OeNB - Zinssätze für Wohnbaukredite in Österreich im ersten Quartal 2005 rückläufig

Die Entwicklungen der Bankenzinssätze in Österreich und im Euroraum

Wien (OTS) - Wien (OTS) - Deutliche Rückgänge ließen sich bei Zinssätzen für neu vergebene Wohnbaukredite in Euro im ersten Quartal 2005 in Österreich verzeichnen. Nominal lag der Durchschnittszinssatz im März 2005 bei 3,63 % (-0,20 %-Punkte gegenüber Dezember 2004), effektiv erstmals unter 4 % (bei 3,98 %). Bei Konsumkrediten bzw. Unternehmenskrediten gab es zwar im abgelaufenen Quartal kaum Veränderungen, die Zinssätze lagen aber - teilweise deutlich - unter den vergleichbaren Durchschnittswerten für den Euroraum. Im Fremdwährungskreditbereich reduzierte sich der relative Zinsvorteil des CHF-Kredites gegenüber dem Euro-Kredit erneut.

Bei den Einlagenzinssätzen konnten im ersten Quartal 2005 leichte Rückgänge verzeichnet werden. Über der März-Inflationsrate von 2,5 % lagen im März 2005 im Neugeschäft lediglich die Zinssätze von Einlagen mit Bindungsfrist von mehr als 2 Jahren (durchschnittlich 2,81 %). Die neu vergebenen Durchschnittszinssätze lagen in Österreich in den meisten Kategorien im Schnitt des Euroraums, im längerfristig gebundenen Bereich (über 2 Jahre) und bei täglich fälligen Einlagen aber deutlich darüber.

Parallel zu den geringen Veränderungen beim EZB-Hauptrefinanzierungssatz (- 0,01 %-Punkte zwischen Dezember 2004 und März 2005) und bei den Zwischenbankzinssätzen (der 12-Monats-EURIBOR stieg zwischen Dezember 2004 und März 2005 um 0,04 %-Punkte auf 2,34 %) gab es auch bei den Kundenzinssätzen der Banken im Neugeschäft im 1. Quartal 2005 im wesentlichen nur geringe Veränderungen.

Nicht diesem Trend entsprechend war der weiterhin starke Rückgang bei neu abgeschlossenen Wohnbaukrediten in Euro. Nicht zuletzt aufgrund von zahlreichen Aktionen von Bausparkassen (vor allem für Zwischenfinanzierungen) sank der Zinssatz im ersten Quartal 2005 um 0,20 %-Punkte von 3,83 % auf 3,63 % und erreichte damit einen Tiefststand seit Erhebung der EZB-Zinssatzstatistik. Ein Vergleich mit der Entwicklung des durchschnittlich im Euroraum vergebenen Zinssatzes während desselben Zeitraums (-0,07 Prozentpunkte auf 3,74 %), ließ einen Vorteil für Österreichs Kunden bei neuen Wohnbaukrediten erkennen. Auch der Effektivzinssatz (inklusive aller Gebühren) sank in Österreich mit 3,98 % (März 2005) in diesem Quartal erstmals unter die 4 %-Marke. Die anhaltende Abwärtsbewegung im Neugeschäft spiegelt sich aber auch bei den Zinssätzen über das gesamte aushaftende Kreditvolumen wider. Bei Wohnbaukrediten mit Laufzeit von über 5 Jahren (welche mehr als 85 % aller aushaftenden Wohnbaukredite ausmachten) wurde in Österreich im März im Durchschnitt ein Zinssatz von 4,50 % verrechnet, im Euroraum hingegen ein Wert von 4,78 %.

Bei Großkrediten (über 1 Million Euro) an nichtfinanzielle Unternehmen gab es zwar im Quartalsvergleich ebenfalls einen stärkeren Rückgang (um 0,17 %-Punkte auf 2,91 %), allerdings wurde der Vergleichswert im Dezember 2004 durch die Ende des Jahres erfolgten Neuverhandlungen von Konditionen mit Unternehmen schlechterer Bonität beeinflusst. Ein Vergleich des aktuell im März vergebenen Zinssatzes mit dem gleitenden Durchschnitt über 6 Monate (ebenfalls 2,91 %) zeigte aber, dass bei den Konditionen für Unternehmenskredite über 1 Million Euro eher Stagnation vorherrschte. Der aktuelle Zinssatz für Großkredite auf Euroraumebene (3,12 %) wurde im März jedenfalls unterschritten. Viel deutlicher unter den Euroraum-Vergleichswerten lagen die Neugeschäfts-Zinssätze im März in Österreich bei Krediten an Unternehmen mit Volumen von unter 1 Million Euro (3,53 % in Österreich gegenüber 3,94 % im Euroraum).

Bei Konsumkrediten zählten die von Österreichs Banken vergebenen Zinssätze nach wie vor zu den günstigsten im Euroraum und lagen mit 5,03 % auch deutlich unter dem Euroraum-Durchschnitt (7,06 %). Ein Grund für diesen großen Unterschied ist sicherlich, dass in Österreich der überwiegende Teil des Neugeschäfts (rund 89 %) variabel oder kurzfristig (bis 1 Jahr) fix, hingegen im Euroraum der Großteil (rund 74 %) mit Zinsbindung von mehr als 1 Jahr vereinbart wurden.

Bei Fremdwährungskrediten setzte sich der Rückgang des relativen Zinsvorteils der CHF-Kredite gegenüber dem Euro-Kredit weiter fort. Der entsprechende Durchschnittszinssatz über das Neugeschäft an Unternehmen und private Haushalte sank bei CHF-Krediten im 1. Quartal 2005 lediglich um 0,01 %-Punkt auf 1,88 %, der vergleichbare Durchschnittszinssatz über alle neu vergebenen Euro-Kredite zwischen Dezember 2004 und März 2005 hingegen um 0,10 %-Punkte auf 3,27 %.

Bei den Einlagenzinssätzen mussten die Kunden beim Neugeschäft im abgelaufenen Quartal weiterhin - wenn auch geringe - Reduktionen in Kauf nehmen. Je nach Bindungsfrist lagen bei neu vereinbarten Spareinlagen die Zinssätze im März 2005 um 0,03 (bei über 2 Jahren Bindungsfrist) bzw. 0,07 (bei 1-2 Jahren Bindungsfrist) %-Punkte unter den durchschnittlich im Dezember 2004 verrechneten Konditionen. Wenn man die aktuelle Inflationsrate von 2,5 % im März in Betracht zieht, erkennt man, dass man bei einer Spareinlage nur bei einer Bindung von mehr als 2 Jahren im Neugeschäft einen - wenn auch nur leicht - positiven realen Zinssatz erhielt. Dennoch lagen Österreichs private Haushalte im Vergleich zum Durchschnitt des Euroraums damit nach wie vor sehr gut. Die Zinssätze mit Bindungsfrist von bis zu 1 Jahr (1,94 %) bzw. 1-2 Jahren (2,15 %) lagen ziemlich genau im Euroraum-Schnitt, jene mit Bindungsfrist von über 2 Jahren mit 2,81 % erheblich über dem durchschnittlich im Euroraum vergebenen Vergleichswert (2,40 %). Bei täglich fälligen Einlagen erhielten private Haushalte in Österreich mit 0,97 % einen deutlich höheren Zinssatz als der durchschnittliche Kunde im Euroraum (0,74 %), wobei hier insbesondere die hohen Zinssätze für täglich fällige Einlagen im Bauspargeschäft den Zinssatz nach oben beeinflussten.

Vergleich Neugeschäftszinssätze1) für Kredite in Österreich und im gesamten Euroraum
Kredite

an private Haushalte an nichtfinanz. Untern. Konsumkred. Wohnbaukred. bis über 1 Mio Euro 1 Mio Euro Öst.2) Euro- Öst. Euro- Öst. Euro- Öst. Euro- raum 3) raum raum raum 2004/03 5,29 7,28 4,02 4,02 4,03 4,05 2,92 3,05 2004/04 5,22 7,08 3,85 3,97 3,87 3,99 2,94 3,10 2004/05 5,24 7,11 3,82 3,91 3,78 4,09 2,91 3,12 2004/06 5,23 7,15 3,93 3,93 3,53 4,07 2,90 3,08 2004/07 5,20 7,26 3,81 3,96 3,62 4,11 2,89 3,12 2004/08 5,11 7,36 3,77 4,05 3,50 4,15 2,98 3,07 2004/09 5,08 7,31 3,86 3,97 3,52 4,09 2,85 3,10 2004/10 5,10 7,22 3,82 3,93 3,46 4,10 2,82 3,09 2004/11 5,12 7,22 3,83 3,86 3,54 4,10 2,89 3,06 2004/12 5,02 6,89 3,83 3,81 3,51 4,05 3,08 3,16 2005/01 5,01 7,23 3,89 3,83 3,61 4,05 2,84 3,09 2005/02 5,01 6,98 3,62 3,75 3,60 3,99 2,89 3,09 2005/03 5,03 7,06 3,63 3,74 3,53 3,94 2,91 3,12

1) Der Zinssatz ist der vereinbarte annualisierte Jahreszinssatz
in Prozent pro Jahr
2) Von Österreichs Banken vergebener Durchschnittszinssatz
3) Von allen Banken im Euroraum vergebener Durchschnittszinssatz

Vergleich Neugeschäftszinssätze1) für Einlagen in Österreich und im gesamten Euroraum

Einlagen von privaten Haushalten v.nichtfinanz. Unternehmen bis 1 Jahr 1-2 Jahre über 2 Jahre Öst.2) Euro- Öst. Euro- Öst. Euro- Öst. Euro- raum 3) raum raum raum 2004/03 1,89 1,91 2,20 2,13 2,87 2,31 1,96 1,98 2004/04 1,93 1,96 2,11 2,13 2,79 2,41 1,95 1,98 2004/05 1,86 1,86 2,10 2,15 2,72 2,43 1,97 1,99 2004/06 1,89 1,87 2,11 2,21 2,75 2,42 1,97 2,01 2004/07 1,89 1,90 2,10 2,21 2,71 2,54 1,98 2,04 2004/08 1,87 1,91 2,07 2,18 2,74 2,67 1,95 2,01 2004/09 1,90 1,90 2,07 2,20 2,75 2,48 1,98 2,03 2004/10 1,91 1,92 2,18 2,29 2,85 2,48 2,01 2,06 2004/11 1,93 1,94 2,17 2,20 2,83 2,50 2,02 2,08 2004/12 1,98 1,95 2,22 2,19 2,84 2,32 2,09 2,10 2005/01 1,94 1,95 2,28 2,29 2,90 2,54 2,04 2,05 2005/02 1,96 1,95 2,21 2,19 2,83 2,32 2,02 2,05 2005/03 1,94 1,94 2,15 2,16 2,81 2,40 2,03 2,01

1) Der Zinssatz ist der vereinbarte annualisierte Jahreszinssatz in Prozent pro Jahr
2) Von Österreichs Banken vergebener Durchschnittszinssatz
3) Von allen Banken im Euroraum vergebener Durchschnittszinssatz

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