Die Michaeler Gruft: Rettung eines Kulturdenkmals

Wien (OTS) - Die Michaeler Gruft unter der gleichnamigen Kirche in der Innenstadt zählt zu den verborgenen und doch bedeutenden Kulturdenkmälern der Stadt. Feuchtigkeit und Schädlinge haben den Särgen in der Gruft vor allem in den letzten Jahrzehnten zugesetzt und machen nun ein umfangreiches Sanierungsprogramm notwendig, das gemeinsam von der Kirche, auch mit Hilfe des Vereins "Freunde der Michaelerkirche", der Stadt Wien und dem Bundesdenkmalamt in Angriff genommen wird. In einem Pressegespräch informierten am Freitag der Pfarrer von St. Michael Pater Dr. Peter van Meijl, Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny und Landeskonservatorin Dr. Barbara Neubauer über die Maßnahmen, die getroffen werden, um dieses, so Mailath-Pokorny, besondere kulturhistorische Denkmal zu restaurieren und für die Zukunft zu erhalten.****

Mailath-Pokorny wies in diesem Zusammenhang auf das Engagement des Wiener Altstadterhaltungsfonds für Sakralbauten hin, allein von 2001 bis 2004 wurden 13 Millionen Euro für Kirchenrenovierungen beigesteuert. Wie für die Kapuzinergruft mit 1,1 Millionen Euro und die Franziskanergruft mit rund 50.000 Euro werde der Altstadterhaltungsfonds auch seinen Beitrag für die Michaeler Gruft leisten. Die Renovierung der Michaelerkirche wurde vom Altstadterhaltungsfonds ebenfalls mit rund einer halben Million Euro mitgetragen. Der Zeitraum für die notwendigen Arbeiten an der Michaeler Gruft wurd von Dr. Neubauer auf 10 bis 15 Jahre geschätzt, der Kostenrahmen mit rund 3 Millionen Euro angegeben.

4000 Tote in der Michaeler Gruft

Rund 4000 Menschen wurden in den verzweigten Grüften von St. Michael in der Zeit von 1630 bis zum Verbot von Begräbnissen innerhalb der Stadt durch Josef II. 1784 begraben, die meisten von ihnen ruhen unter dem Boden der Gruft, wo sie nach den immer wieder vorgenommenen Räumungen aus Platzgründen ihre letzte Ruhe fanden. Rund 250 Särge, davon 33 Metallsärge, der Rest Holzsärge, viele von ihnen noch mit barocken Malereien, Vanitas-Symbolen etc. verziert, befinden sich heute in der Gruft. Großen historischen Wert haben die 23 noch vorhandenen mumifizierten Leichen, die durch ihre barocke Kleidung und Grabbeigaben viel über ihre Zeit aussagen, aber dem Besucher auch ein "Memento Mori" mitgeben.

Viele der Särge sind bereits durch die hohe Luftfeuchtigkeit schwerstens geschädigt. Diese Situation entstand durch die Zumauerung der ursprünglich eingebauten Luftschächte, möglicherweise im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Weiters setzt den Holzsärgen der Rüsselkäfer zu, ein eingeschleppter "Bohrwurm", der besonderes feuchtes Holz schädigt. Erstes Ziel der Sanierungsarbeiten ist nun die Wiederherstellung eines "gesunden" Raumklimas und in der Folge, soweit möglich, die Erhaltung und Restaurierung der Särge und Mumien, eine Aufgabe, die enormes restauratorisches Geschick und viele Jahre Zeit verlangt.

Altstadterhaltungsfonds und Wiener Sakralbauten

Seit seiner Begründung vor über dreißig Jahren trägt der Wiener Altstadterhaltungsfonds auch maßgeblich zur Restaurierung und Erhaltung der Wiener Sakralbauten bei. So wurden, wie Kulturstadtrat Mailath-Pokorny betonte, in letzter Zeit unter anderem die Franziskanerkirche, die Annakirche, die Mariahilfer Kirche und viele andere mit Hilfe des Fonds in Stand gesetzt, ständige Jahresraten leistet der Fonds für den Stephansdom und die Karlskirche. 2004 wurden insgesamt 2,1 Millionen Euro an Zuschüssen für Kircherenovierungen beschlossen, 603.240 Euro für die Pestsäule am Graben, 121.000 Euro für den ehemaligen israelischen Betpavillon im alten AKH und 54.340 Euro für den St. Marxer Friedhof und den israelitischen Friedhof Seegasse.

Gruftbuch, Ausstellung, Führungen

Das Buch "Die Michaeler Gruft in Wien - Retten, was zu retten ist" von Alexandra Rainer ist soeben erschienen, in der Michaelerkirche ist zur Zeit eine Ausstellung zu sehen, in der zeitgenössische Künstler eindrucksvoll ihre Begegnung mit dem Thema Gruft präsentieren. Führungen durch die Michaeler Gruft gibt es Montag bis Freitag um 11, 13, 15 und 16 Uhr. Spezialführungen auf Anfrage unter Tel.: 0650 533 8003.

Spenden für die Gruft

Spenden für die Arbeiten an der Gruft werden gerne entgegengenommen unter:

o Treuhandkonto Bundesdenkmalamt
"Rettet die Michaeler Gruft"
Bankleitzahl 32.000
Raiffeisenlandesbank für Niederösterreich-Wien
Kontonummer: 17 001 942

Weitere Informationen

o Internet: http://www.michaelerkirche.at/

(Schluss) gab

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Dr. Martin Gabriel
Tel.: 4000/81 842
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