• 06.04.2005, 11:52:55
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Impfung: Wirksamste und kostengünstigste Vorsorgemaßnahme

Wien (OTS) - Impfungen haben im Laufe der Jahrzehnte unzählige
Menschenleben gerettet. Auch in Zukunft werden Impfungen höchst
wirksam gegen Infektionskrankheiten ankämpfen und damit enorme Summen
für das Gesundheitssystem einsparen. Die österreichischen
Gesundheitsbehören sind gefordert, notwendige Impfaktionen
mitzutragen. Die österreichischen Apotheker und Ärzte informieren
ausführlich über sämtliche Impfprogramme.

Die todbringende Pockenseuche, die im 18. Jahrhundert in Europa
gewütet hat und der rund 400.000 Menschen zum Opfer gefallen sind,
ist durch die Schutzimpfung gänzlich ausgerottet worden.

Kinderlähmung, Diphtherie, Tetanus und Haemophilus influenzae
(Meningitis und Epiglottitis) sind aus Österreich verschwunden.
Masern, Mumps und Röteln sind großteils ausgemerzt. Und Hepatitis,
FSME und Keuchhusten sind aufgrund groß angelegter Impfkampagnen in
Österreich deutlich seltener geworden. Das sind zusammengefasst die
populärsten Infektionskrankheiten, die durch Impfungen bekämpft
wurden und denen auch heute noch durch gezielte Impfaktionen zu Leibe
gerückt wird.

Die Erfolgsstory muss fortgesetzt werden

Der Kampf gegen Infektionen und Seuchen wird durch die präventive
Maßnahme der Schutzimpfung höchst erfolgreich geführt. "Die selektive
Stimulierung des Immunsystems durch Impfungen ist die immunologische
Erfolgsstory des 20. Jahrhunderts", sagt Prim. Univ.-Prof. Dr.
Ingomar Mutz, Ärztlicher Direktor und Leiter der Abteilung für Kinder
und Jugendliche am Schwerpunktkrankenhaus in Leoben.

Allein das Beispiel der Kinderlähmung mache deutlich, was
Impfungen tatsächlich leisten können, wenn die Gesundheitsbehörden
eine bundesweite Impfkampagne mittragen: Sofort nach Verfügbarkeit
des oralen Polio-Impfstoffes gegen übertragbare Kinderlähmung im Jahr
1960 wurde dieser gesetzlich empfohlen und über Schutzimpfungen an
Schulen öffentlich eingesetzt. Das Ergebnis ist dementsprechend
eindrucksvoll: Von 1946 bis 1961 gab es noch 12.620 Erkrankungs- und
1.426 Todesfälle. Von 1962 bis 1980 verringerte sich die Zahl der
Erkrankungen auf 37 und die der Todesfälle auf sechs. Heute gibt es
keinen Fall von Kinderlähmung mehr in Österreich. Das haben wir
ausschließlich der Polio-Schluckimpfung zu verdanken.

Ähnlich gute Erfolge könnte auch die Impfung gegen
Windpocken/Schafblattern erreichen, die seit Anfang 2005 im
Österreichischen Impfplan dringlich empfohlen wird. Rund 90 Prozent
der jährlich 80.000 bis 90.000 Neugeborenen in Österreich infizieren
sich mit Varizellen, den Erregern von Windpocken. "Wenn wir es
schaffen, eine generelle Impfung im Alter von 15 Monaten mit einer
Durchimpfungsrate von 85 Prozent durchzusetzen, würden 82 Prozent der
Erkrankungsfälle wegfallen", so Mutz. Die Einsparungen für das
Gesundheitssystem wären dabei enorm und würden etliche Millionen Euro
betragen. Windpocken bzw. Schafblattern könnten solcherart in 18
Jahren ausgerottet werden.

Neuer Trend: Impfstoff im Joghurt

Wann immer ein Krankheitserreger über die Schleimhäute aufgenommen
wird, macht es Sinn eine entsprechende Schutzimpfung über dieselbe
Route zu wählen. Die Vorteile: Schutz an den Infektionsorten
Nasenschleimhaut oder Rachen, leichte Applizierbarkeit, geringe
Nebenwirkungen und damit eine hohe Akzeptanz bei den Patienten. Das
hat auch die forschende Industrie erkannt: So werden 2006 zwei neue
orale Impfstoffe gegen die Rotavirusinfektion auf den Markt gebracht.
Das Rotavirus befällt vor allem Kinder unter fünf Jahren und ruft
eine gefährliche Durchfallserkrankung hervor. Österreich verzeichnet
hochgerechnet rund 4.000 stationäre Rotavirus-Erkrankungsfälle pro
Jahr.

Auch gegen die gefährliche Grippe, die durch Tröpfcheninfektion
übertragen wird, wurde erst kürzlich in den USA ein nasaler
Influenzaimpfstoff registriert. Erfolgsversprechende Konzepte für
weitere nasale Impfstoffe gibt es weiters gegen Pneumokokken, Herpes
simplex oder HIV (allerdings erst im Tierversuch).

"Eine Weiterentwicklung soll die Anwendung so genannter essbarer
Vakzine bringen", erläutert Univ.-Prof. DDr. Ursula
Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe
und Tropenmedizin am Zentrum für Physiologie und Pathophysiologie der
Medizinuniversität Wien. Konkret werden bestimmte Nahrungsmittel als
Vakzinevehikel (Trägermedium) für Impf-Antigene verwendet. Die größte
Bedeutung wird derzeit den Milchsäurebakterien beigemessen, die in
Joghurt und Käse vorkommen.

Kampf dem Gebärmutterhalskrebs

In Europa sterben jährlich 15.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs
(Zervixkarzinom). Jedes Jahr kommen 33.000 neue Krankheitsfälle
hinzu. Die derzeitigen Standardtherapien können den bereits
eingetretenen Schaden mehr oder weniger erfolgreich beseitigen.

Verhindert werden können die krebserregenden humanen
Papillomaviren (HPV) aber nur durch Prävention - und die lässt
vermutlich nicht mehr lange auf sich warten. Im Herbst 2006 soll ein
neuer Impfstoff auf den Markt kommen, der vor vier verschiedenen
HPV-Typen schützt. Im Mai 2002 wurde ein Versuchsprojekt gestartet,
an dem mehrere tausend junge Frauen teilnehmen. Die Wiener
Frauenklinik ist das bedeutendste Zentrum dieser Studie für Mittel-
und Osteuropa. "Aufgrund der exzellenten Zwischenergebnisse wird bald
das amerikanische und europäische Zulassungsverfahren beginnen",
zeigt sich Univ.-Prof. Dr. Elmar A. Joura, Oberarzt an der
Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Wien, zuversichtlich. Die
österreichischen Gesundheitsbehörden sind daher jetzt schon
aufgerufen, für die entsprechenden finanziellen Mittel vorzusorgen.

Impfen: Gesund, ökonomisch, einfach, preisgünstig

In Österreich werden jährlich geschätzte 3 Millionen Impfungen
verabreicht. Diese präventiven Maßnahmen kosten natürlich Geld. Doch
die Investitionen in große Impfkampagnen sind gut angelegt und
helfen, Gesundheitskosten einzusparen. Ein kleines Beispiel: Im Jahr
2000 gab es eine Grippe-Epidemie in Österreich, die die
Sozialversicherungen und Krankenhäuser mit jeweils 700 Millionen Euro
belastet hat und die Wirtschaft durch Arbeitsausfälle sogar mit 1,4
Milliarden Euro. Eine gezielte Impfkampagne hätte diese finanziellen
Belastungen auf einen Bruchteil dessen gesenkt.

Ähnlich stellt sich die Situation bei der Pneumokokken-Impfung für
Senioren dar: Spitalsaufenthalte und Medikamente kosten in etwa 3,5
mal mehr als Impfungen. "Schutzimpfungen sind die erfolgreichste und
kostengünstigste medizinische Vorsorgemaßnahme, die uns zur Verfügung
steht", sagt Prof. Dr. Diether Konrad Spork, Impfreferent der
Ärztekammer für Steiermark.

Appell an die Gesundheitsbehörden

Am 9. April 2005 findet in Salzburg der 14. Österreichische
Impftag statt, an dem über 1000 Ärzte und Apotheker über neue
Impfstoffe, neue Impfempfehlungen und aktuelle Trends diskutieren
werden. Die Veranstalter - das Österreichische Grüne Kreuz für
Vorsorgemedizin, die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und
Jugendheilkunde, die Österreichische Ärztekammer und die
Österreichische Apothekerkammer - appellieren an die österreichischen
Gesundheitsbehörden, Schutzimpfungen großzügig und noch viel stärker
als bisher zu unterstützen.

Zentrale Rolle der Apotheken

Apothekerinnen und Apotheker haben bei der Information über die
Notwendigkeit von Impfungen schon immer eine zentrale Rolle gespielt.
"Unsere Aufgabe ist es, die Informationen über die Möglichkeit von
Impfungen gemeinsam mit den Ärzten in das Bewusstsein der Bevölkerung
zu bringen", sagt Mag.pharm. Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin
der Österreichischen Apothekerkammer. Für uns ist es daher eine
gesundheitspolitische Aufgabe, immer wieder Impfaktionen zu
unterstützen. Seit Anfang April läuft eine Impfaktion für Hepatitis A
und B, die bis Ende Mai dauert. Von Anfang Jänner bis Ende Juli
findet eine Impfaktion für FSME statt. Informieren Sie sich. Es geht
um Ihre Gesundheit und die Ihrer Familie.

OTS0127    2005-04-06/11:52

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | APO

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