FMA veröffentlicht Mindeststandards für das Kreditgeschäft (MS-K).

Wien (OTS) - Österreichs Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA hat heute die "FMA-Mindeststandards für das Kreditgeschäft und andere Geschäfte mit Adressenausfallsrisiken" (FMA-MS-K) veröffentlicht. "Diese Mindeststandards sollen einen Beitrag leisten, in diesem wichtigen Geschäftsfeld der Banken das Risikobewußtsein zu stärken"; so der FMA-Vorstand, Dr. Kurt Pribil und Dr. Heinrich Traumüller.

Gleichzeitig dienen die MS-K zur Vorbereitung der Banken auf das risikoorientierte Aufsichtskonzept, wie es etwa unter den als Basel II bekannten neuen Eigenkapital-Vorschriften ab 2007 implementiert wird.

FMA-Mindeststandards sind rechtstechnisch keine Verordnungen sondern haben den Charakter von Empfehlungen, deren Einhaltung sich die FMA aber sehr wohl erwartet. "Als Guidance-Instrument sind die MS-K daher flexibel und erlauben eine Anwendung, die dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entspricht", so Dr. Pribil: "Kleine Institute mit risikoarmen Geschäft sollen durch sie auch nicht über Gebühr belastet werden." Sein Vorstandskollege Dr. Traumüller ergänzt:
"Entscheidend ist für uns nicht, wie das Ziel erreicht wird sondern, dass es erreicht wird. Daher erlauben die MS-K bei Einhaltung der gesetzlichen Ziele auch alternative Methoden."

Die MS-K wurden in intensiver Konsultation mit der Kreditwirtschaft erarbeitet. Strategisch setzt ihr Konzept an drei Punkten an:

  • Sie betonen die Verantwortlichkeit der Geschäftsleitung;
  • sie verlangen die schriftliche Festlegung einer Risikostrategie;
  • sie verpflichten, bei neuartigen Geschäften vorab angemessene Konzepte zu erarbeiten.

Organisatorisch empfehlen die MS-K die strikte Trennung des Kreditgeschäftes in zwei Bereiche: den ertragsorientiert agierenden Bereich "Markt" sowie die risikoorientierte "Marktfolge"; also die organisatorische Trennung zwischen jenen, die die Kredite verkaufen, und jenen, die danach darauf zu schauen haben, dass der Kredit auch ordnungsgemäß bedient wird. Beide Bereiche haben jeden Kreditantrag selbständig zu prüfen; bei risikorelevanten Krediten bedarf es jedenfalls der Zustimmung beider Bereiche (Prinzip der Doppelvotierung).

Prozedural sind vorab generelle Richtlinien für das Kreditgeschäft festzulegen, insbesondere Bearbeitungsgrundsätze für Kreditgewährung und für Kreditüberwachung. Dazu gehören ein angemessenes System der Risikoanalyse und der Bewertung von Sicherheiten, die Einrichtung von Risikoklassifizierungsverfahren sowie eine Spezialisierung bei der Problemkreditbearbeitung.
Schließlich sind als Instrumente des Risikocontrollings Frühwarnsysteme einzurichten, Verfahren zur Steuerung und Begrenzung der Risiken zu etablieren sowie Geschäftsleiter und Aufsichtsrat regelmäßig Risikoberichte vorzulegen.

"Die MS-K zeigen, wie das Risikomanagement bei Banken zu verbessern ist, und sollen einen Beitrag leisten, den gefährlichen Wettbewerb über Sicherheiten und Risiko einzudämmen", so der FMA-Vorstand: "Durch ihre flexible Gestaltung erlauben sie es auch, in ihrer Anwendung auf die Besonderheiten der österreichischen Bankenstruktur Rücksicht zu nehmen und das Prinzip der Verhältnismäßigkeit zu wahren."

Rückfragen & Kontakt:

Klaus Grubelnik (FMA-Mediensprecher)
Tel.: ++43 / (0)1 / 24959 - 5106
Handy: ++43 / (0)676 / 24959 516

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FMA0001