• 30.05.2005, 12:18:34
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Evangelischer Oberkirchenrat Bünker zur Causa Kampl: "Untragbar"

Bünker: Für die Evangelische Kirche gibt es weder Schlussstrichmentalität noch Relativierung der Nazi-Verbrechen - Bundesrat, der Verantwortung nicht wahrnimmt, ist untragbar

Wien (epdÖ) - Massive Kritik am Kärntner Bundesrat Siegfried Kampl
kommt auch vom evangelischen Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker. "Für
die Evangelische Kirche gibt es weder eine Schlussstrichmentalität
noch eine Relativierung der Verbrechen des Naziregimes", sagte Bünker
gegenüber epd Ö. Ein Bundesratspräsident, der seinen eigenen
Standpunkt durchsetzen wolle und nicht bereit sei, die Verantwortung,
die er als Bundesrat und Bürgermeister übernommen habe, wahrzunehmen,
"ist untragbar", so das Mitglied der evangelischen Kirchenleitung.
Ohne Kampls Rücktritt blieben seine Aussagen im Raum stehen und
"werfen ein schiefes Licht auf alle Erklärungen, die im laufenden
Gedenkjahr abgegeben worden sind".
Bünker schließt sich der Erklärung von Diakonie-Direktor Mag. Michael
Chalupka und Caritas-Wien-Direktor Dr. Michael Landau an, in der am
Montag Kampls Haltung als "unerträglich und empörend" bezeichnet
wird. Kampl - er hatte Wehrmachtdeserteure als zum Teil
Kameradenmörder bezeichnet und eine "brutale Naziverfolgung" nach
1945 beklagt - hat am Sonntag angekündigt, doch nicht aus dem
Bundesrat auszuscheiden.

"Als Bürger dieses Landes sind wir tief betroffen", meinten Landau
und Chalupka dazu. Kampls Haltung sei "absolut inakzeptabel und
beschädigt das Ansehen Österreichs". Als Seelsorger wisse man um die
"tiefen Wunden und Narben, die viele Menschen noch immer schmerzen".
Das bedeute für unser Land aber auch die Pflicht zur Konfrontation
mit den Fragen von Erinnerung und Umgang mit Geschichte und Schuld -
gerade auch in diesem Gedenkjahr.

Von Politikern erwarte man einen "verantwortungsvollen Umgang mit
Geschichte". 60 Jahre nach Kriegsende dürfe es nicht geschehen, "dass
das Koordinatensystem der Werte, das die Zweite Republik geprägt und
ermöglicht hat, in entscheidenden Punkten verrückt wird". Und weiter:
"Zu wissen und zu erleben, dass es Abgeordnete gibt, die sich diesem
Grundkonsens verweigern, das ist für uns unerträglich und empörend."
Chalupka und Landau sehen es als besondere Herausforderung an, "hier
nicht nur alle politischen Möglichkeiten auszuschöpfen, sondern auch
klare und dauerhaft wirksame Formen der Ablehnung dieser Haltung zu
finden". "Es ist an der Zeit, mit dem Wegsehen aufzuhören! Und gerade
die Kirchen können und dürfen nicht schweigen, wo die Würde der Opfer
neuerlich mit Füßen getreten wird", heißt es in der Erklärung.

Rückfragehinweis:
epdÖ
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
Dr. Thomas Dasek
mailto:[email protected]
http://www.evang.at

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