• 12.04.2005, 17:00:00
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Bestrafte Ehrlichkeit" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 13.04.2005

Wien (OTS) - In Osttirol darf eine Lehrerin keinen
Religionsunterricht halten, weil sie nach ihrer Scheidung eine neue
Beziehung eingegangen ist. Das verträgt sich nicht mit den
Moralvorstellungen der Katholischen Kirche.
Der Exmann der Lehrerin darf weiter Religion unterrichten: Von ihm
ist nicht bekannt, dass er wieder in einer Beziehung lebt. In
Vorarlberg sind solche Probleme überhaupt fremd. Da wird einfach
"nicht nachgeforscht", ob geschiedene Religionslehrer(innen) eine
neue Beziehung eingehen, erklärt das für solche Entscheidungen
zuständige Schulamt der Diözese Feldkirch.
Das ist zwar menschlich und sinnvoll, aber ungerecht. Wer sich zu
einer neuen Beziehung bekennt, muss sich einen anderen Job suchen.
Wer eine derartige Partnerschaft geheim hält, bleibt unbehelligt.
Unter anderem leben auch hunderte Priester in ganz Österreich nach
diesem elften Gebot: Tu was Du willst - aber lass’ Dich nicht
erwischen.
Kardinal Schönborn hat beim Requiem für den
wiederverheiratet-geschiedenen Bundespräsidenten Klestil den "Schutz
von Ehe und Familie" der "ebenso notwendigen Barmherzigkeit"
gegenübergestellt. Das ehrt ihn und hat ihm zu Recht viel Sympathie
eingetragen.
Aber es ist eindeutig zuwenig, wenn nur in Nachrufen Verständnis für
menschliche Probleme und Barmherzigkeit zu bemerken ist. Die
alltägliche, offizielle Realität der katholischen Kirche sieht anders
aus, wie das Beispiel der Osttiroler Lehrerin zeigt. Der nächste
Papst wird ein breites Betätigungsfeld für gelebte Nächstenliebe
vorfinden.

OTS0225    2005-04-12/17:00

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