ÖAMTC-Tunnel-Test 2005: Testsieger und Durchfaller in Österreich (Teil1, Grafik, Audio)

49 europäische Tunnel im ÖAMTC-Test - jeder sechste unter dem Mindeststandard

Wien (ÖAMTC-Presse) - Das Erfreuliche zuerst - im europäischen Vergleich können die heimischen Röhren bestehen. Österreich stellt heuer mit dem Tunnel Ottsdorf auf der Pyhrnautobahn (A9) in Oberösterreich den Testsieger. Er steht ex aequo mit dem Luxemburger Tunnel Markusberg auf dem Siegerpodest. Auch drei weitere der sechs getesteten österreichischen Kandidaten schneiden mit "sehr gut" ab. "Österreich nimmt die Tunnelsicherheit sehr ernst, aber das Ziel ist erst erreicht, wenn alle Tunnel das Prädikat sehr gut verdienen", kommentiert ÖAMTC-Tunnelexperte Willy Matzke das Ergebnis. Und es gibt noch einiges zu tun. Jeder sechste getestete Tunnel in Europa liegt unter dem Mindeststandard. Auch in Österreich entlarven die Verkehrsexperten zum wiederholten Mal einen echten Durchfaller, den Ganzsteintunnel auf der Semmering-Schnellstraße (S6). "Er ist einröhrig und hat weder ausreichende Videokontrolle noch moderne Löscheinrichtungen", sagt Matzke.

Der absolute Testsieger ist der Ottsdorftunnel der A9 bei Micheldorf in Oberösterreich. Er erhält in allen Bewertungskategorien die Bestnote. Der Tunnel wurde im Dezember 2004 eröffnet und nach den modernsten Richtlinien erbaut. Erfreulich, aber nicht selbstverständlich, wie Matzke betont: "Beim Bau dieses Tunnels wurden die Sicherheitswünsche der Autofahrer erfüllt." Die Liste der Stärken ist lang: Alle 250 m Querverbindungen zwischen den beiden Röhren als zusätzliche Flucht- und Rettungswege, Verkehrsbeeinflussungsanlage vor dem Tunnel, automatische Überwachung und Steuerung der Lüftung, helle Tunnelwände, lückenlose Videoüberwachung und regelmäßige Notfallübungen. Ausschlaggebend für den Testsieg: Das perfekte Rettungsstollensystem: "Man kommt auch aus der Tunnelmitte schnell ins Freie und die Rettungskräfte können über Stiegenhäuser besonders rasch zu Hilfe eilen", erklärt der ÖAMTC-Experte.

Auf einem der weiteren "sehr gut" Plätze findet sich der neue Semmeringtunnel der S6, der im Oktober 2004 eröffnet wurde. Ebenfalls "sehr gut" - der Gräberntunnel der Südautobahn (A2) bei Wolfsberg. Er hat seit vergangenem Sommer seine zweite Röhre und als einziger österreichischer Tunnel ein Abstands-Warnsystem. Punkteabzüge gab es für nicht klaglos funktionierende Notruftelefone. Der letzte in der "sehr gut" Reihe - der Plabutschtunnel der A9 bei Graz - wurde bereits mehrmals von den ÖAMTC-Testern unter die Lupe genommen. Nach dem Bau der zweiten Röhre konnte diesmal die Note "sehr gut" vergeben werden. Der einröhrige Speringtunnel der A9 bei St. Pankraz fällt mit der Gesamtnote "gut" bereits etwas ab. "Er hat zwar einen durchgehenden Fluchtstollen, was nicht bei jedem Einröhrer der Fall ist, die Lüftung könnte im Brandfall aber überfordert sein", sagt Matzke.

Der Ganzsteinstunnel ist der große Verlierer

"Völlig daneben, nämlich 'bedenklich', ist der Ganzsteintunnel bei Mürzzuschlag", sagt der ÖAMTC-Experte zur Schattenseite des Testergebnisses. Neben der fehlenden zweiten Tunnelröhre gibt es weitere triftige Gründe für die schlechte Wertung. "Der 1980 eröffnete Tunnel hat keine automatische und lückenlose Videoüberwachung, die Beleuchtung ist zu gering, es gibt keine Lautsprecher, die Abstände der Pannenbuchten und der Notausgänge zu den Ein- und Ausgängen sind zu groß", zählt Matzke einige der Mängel auf. Besonders gefährlich ist, dass die Lüftung schon bei normalem Verkehr an ihre Grenzen stößt. "Gar nicht auszudenken, was im Brandfall passieren würde", so der ÖAMTC-Experte. Das Ernüchternde an diesem Ergebnis: Der Ganzsteintunnel ist bereits einmal beim Test durchgefallen. "Es gibt noch immer keinen Baustart für die seit Jahren versprochene zweite Röhre", kritisiert der Tunnel-Experte.

So ist es um die Tunnelsicherheit in Europa bestellt - jede sechste Röhre fällt durch

Das aktuelle Ergebnis zeigt im Vergleich zu den Vorjahren eine positive Tendenz, trotzdem liegt noch jeder sechste Tunnel in Europa unter dem Minimalstandard. Insgesamt schnitten 18 der 49 getesteten Tunnel mit der Note "sehr gut" ab, 14 mit "gut" und immerhin neun Tunnel noch mit "ausreichend". Das Urteil "bedenklich" und "mangelhaft" mussten die Tester heuer je vier Mal vergeben - damit ist eben jeder sechste Tunnel durchgefallen. Hinter den Testsiegern aus Österreich und Luxemburg finden sich auf Platz drei der kroatische Tunnel Plasina sowie auf Platz vier und fünf die beiden slowenischen Tunnel Dekani und Kastelec. Testverlierer ist der italienische Tunnel Roccaccia auf der E 45 Per?gia - Cesena. Die Ergebnisse für Italien fallen insgesamt sehr schlecht aus. Als Erfolg ist zu werten, dass die Italiener den Testern in diesem Jahr erstmals den Zutritt zu vier staatlichen Tunnel gewährten. Besorgniserregend bleibt, dass die privaten Autobahngesellschaften Italiens - außer der Autostrada del Brennero - nach wie vor keinen Tester in ihre Tunnel lassen. Autofahrer müssen also bezahlen, der gebotene Sicherheitsstandard ist aber fraglich.

Weitere Informationen zum aktuellen ÖAMTC-Tunnel-Test 2005 sowie zu allen vorangegangen ÖAMTC-Tunnel-Tests finden sich auf der Homepage des Clubs unter http://www.oeamtc.at/tunneltests/. Hier finden sich auch Informationen zu den wichtigsten 50 Straßentunnel Europas.

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Grafiken und Fotos zu dieser Meldung sind im Download auf der Homepage des Clubs unter http://www.oeamtc.at/presse/ verfügbar.

Aviso an die Hörfunk-Redaktionen:
Ein Audio-Beitrag zum ÖAMTC-Tunnel-Test 2005 mit ÖAMTC-Tunnelexperten Willy Matzke ist auf der APA-Audio-Plattform verfügbar.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Claudia Kesche

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