- 02.06.2005, 13:25:22
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Wiener Auszeichnungen für Persönlichkeiten des Musiklebens
Wien (OTS) - Drei Persönlichkeiten des Wiener Musiklebens wurden
heute, Donnerstag, von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny im
Wiener Rathaus ausgezeichnet: Peter Planyavsky, Domorganist zu St.
Stephan und Komponist, Michael Radulescu, Organist und Komponist, und
Chieh Shih, Komponist, erhielten das "Goldene Verdienstzeichen des
Landes Wien".
Mailath bekräftigte im Rahmen der Verleihung das Engagement der
Stadt für Offenheit und Internationalität: Planyavsky wurde in Wien
geboren, Radulescu in Bukarest, Shih in Taipeh. "Es sind drei
Persönlichkeiten, die Wien zum Mittelpunkt ihres künstlerischen
Schaffens gewählt haben", so Mailath. Die Kultur in Wien habe immer
schon von den unterschiedlichsten Einflüssen, Kulturen und
Identitäten gelebt.****
Peter Planyavsky zeichne sich durch Kreativität, Musikfreude und
Humor aus, so Gerhard Kramer in seiner Laudatio. Als Organist und
Dommusikdirektor sei ihm der Neubau und die Neupositionierung der
Orgel zu St. Stephan gelungen. Sein Verdienst sei es auch, die Musik
des 20. Jahrhunderts in St. Stephan integriert zu haben.
Michael Radulescu besteche durch seine Lust an der Vielfalt, so
Roman Summereder. "Er ist kein Spezialist, sondern versteht es, die
gegensätzlichen Musiken zu vermitteln und zu erklären. Seine Musik
ist in sich gekehrt, still und suggestiv".
Chieh Shih verfüge über jene künstlerischen Mittel, die die
Verkrustungen unseres Denksystems aufsprengen, sagt Christian Baier
über Chieh Shih. Für Shih sei die Auseinandersetzung mit der
Tradition die Voraussetzung, um zu einer künstlerischen Gegenwart zu
kommen.
Biographie Peter Planyavsky
Peter Planyavsky wurde 1947 in Wien geboren. Nach dem Besuch des
Gymnasiums studierte er an der Wiener Hochschule für Musik und
darstellende Kunst Orgel, Komposition, Improvisation (bei Anton
Heiller), Klavier (bei Hilde Seidlhofer) und Dirigieren (bei Hans
Gillesberger). 1966 diplomierte er in den Fächern Orgel und
Kirchenmusik.
1969 wurde er Organist am Dom zu St. Stephan in Wien, wo er 1983
zum Dommusikdirektor ernannt wurde. In dieser Stellung hatte er die
alleinige künstlerische Verantwortung für das gesamte musikalische
Programm. Von 1991 bis 2004 übte er das Amt des Domorganisten aus.
Parallel dazu erhielt er 1980 an der Wiener Hochschule für Musik und
darstellende Kunst eine Professur für Orgel, Improvisation und
Liturgisches Orgelspiel, die er bis zum heutigen Tage innehat.
Darüber hinaus ist er als geschätzter Vortragender bei Meisterkursen
in fast allen Ländern Europas, in Japan, Australien, Südafrika und
den USA tätig.
Als Komponist ist Planyavsky nicht nur von seinem Lehrer Anton
Heiller stilistisch beeinflusst, sondern lässt sich auch von den
großen französischen Orgelkomponisten wie Jehan Alain und Olivier
Messiaen inspirieren. Seine großteils geistlichen Kompositionen,
darunter vor allem Orgelstücke und Chorwerke, gehören zum fixen
Repertoire vieler Kirchenmusiker der heutigen Zeit.
Biographie Michael Radulesco
Michael Radulescu wurde 1943 in Bukarest geboren. Seinen ersten
Musikunterricht erhielt er bereits im Elternhaus, bevor ihm seine
Eltern noch im Kindesalter Orgelunterricht (ab 1956 bei Victor
Bickerich) und Kompositionsunterricht (ab 1957 bei Mihai Jora, einem
Schüler von Max Reger) angedeihen ließen. 1964 kam Radulescu nach
Österreich, wo er zunächst die Sommerakademie am Mozarteum Salzburg
besuchte. Ein Jahr später inskribierte er an der Wiener Hochschule
für Musik und darstellende Kunst die Fächer Orgel und Kirchenmusik
(bei Anton Heiller) und Dirigieren (bei Hans Swarowsky und Karl
Österreicher) und diplomierte 1968.
Im selben Jahr erhielt Radulescu bereits eine Professur für
Orgel an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst und erlangte
innerhalb kürzester Zeit einen besonders guten Ruf als Pädagoge. So
leitete er von 1971 bis 1990 den Orgelkurs bei den Internationalen
Meisterkursen Vaduz und war von 1977 bis 1989 als Leiter der
Süddeutsch-Italienischen Orgelakademie im Rahmen der Internationalen
Akademie für Alte Musik in Innsbruck engagiert. 1990 wurde er zum
Leiter der Bach-Akademie in Porrentruy (Schweiz) bestellt.
Geprägt wurde der Komponist Radulescu besonders durch seine
Auseinandersetzung mit den Werken von Paul Hindemith und Anton von
Webern. Er bezieht in seine Tonsprache auch Kompositionstechniken
älterer Zeiten (so vor allem der Musik der Renaissance) ein, woraus
ein interessantes Spannungsfeld zwischen dem Zeitempfinden früher
Epochen und jenem der Gegenwart entsteht.
Biographie Chieh Shih
Chieh Shih wurde 1950 in Taipeh geboren. Frühen Musik- und
Ballettunterricht genoss er in seiner Geburtsstadt. Nach dem Ende
seiner Gymnasiumszeit entschloss er sich 1974, nach Wien zu gehen, wo
er an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Komposition
(bei Thomas Christian David) und Harfe (bei Adelheid Miller)
studierte und 1983 mit Diplom abschloss. Seit damals lebt er ständig
in Wien.
Von 1987 bis 1997 unterrichtete Shih Klavier und Theorie an der
Musikschule Hainfeld. Danach entschloss er sich, als Privatlehrer für
Komposition und Klavier und als freischaffender Komponist tätig zu
sein. Seine Werke erlebten Uraufführungen bei renommierten
Musikfesten wie den Hörgängen Wien, den Wiener Festwochen, dem 1.
Festival des zeitgenössischen Musiktheaters Leipzig, den 8. Dresdner
Tagen der zeitgenössischen Musik, The Untermyer Performing Arts
Festival New York oder dem Incontro con la lirica internazionale
Roma. Kompositionsaufträge kamen von der Pocket Opera Company
Nürnberg, dem Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik, dem
Joseph-Haydn-Kammerensemble Leipzig, der Wiener
Konzerthausgesellschaft, der Stadt Wien, Amnesty International und
dem ORF.
Internationales Aufsehen erregte Shih mit seiner Kammeroper
"Vatermord", die nach ihrer Uraufführung 1994 im Festspielhaus
Hellerau bei Dresden diverse Folgeaufführungen in mehreren Ländern
Europas erlebte. 2003 fand die österreichische Erstaufführung in Wien
statt. (Schluss) rar
Rückfragehinweis:
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Dr. Renate Rapf
Tel.: 4000/81 175
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