"Kleine Zeitung" Kommentar: "Gorbachs Pech: Aussteigen ist nicht so leicht, wie es ausschaut" (Von Hans Winkler)

Ausgabe vom 14.05.2005

Graz (OTS) - "Die Beschten aus dem Weschten für die Poschten im Oschten." Wir sind nicht ganz sicher, ob das die korrekte Schreibweise der alemannischen Mundart ist, aber man versteht hoffentlich, was Hubert Gorbach gemeint hat, als er sich zu jenen Vorarlbergern gezählt hat, die so tüchtig sind, dass sie in Wien hohe Funktionen verdienen.

Ob es Gorbach wirklich deshalb nach Wien gedrängt hat, weil er das ganze Land an seinen großen Fähigkeiten teilhaben lassen wollte, lassen wir dahingestellt. Sein Abgang aus dem Ländle kann auch eine Flucht gewesen ist, weil ihn seine Parteifreunde dort nicht mehr haben wollten.

Dass ein Politiker an die Zeit nach der Politik denkt, ist verständlich und begrüßenswert. Heißt es denn nicht immer, die Politiker seien ohnehin alle "Sesselkleber" und könnten nicht von dem Geschäft lassen?

Der Ausstieg aus der Politik und der Umstieg in die Wirtschaft ist nicht annähernd so leicht, wie es ausschaut. In Österreich warten die Unternehmen nicht einfach so mit 500.000-Euro-pro-Jahr-Posten auf emeritierte Politiker. Das mussten Gerhard Hirschmann, Ernst Strasser und Karl-Heinz-Grasser erfahren.

Was irritiert trotzdem an Gorbachs Geständnis, er verhandle schon mit seinem künftigen Arbeitgeber?

Es ist zunächst der Zeitpunkt. Da beginnt sich die Regierung langsam von den Turbulenzen der Neuformierung des einen Koalitionspartners zu erholen, platzt Gorbach mit seiner Ankündigung heraus. Da muss der Eindruck entstehen, sehr stabil sei die Formation nicht. Noch dazu, als man mit Grasser noch einen permanenten potenziellen Aussteiger an Bord hat.

So viel Hingabe an die Politik wollen wir schon haben, dass sich einer nicht als ständiger Rückversicherer erweist.

Hingegen kann man Gorbach schwerlich vorwerfen, dass sein künftiger Chef Seilbahnunternehmer und er die oberste Seilbahnbehörde ist, solange er dem Mann nicht einen konkreten Vorteil verschafft.

Der Opposition wäre Schadenfreude nicht zu verdenken, aber das Maß der Empörung wirkt doch reichlich künstlich. Schüssel verliere schon wieder einen Vizekanzler, alteriert sich etwa
die stellvertretende Klubchefin der Grünen.

Wie? Will Gorbach nicht bis zum Ende dieser Legislaturperiode bleiben? Rechnet Frau Glawischnig womöglich schon damit, dass Schüssel auch nach der Wahl 2006 wieder mit dem BZÖ regieren wird? Nur dann könnte sie sagen, Schüssel komme ein Vizekanzler abhanden.****

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