jedenfalls das völlige Fehlen einer Kompromissbereitschaft seitens der Privatkrankenanstalten.

Man werde sich nun bemühen, alle Patienten trotz des Scheiterns der Verhandlungen in Wien in Krankenhäusern unterzubringen, wo die Direktverrechnung mit der Versicherung weiterhin möglich ist und somit für den Patienten kein finanzieller Nachteil besteht, so Frohner abschließend. (hpp)

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