Energieversorger: Größe ist kein Erfolgsgarant

Aktuelle Studie von Accenture und IUB / Erfolgsfaktoren und Erfolgsmodelle von Energieversorgern in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Wien (OTS) - "Je größer, desto erfolgreicher". Dieser Zusammenhang gilt in der Energieversorgungsbranche offenbar nur mit Einschränkungen. Gerade mittlere Energieversorgungsunternehmen (EVU), die durch Fusionen und Zukäufe oder Neukunden gewachsen sind, konnten ihre Größenvorteile bislang nur begrenzt in Unternehmenserfolg umsetzen. Dies ist eines der Resultate aus der aktuellen Studie "Value Creator II", für die der Management-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleister Accenture und die International University Bremen (IUB) die Ergebnisse von 92 Energieversorgern in Deutschland, Österreich und der Schweiz analysiert haben.

"Größe kann das Unternehmensergebnis positiv beeinflussen. Dies beweisen die großen Energieversorger", erklärt DI Roland Hess, Partner bei Accenture in Österreich. "Ihnen ist es zunehmend gelungen, Synergien ihrer Unternehmensgröße in positive Ergebniseffekte umzuwandeln." Die mittleren Versorger müssen dagegen zunächst die Optimierungspotenziale in der Energiebeschaffung, der Kundenbetreuung beziehungsweise in den Shared Services realisieren, bevor ihre Größe zum ergebniswirksamen Vorteil wird.

8 Prozent Umsatzwachstum in Österreich

"Das größte Umsatzwachstum im Untersuchungszeitraum können mit acht Prozent die Österreichischen EVUs verzeichnen", erläutert Hess. "Die heimischen Energieversorger weisen aber mit 3,9 Prozent den niedrigsten ROIC auf - sie wachsen also bei sehr geringer Profitabilität", so Hess weiter. Dies könne so erklärt werden, dass viele der Synergiepotenziale entweder noch nicht konsequent genutzt werden oder dass die bereits getroffen Maßnahmen im Untersuchungszeitraum noch nicht wirkten. "Die Ergebniswirksamkeit von Restrukturierungs- oder Reorganisations-Maßnahmen setzt zumeist erst zeitversetzt ein", erläutert der Accenture-Partner.

Netzwerke schaffen Erfolgspotenziale

Energieversorger können Größe nicht nur durch Fusionen, Akquisitionen und neue Kunden erreichen. Dies zeigt eine der Erfolgsdeterminanten der Energiebranche: Netzwerke schaffen Erfolgspotenziale. So stieg die Umsatzrendite von kooperierenden Versorgern im Betrachtungszeitraum der Studie (1999 bis 2003) um fast zwei Prozent, während sie bei anderen Energieversorgern stagnierte.

Der Grad der Eigenproduktion hat sich zu einem der erfolgskritischen Faktoren entwickelt. Vor allem bei mittleren Versorgern, die Energie in hohem Maße selbst produzieren, vernichtet diese Eigenproduktion Unternehmenswert. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung liegt in der erhöhten Markteffizienz auf der Großhandelsstufe. Dazu Hess: "Viele müssen sich die Frage nach ihren Kernkompetenzen stellen. Für sie gilt es, eine Strategie zu entwickeln, Anlagen kostenoptimal und risikoneutral zu finanzieren, zu bauen und zu betreiben sowie überschüssigen Strom bestmöglich zu verkaufen und Fehlmengen preisgünstig einzukaufen."

Auch die Kundenstruktur hat einen maßgeblichen Einfluss auf Unternehmenserfolg und Umsatzentwicklung. So erhöht ein großer Privatkundenanteil zwar den Erfolg, die Energieversorger konnten aber die gestiegenen Ergebnisbeiträge nicht mit entsprechenden Umsatzsteigerungen verbinden. Besser sieht es bei den Industriekunden aus: Ein hoher Anteil in diesem Kundensegment erhöht eindeutig den Erfolg. Dagegen wirkt sich ein hoher Kundenanteil von Weiterverteilern im Untersuchungszeitraum eindeutig negativ auf den Erfolg und das Umsatzwachstum aus.

Erfolgsfaktor Prozess-Exzellenz

"Exzellente Geschäftsprozesse sind grundsätzlich ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Energiebranche. So konnten etwa die zehn Unternehmen mit den effizientesten Prozessen - gemessen an den Days Sales Outstanding (DSO) - deutlich höhere Umsätze pro Mitarbeiter und gleichzeitig geringere Personalaufwendungen erreichen, als die zehn Unternehmen mit den am wenigsten effizienten Prozessen", unterstreicht Hess.

Multi-Utility zu sein, d.h. die Abdeckung mehrerer Sparten durch einen Versorger, hat seine Bedeutung als Erfolgsfaktor verloren. Obwohl die durch eine Multi-Utility-Strategie möglichen Synergien bereits zu einem Großteil realisiert wurden, muss man in der Branche weiterhin von signifikanten, noch unrealisierten Potenzialen ausgehen: "Den größten Hebel bildet dabei die spartenübergreifende Optimierung der technischen Geschäftsprozesse sowie die effektive Nutzung von IT-Systemen", so der Accenture-Partner

Energieversorger können sich besonders zielführend positionieren, wenn sie sich konsequent an einem der vier strategischen Erfolgsmodelle ausrichten:

- Lokaler Champion: Diese Unternehmen haben sich eindeutig regional positioniert und eine differenzierte Durchdringung des Heimatmarkts auf der Basis effizienter Strukturen vor allem im Prozess- und Kundenmanagement erreicht. In diese Kategorie sind heute viele Österreichische EVUs einzuordnen.

- Duplikator: Diese Unternehmen haben ihre Wachstumsstrategie über Fusionen und Akquisitionen wertsteigernd umgesetzt, weil sie ihre eigene Prozessexzellenz konsequent auf akquirierte Unternehmen übertragen haben.

- Netzwerker: Diese Unternehmen kooperieren mit anderen Energieversorgern, um Aktivitäten gemeinsam oder koordiniert durchzuführen und überlegene Fähigkeiten einzelner Netzwerkmitglieder mit den Partnerunternehmen auszutauschen.

- Multinationaler Konzern: Diese Unternehmen sind auf allen Wertschöpfungsstufen aktiv, verfügen über ein breites Beteiligungsgeflecht von nationalen und internationalen Unternehmen und nutzen dabei signifikante Größenvorteile.

Zur Studie

Für die Studie "Value Creator II" haben Accenture und die IUB die Ergebnisentwicklung von 92 Energieversorgungsunternehmen (76, deutsche, 8 österreichische und 8 schweizerische EVU) in den Jahren 1999 bis 2003 untersucht. Im Fokus der Untersuchung standen 88 mittlere EVU (Umsatz 2003: 50 Mio. Euro bis 5 Mrd. Euro) und 4 große EVU (Umsatz 2003: größer 5 Mrd. Euro). Der Analyse wurden primär zwei Erfolgsgrößen zugrunde gelegt: Economic Value Added (EVA(R)) und Utility Success Index (USI). Es wurden insgesamt 200 Vorstands- und Geschäftsführungsmitglieder befragt. Der Betrachtungszeitraum umfasst die Jahre 1999-2003. Die Autoren der Studie sind Prof. Andreas Bausch und Thomas Fritz, Research Associate von der International University Bremen, Dr. Henning Pfaffhausen, Partner bei Accenture und Alexander Holst, Manager im Berliner Büro von Accenture.

Über Accenture:

Accenture ist ein weltweit agierender Management-, Technologie-und Outsourcing-Dienstleister. Mit dem Ziel, Innovationen umzusetzen, hilft das Unternehmen seinen Kunden durch die gemeinsame Arbeit leistungsfähiger zu werden. Umfangreiches Branchenwissen, Geschäftsprozess-Know-how, internationale Teams und hohe Umsetzungskompetenz versetzen Accenture in die Lage, die richtigen Mitarbeiter, Fähigkeiten und Technologien bereit zu stellen, um so die Leistung seiner Kunden zu verbessern. Mit über 110.000 Mitarbeitern in 48 Ländern erwirtschaftete das Unternehmen im vergangenen Fiskaljahr (zum 31. August 2004) einen Nettoumsatz von 13,67 Milliarden US-Dollar. Die Internet-Adresse lautet www.accenture.at.

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