Ungarn 2005: Die Manufaktur Zsolnay in Pécs

Wien (OTS) - "Zsolnay Etüden" nennt sich der neue
Kunstdruckkatalog der berühmten südwestungarischen Keramik-Manufaktur, der anläßlich der Ausstellung im Collgeium Hungaricum Wien produziert wurde. Und die darin enthaltenen Prunkstücke tragen nicht nur klingende Namen wie "Lotus", die Erzeugnisse des Familienbetriebes, von Zier- und Gebrauchsgegenständen bis hin zu Baukeramik, sind wahrlich in Formen gebrachte Musik und Harmonie.

Die 1853 gegründete Keramikfabrik avancierte bereits bis zur Jahrhundertwende zur größten Manufaktur der Monarchie und ihre Produktpalette umfaßte schon damals Baukeramik, Industrieporzellan, Fliesen und Ofenkacheln. Weltruhm erlangte das Unternehmen jedoch durch die Zierkeramikherstellung.

Die größten Erfolge sind eng mit dem Namen Vilmos Zsolnay (1828-1900) verbunden, Industrieller, Technologe und Künstler in einer Person, der unter anderem die Porzellan-Fayence erfand, die 1878 bei der Pariser Weltausstellung vorgestellt wurde. Ihre Besonderheit ist ein speziell entwickelter, mit Metalloxiden gefärbter Schmelzüberzug. Seine zweite Pionierleistung war 1890 die Erfindung des Pyrogranits, eine bei hoher Temperatur gebrannte, homogenstrukturierte Baukeramik, die den Extremen des Kontinentalklimas standhalten kann. Sie wurde von Ödön Lechner, dem "Schöpfer" des ungarischen Jugendstils, in zahlreichen seiner Gebäude verwendet, sowohl als Gebrauchs- als auch als Zierkeramik. Besonders schöne Beispiele in Budapest sind im Parlament, in der Matthiaskirche und an der Fassade der ehemaligen Postsparkasse zu finden. Zsolnay-Keramik findet sich aber auch in vielen anderen Städten, deren Blüte in die Zeit der Sezession fiel, wie etwa in Kecskemét am Rathaus und am Cifra-Palast als bedeutendste Bauwerke, aber auch an zahlreichen Bürgerhäusern. Natürlich ist die Heimatstadt der Manufaktur selbst ein Beispiel der Porzellankunst, nicht nur bei Hausfassaden, sondern auch am berühmten Zsolnay-Brunnen, einem einzigartigen Juwel.

Nicht zuletzt ist Vilmos Zsolnay die Entdeckung der Eosin-Technik zu verdanken, die auf die maurische Keramikkunst zurückgeht und durch das neue Verfahren auch unter Fabrikbedingungen ermöglicht wurde. Ihre volle Pracht entfaltete diese Technik bei den mehrfarbigen sezessionistischen Ziergegenständen und orientalisierenden Keramiken.

Nach der Weltausstellung übernahm der Wiener Ernst Wahliss den Auslandsvertrieb der Zsolnay-Erzeugnisse und sorgte so für deren Siegeszug durch Europa. Neben den ästhetischen Gebrauchs- und Zierkeramiken erlangte die Pécser Fabrik jedoch im Zeitalter der Industrialisierung eine bedeutende Rolle etwa am Markt für Porzellanisolatoren.

Mit dem Zerfall der Monarchie verlor das Unternehmen einen Großteil ihrer Rohstoffvorkommen und Märkte und trotz eines neuen Anlaufs mit Zierkeramik in den 20-er Jahren beschränkte sich die Produktion bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg hauptsächlich auf Sanitärkeramik. Erst 1974 etablierte sich die Manufaktur wieder erfolgreich neu mit den von Vilmos Zsolnay entwickelten Techniken und einem Schwerpunkt auf Zierkeramik.

Heute sind vor allem die handgefertigten Zierflaschen, Krüge, Vasen und Schalen berühmt, aber auch die Geschirrserien und nicht zuletzt die figürlichen Gegenstände, insbesondere die "grüne Linie". Das an die Manufaktur angeschlossene Museum zeigt die Geschichte der Familie und der Keramikfabrik, sowie wertvolle Exponate der Zsolnay Porzellankunst.

Informationen: Janus-Pannonius-Museum, H-7621 Pécs, Káptalan u. 5. Tel. 0036/72/310172, Fax 0036/72/315694, jmp@jmp.hu, www.jmp.hu

Rückfragen & Kontakt:

Ungarisches Tourismusamt,1010 Wien, Opernring 5/2.Stock.
Tel. 0043/1/5852012-13, Fax 0043/1/5852012-15,
ungarn@ungarn-tourismus.at,
www.hungary.com, www.ungarn-tourismus.at,
kostenloses Infotelefon nach Ungarn: 00800 3600 0000,
Infotelefon in Wien: 0900 22 00 13(0,61 Euro pro Min)

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HUN0001