- 16.06.2005, 15:30:45
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Rechnungshof, Landesrechnungshöfe und Kontrollamt der Stadt Wien verstärken ihre Zusammenarbeit
Neue gemeinsame Ausbildungsstandards in der öffentlichen Finanzkontrolle beschlossen
Wien (OTS) - Im Rahmen der Konferenz der Direktoren der
Landesrechnungshöfe und des Kontrollamts der Stadt Wien am 14. und
15. Juni 2005 in St. Pölten, an der traditionell auch der Präsident
des Rechnungshofes teilnimmt, vereinbarten die Kontrolleinrichtungen
im Interesse einer effizienten Finanzkontrolle eine intensivere
Zusammenarbeit.
Der Rechnungshof, die Landesrechnungshöfe und das Kontrollamt der
Stadt Wien werden in Entsprechung ihres Verfassungsauftrages und
unter voller Anerkennung der Unabhängigkeit ihre Prüfungstätigkeiten
noch besser aufeinander abstimmen und unter Bedachtnahme auf ihre
jeweiligen Stärken tätig werden:
Der Rechnungshof als föderatives Bund-Länder-Organ zeichnet sich
durch eine bundesweite Betrachtungsweise und vernetzte
Prüfungshandlungen aus, wie dies am Beispiel des Einsatzes
öffentlicher Mittel im Gesundheitswesen - insbesondere bei den
Krankenanstalten - offenbar wird. Die Verbundenheit der
Finanzwirtschaft des Bundes, der Länder und Gemeinden
(Gemeindeverbände) und das Erfordernis des gesamtwirtschaftlichen
Gleichgewichtes verlangt eine Bundesländer übergreifende, alle
beteiligten Gebietskörperschaften umfassende externe Finanzkontrolle,
wie sie nur der Rechnungshof leisten kann.
Auch die europäischen Vorgaben im Rahmen der Wirtschafts- und
Währungsunion (Maastricht-Vertrag) und des österreichischen
Stabilitätspaktes beziehen sich auf den gesamten öffentlichen Sektor
und beweisen die Notwendigkeit der Prüfungen durch den Rechnungshof.
Die Landesrechnungshöfe und das Kontrollamt der Stadt Wien zeichnen
sich demgegenüber durch ihre örtliche Nähe zu den geprüften
Institutionen und ihre Vertrautheit mit landes- bzw.
gemeindespezifischen Problemstellungen aus. Außerdem begünstigen
kurze gesetzliche Stellungnahmefristen die Aktualität der
veröffentlichten Ergebnisse.
Überdies haben der Rechnungshof, die Landesrechnungshöfe und das
Kontrollamt der Stadt Wien folgenden Beschluss über neue gemeinsame
Ausbildungsstandards gefasst:
Beschluss betreffend neue gemeinsame Ausbildungsstandards in der
öffentlichen Finanzkontrolle
Die Strukturen der öffentlichen Verwaltung haben sich in den letzten
Jahren erheblich verändert. Maßgebend hiefür waren einerseits der
europäische Integrationsprozess und andererseits das Bestreben, die
Produktivität der öffentlichen Verwaltung zu erhöhen und die Qualität
der bereitgestellten öffentlichen Leistungen zu verbessern. Dies hat
auch dazu geführt, dass sich die Formen der Erbringung öffentlicher
Leistungen verändert haben.
Diese veränderten Rahmenbedingungen finden auch in einer veränderten
Aufgabenstellung der öffentlichen Finanzkontrolle ihren Niederschlag.
Neue Aufgabenstellungen
- als beratendes Organ mit der Zielsetzung einer optimalen Ziel- und
Leistungsorientierung der öffentlichen Verwaltung und
- als Wegbereiter und Berater für Innovation und
- die Nutzung der Erkenntnisse der Wissenschaft
gewinnen immer mehr an Bedeutung.
Die geänderten Rahmenbedingungen erfordern auch eine verstärkte
Zusammenarbeit der Einrichtungen der öffentlichen Finanzkontrolle auf
internationaler und nationaler Ebene, die in Zukunft weit über einen
allgemeinen Gedanken- und Erfahrungsaustausch hinausgehen muss. Wie
die vom Europäischen Parlament gefasste Entschließung betreffend die
Prüfungsleistungen des Europäischen Rechnungshofes im Zusammenhang
mit der Entlastung für das Haushaltsjahr 2003 zeigt, wird unter
anderem künftig eine engere Zusammenarbeit zwischen den
Kontrolleinrichtungen gefordert sein.
Damit die öffentliche Finanzkontrolle diese neuen Herausforderungen
erfolgreich bewältigen kann, ist eine intensive Auseinandersetzung
mit den an sie gestellten Ansprüchen und eine wissenschaftliche
Aufarbeitung ihrer Arbeitsgrundlagen, ihrer Methoden und der
Interdependenzen zwischen der praktischen Prüfungstätigkeit und den
neuesten theoretischen Entwicklungen notwendig.
Denn nur eine höchst qualifizierte, international und national
vernetzte Finanzkontrolle mit anerkannten Qualitätsstandards kann dem
Ziel jeglicher öffentlicher Finanzkontrolle erfolgreich dienen,
nämlich den optimalen Einsatz öffentlicher Mittel und professionelle
Verwaltungsführung herbeizuführen.
Der Rechnungshof, die Landesrechnungshöfe und das Kontrollamt der
Stadt Wien bekennen sich daher dazu, die Ausbildung ihrer Prüferinnen
und Prüfer so zu gestalten, dass sie den höchsten Qualitätsmaßstäben
entspricht. Ziel ist es dabei, die Anforderungen der verschiedenen
Einrichtungen der öffentlichen Finanzkontrolle zu erfüllen und
Synergien bestmöglich zu nutzen.
Der Rechnungshof, die Landesrechnungshöfe und das Kontrollamt der
Stadt Wien teilen die Auffassung, dass diese Anforderungen in Zukunft
im Hinblick auf die Zielsetzung der Prüfungsorganisation, der
Vorbildung und der beruflichen Vorpraxis der Prüferinnen und Prüfer
und deren Einsatz im Prüfungsdienst durch eine abgestimmte Ausbildung
einerseits auf Universitätsniveau
(Post-Graduate-Universitätslehrgang) und andererseits eines
Fachhochschullehrganges erfüllt werden können, in denen die
wissenschaftlichen Erkenntnisse betreffend die öffentliche
Finanzkontrolle verbunden mit den praktischen Anforderungen der
Prüfungstätigkeit gelehrt werden.
Sie begrüßen daher das Angebot des bereits bestehenden Lehrganges
zum/zur Akademischen Rechnungshofprüfer/in der Fachhochschule des BFI
Wien (Lehrbetrieb in den Räumlichkeiten des BFI Burgenland in
Eisenstadt) sowie die Errichtung eines Post-Graduate-Studienganges
für öffentliche Finanzkontrolle an der Wirtschaftsuniversität Wien.
Ziel des Universitätslehrganges ist, die Prüferinnen und Prüfer der
öffentlichen Finanzkontrolle so auszubilden, dass sie der geforderten
Aufgabenstellung, als Berater, Innovator und Vernetzer wirksam zu
werden, Rechnung tragen können. In einem MBA-Programm sollen die
aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse mit den Anforderungen der
Prüfungspraxis in möglichst abgestimmter Weise verbunden werden.
Einen Schwerpunkt dabei bildet die Auseinandersetzung mit
internationalen Prüfungs- und Rechnungslegungsstandards der
Internationalen Organisation der Obersten Rechnungskontrollbehörden
(INTOSAI), der Europäischen Union und der International Federation of
Accountants (IFAC).
Zielgruppe dieser Lehrgänge sind in erster Linie die Prüferinnen und
Prüfer des Rechnungshofes und der Landesrechnungshöfe und des
Kontrollamtes der Stadt Wien. Darüber hinaus sollen die Lehrgänge
auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anderer
Finanzkontrolleinrichtungen, wie dem Europäischen Rechnungshof, den
Rechnungskontrollbehörden der Mitgliedstaaten der EU, den Städtischen
Kontrollämtern sowie den Internen Revisionen und anderen öffentlichen
Einrichtungen aber auch sonstigen Studierenden, die eine vertiefte
Qualifizierung auf dem Spezialgebiet des Public Auditing anstreben,
offen stehen.
Rückfragehinweis:
Rechnungshof
Dr. Edith Goldeband
Tel.: +43/1/71171 - 8466
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