• 13.05.2005, 20:20:52
  • /
  • OTS0287 OTW0287

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Gorbachs Pech: Aussteigen ist nicht so leicht, wie es ausschaut" (Von Hans Winkler)

Ausgabe vom 14.05.2005

Graz (OTS) - "Die Beschten aus dem Weschten für die Poschten im
Oschten." Wir sind nicht ganz sicher, ob das die korrekte
Schreibweise der alemannischen Mundart ist, aber man versteht
hoffentlich, was Hubert Gorbach gemeint hat, als er sich zu jenen
Vorarlbergern gezählt hat, die so tüchtig sind, dass sie in Wien hohe
Funktionen verdienen.

Ob es Gorbach wirklich deshalb nach Wien gedrängt hat, weil er das
ganze Land an seinen großen Fähigkeiten teilhaben lassen wollte,
lassen wir dahingestellt. Sein Abgang aus dem Ländle kann auch eine
Flucht gewesen ist, weil ihn seine Parteifreunde dort nicht mehr
haben wollten.

Dass ein Politiker an die Zeit nach der Politik denkt, ist
verständlich und begrüßenswert. Heißt es denn nicht immer, die
Politiker seien ohnehin alle "Sesselkleber" und könnten nicht von dem
Geschäft lassen?

Der Ausstieg aus der Politik und der Umstieg in die Wirtschaft ist
nicht annähernd so leicht, wie es ausschaut. In Österreich warten die
Unternehmen nicht einfach so mit 500.000-Euro-pro-Jahr-Posten auf
emeritierte Politiker. Das mussten Gerhard Hirschmann, Ernst Strasser
und Karl-Heinz-Grasser erfahren.

Was irritiert trotzdem an Gorbachs Geständnis, er verhandle schon mit
seinem künftigen Arbeitgeber?

Es ist zunächst der Zeitpunkt. Da beginnt sich die Regierung langsam
von den Turbulenzen der Neuformierung des einen Koalitionspartners zu
erholen, platzt Gorbach mit seiner Ankündigung heraus. Da muss der
Eindruck entstehen, sehr stabil sei die Formation nicht. Noch dazu,
als man mit Grasser noch einen permanenten potenziellen Aussteiger an
Bord hat.

So viel Hingabe an die Politik wollen wir schon haben, dass sich
einer nicht als ständiger Rückversicherer erweist.

Hingegen kann man Gorbach schwerlich vorwerfen, dass sein künftiger
Chef Seilbahnunternehmer und er die oberste Seilbahnbehörde ist,
solange er dem Mann nicht einen konkreten Vorteil verschafft.

Der Opposition wäre Schadenfreude nicht zu verdenken, aber das Maß
der Empörung wirkt doch reichlich künstlich. Schüssel verliere schon
wieder einen Vizekanzler, alteriert sich etwa
die stellvertretende Klubchefin der Grünen.

Wie? Will Gorbach nicht bis zum Ende dieser Legislaturperiode
bleiben? Rechnet Frau Glawischnig womöglich schon damit, dass
Schüssel auch nach der Wahl 2006 wieder mit dem BZÖ regieren wird?
Nur dann könnte sie sagen, Schüssel komme ein Vizekanzler
abhanden.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:[email protected]
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel