Rechnungshof, Landesrechnungshöfe und Kontrollamt der Stadt Wien verstärken ihre Zusammenarbeit

Neue gemeinsame Ausbildungsstandards in der öffentlichen Finanzkontrolle beschlossen

Wien (OTS) - Im Rahmen der Konferenz der Direktoren der Landesrechnungshöfe und des Kontrollamts der Stadt Wien am 14. und 15. Juni 2005 in St. Pölten, an der traditionell auch der Präsident des Rechnungshofes teilnimmt, vereinbarten die Kontrolleinrichtungen im Interesse einer effizienten Finanzkontrolle eine intensivere Zusammenarbeit.

Der Rechnungshof, die Landesrechnungshöfe und das Kontrollamt der Stadt Wien werden in Entsprechung ihres Verfassungsauftrages und unter voller Anerkennung der Unabhängigkeit ihre Prüfungstätigkeiten noch besser aufeinander abstimmen und unter Bedachtnahme auf ihre jeweiligen Stärken tätig werden:

Der Rechnungshof als föderatives Bund-Länder-Organ zeichnet sich durch eine bundesweite Betrachtungsweise und vernetzte Prüfungshandlungen aus, wie dies am Beispiel des Einsatzes öffentlicher Mittel im Gesundheitswesen - insbesondere bei den Krankenanstalten - offenbar wird. Die Verbundenheit der Finanzwirtschaft des Bundes, der Länder und Gemeinden (Gemeindeverbände) und das Erfordernis des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichtes verlangt eine Bundesländer übergreifende, alle beteiligten Gebietskörperschaften umfassende externe Finanzkontrolle, wie sie nur der Rechnungshof leisten kann.

Auch die europäischen Vorgaben im Rahmen der Wirtschafts- und Währungsunion (Maastricht-Vertrag) und des österreichischen Stabilitätspaktes beziehen sich auf den gesamten öffentlichen Sektor und beweisen die Notwendigkeit der Prüfungen durch den Rechnungshof.

Die Landesrechnungshöfe und das Kontrollamt der Stadt Wien zeichnen sich demgegenüber durch ihre örtliche Nähe zu den geprüften Institutionen und ihre Vertrautheit mit landes- bzw. gemeindespezifischen Problemstellungen aus. Außerdem begünstigen kurze gesetzliche Stellungnahmefristen die Aktualität der veröffentlichten Ergebnisse.

Überdies haben der Rechnungshof, die Landesrechnungshöfe und das Kontrollamt der Stadt Wien folgenden Beschluss über neue gemeinsame Ausbildungsstandards gefasst:

Beschluss betreffend neue gemeinsame Ausbildungsstandards in der öffentlichen Finanzkontrolle

Die Strukturen der öffentlichen Verwaltung haben sich in den letzten Jahren erheblich verändert. Maßgebend hiefür waren einerseits der europäische Integrationsprozess und andererseits das Bestreben, die Produktivität der öffentlichen Verwaltung zu erhöhen und die Qualität der bereitgestellten öffentlichen Leistungen zu verbessern. Dies hat auch dazu geführt, dass sich die Formen der Erbringung öffentlicher Leistungen verändert haben.

Diese veränderten Rahmenbedingungen finden auch in einer veränderten Aufgabenstellung der öffentlichen Finanzkontrolle ihren Niederschlag.

Neue Aufgabenstellungen

  • als beratendes Organ mit der Zielsetzung einer optimalen Ziel- und Leistungsorientierung der öffentlichen Verwaltung und
  • als Wegbereiter und Berater für Innovation und
  • die Nutzung der Erkenntnisse der Wissenschaft

gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Die geänderten Rahmenbedingungen erfordern auch eine verstärkte Zusammenarbeit der Einrichtungen der öffentlichen Finanzkontrolle auf internationaler und nationaler Ebene, die in Zukunft weit über einen allgemeinen Gedanken- und Erfahrungsaustausch hinausgehen muss. Wie die vom Europäischen Parlament gefasste Entschließung betreffend die Prüfungsleistungen des Europäischen Rechnungshofes im Zusammenhang mit der Entlastung für das Haushaltsjahr 2003 zeigt, wird unter anderem künftig eine engere Zusammenarbeit zwischen den Kontrolleinrichtungen gefordert sein.

Damit die öffentliche Finanzkontrolle diese neuen Herausforderungen erfolgreich bewältigen kann, ist eine intensive Auseinandersetzung mit den an sie gestellten Ansprüchen und eine wissenschaftliche Aufarbeitung ihrer Arbeitsgrundlagen, ihrer Methoden und der Interdependenzen zwischen der praktischen Prüfungstätigkeit und den neuesten theoretischen Entwicklungen notwendig.

Denn nur eine höchst qualifizierte, international und national vernetzte Finanzkontrolle mit anerkannten Qualitätsstandards kann dem Ziel jeglicher öffentlicher Finanzkontrolle erfolgreich dienen, nämlich den optimalen Einsatz öffentlicher Mittel und professionelle Verwaltungsführung herbeizuführen.

Der Rechnungshof, die Landesrechnungshöfe und das Kontrollamt der Stadt Wien bekennen sich daher dazu, die Ausbildung ihrer Prüferinnen und Prüfer so zu gestalten, dass sie den höchsten Qualitätsmaßstäben entspricht. Ziel ist es dabei, die Anforderungen der verschiedenen Einrichtungen der öffentlichen Finanzkontrolle zu erfüllen und Synergien bestmöglich zu nutzen.

Der Rechnungshof, die Landesrechnungshöfe und das Kontrollamt der Stadt Wien teilen die Auffassung, dass diese Anforderungen in Zukunft im Hinblick auf die Zielsetzung der Prüfungsorganisation, der Vorbildung und der beruflichen Vorpraxis der Prüferinnen und Prüfer und deren Einsatz im Prüfungsdienst durch eine abgestimmte Ausbildung einerseits auf Universitätsniveau (Post-Graduate-Universitätslehrgang) und andererseits eines Fachhochschullehrganges erfüllt werden können, in denen die wissenschaftlichen Erkenntnisse betreffend die öffentliche Finanzkontrolle verbunden mit den praktischen Anforderungen der Prüfungstätigkeit gelehrt werden.

Sie begrüßen daher das Angebot des bereits bestehenden Lehrganges zum/zur Akademischen Rechnungshofprüfer/in der Fachhochschule des BFI Wien (Lehrbetrieb in den Räumlichkeiten des BFI Burgenland in Eisenstadt) sowie die Errichtung eines Post-Graduate-Studienganges für öffentliche Finanzkontrolle an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Ziel des Universitätslehrganges ist, die Prüferinnen und Prüfer der öffentlichen Finanzkontrolle so auszubilden, dass sie der geforderten Aufgabenstellung, als Berater, Innovator und Vernetzer wirksam zu werden, Rechnung tragen können. In einem MBA-Programm sollen die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse mit den Anforderungen der Prüfungspraxis in möglichst abgestimmter Weise verbunden werden. Einen Schwerpunkt dabei bildet die Auseinandersetzung mit internationalen Prüfungs- und Rechnungslegungsstandards der Internationalen Organisation der Obersten Rechnungskontrollbehörden (INTOSAI), der Europäischen Union und der International Federation of Accountants (IFAC).

Zielgruppe dieser Lehrgänge sind in erster Linie die Prüferinnen und Prüfer des Rechnungshofes und der Landesrechnungshöfe und des Kontrollamtes der Stadt Wien. Darüber hinaus sollen die Lehrgänge auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anderer Finanzkontrolleinrichtungen, wie dem Europäischen Rechnungshof, den Rechnungskontrollbehörden der Mitgliedstaaten der EU, den Städtischen Kontrollämtern sowie den Internen Revisionen und anderen öffentlichen Einrichtungen aber auch sonstigen Studierenden, die eine vertiefte Qualifizierung auf dem Spezialgebiet des Public Auditing anstreben, offen stehen.

Rückfragen & Kontakt:

Rechnungshof
Dr. Edith Goldeband
Tel.: +43/1/71171 - 8466

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