• 08.04.2005, 10:00:17
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Einem: Auch in der Politik "durchaus Platz für Intellektuelle"

Wien(SK) "Es gibt durchaus einen Platz auch für
Intellektuelle in der Politik", so SPÖ-Abgeordneter Caspar Einem am
Donnerstag im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema "Reformer?
Rastlose? Rebellen? - Intellektuelle und die Politik", dieser Platz
müsse jedoch erkämpft werden. Das Klima in der Politik sei eines,
dass "den Intellektuellen nicht unbedingt hold ist". Intellektuelle
würden "etwas Zersetzendes" haben und bei der Gewinnung einer
gemeinsamen Linie "viele Fragen stellen" - dies ist für Einem jedoch
"nicht unbedingt schädlich". Intellektuelle würden dem breiten
Vorurteil begegnen, dass "Intellektuelle Sachen reden, die die Leute
nicht verstehen". An diesem Vorurteil sei "manchmal was dran", denn
sich verständlich auszudrücken, müsse erst gelernt werden. ****

Auf den Vorwurf, dass starke Selbstzweifel und starke Selbstkritik -
wie diese bei Intellektuellen üblich sind - bei einem Politiker nicht
förderlich seien, stellte Einem die Fragen in den Raum, bei welchem
Aufstieg starke Selbstzweifel helfen würden und in welchem Beruf man
heutzutage Selbstzweifel und Selbstkritik wirklich empfehlen könne.
Einem widersprach dem Vorwurf, dass Politiker besonders vor Wahlen
nicht alles tun könnten, was gut und richtig wäre. Direkt auf Dinge
zuzugehen, die einem wichtig sind, heiße nicht automatisch, nicht
gewinnen zu können. Wenn Dinge beim Namen genannt werden, "ist
natürlich mit Gegenwind zu rechnen, es gibt aber keinen Grund es zu
unterlassen". Dies wäre "Feigheit vor den WählerInnen und nicht
notwendig", so der SPÖ-Abgeordnete. Einem selbst hat "unter dem
Geruch des Intellektuellen" sein erstes Grundmandat gemacht - weil er
anders war, als die anderen Politiker.

Das Publikum übte Kritik an Vranitzkys Strategie, Haider
auszugrenzen. Einem sieht den Grund dafür, dass Haider so groß wurde,
jedoch nicht in dieser Ausgrenzung. Der Grund dafür sei im Bruch der
Österreichischen Entwicklung zu finden, unter anderem im Fall des
Eisernen Vorhangs und des Kommunismus. "Die Grenzen zwischen Gut und
Böse waren verschwunden und dieser Verlust führte zu einer tief
greifenden Verunsicherung", erklärte Einem. Diese Veränderung habe
Haider etwas gebracht, denn Haider "bot eine Wärmstube für die, die
sich fürchteten". Haider bediente zwei unterschiedliche Gruppen von
Wählern: Erstens die Gruppe des "kleinen Mannes", die Masse, die von
der SPÖ enttäuscht war, und zweitens diejenigen, die die Kosten der
Solidarität nicht mehr zahlen wollten. Gemeinsam hätten diese beiden
Gruppen 27 Prozent ausgemacht und durch den Gang in die Regierung
habe eine Entscheidung zwischen diesen beiden getroffen werden
müssen. Es sei schon sehr bald erkennbar gewesen, dass die FPÖ die
zweite und kleiner Gruppe bedienen werde und nicht den Großteil des
"kleinen Mannes". (Schluss) sf

OTS0046    2005-04-08/10:00

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