Impfung: Wirksamste und kostengünstigste Vorsorgemaßnahme

Wien (OTS) - Impfungen haben im Laufe der Jahrzehnte unzählige Menschenleben gerettet. Auch in Zukunft werden Impfungen höchst wirksam gegen Infektionskrankheiten ankämpfen und damit enorme Summen für das Gesundheitssystem einsparen. Die österreichischen Gesundheitsbehören sind gefordert, notwendige Impfaktionen mitzutragen. Die österreichischen Apotheker und Ärzte informieren ausführlich über sämtliche Impfprogramme.

Die todbringende Pockenseuche, die im 18. Jahrhundert in Europa gewütet hat und der rund 400.000 Menschen zum Opfer gefallen sind, ist durch die Schutzimpfung gänzlich ausgerottet worden.

Kinderlähmung, Diphtherie, Tetanus und Haemophilus influenzae (Meningitis und Epiglottitis) sind aus Österreich verschwunden. Masern, Mumps und Röteln sind großteils ausgemerzt. Und Hepatitis, FSME und Keuchhusten sind aufgrund groß angelegter Impfkampagnen in Österreich deutlich seltener geworden. Das sind zusammengefasst die populärsten Infektionskrankheiten, die durch Impfungen bekämpft wurden und denen auch heute noch durch gezielte Impfaktionen zu Leibe gerückt wird.

Die Erfolgsstory muss fortgesetzt werden

Der Kampf gegen Infektionen und Seuchen wird durch die präventive Maßnahme der Schutzimpfung höchst erfolgreich geführt. "Die selektive Stimulierung des Immunsystems durch Impfungen ist die immunologische Erfolgsstory des 20. Jahrhunderts", sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Ingomar Mutz, Ärztlicher Direktor und Leiter der Abteilung für Kinder und Jugendliche am Schwerpunktkrankenhaus in Leoben.

Allein das Beispiel der Kinderlähmung mache deutlich, was Impfungen tatsächlich leisten können, wenn die Gesundheitsbehörden eine bundesweite Impfkampagne mittragen: Sofort nach Verfügbarkeit des oralen Polio-Impfstoffes gegen übertragbare Kinderlähmung im Jahr 1960 wurde dieser gesetzlich empfohlen und über Schutzimpfungen an Schulen öffentlich eingesetzt. Das Ergebnis ist dementsprechend eindrucksvoll: Von 1946 bis 1961 gab es noch 12.620 Erkrankungs- und 1.426 Todesfälle. Von 1962 bis 1980 verringerte sich die Zahl der Erkrankungen auf 37 und die der Todesfälle auf sechs. Heute gibt es keinen Fall von Kinderlähmung mehr in Österreich. Das haben wir ausschließlich der Polio-Schluckimpfung zu verdanken.

Ähnlich gute Erfolge könnte auch die Impfung gegen Windpocken/Schafblattern erreichen, die seit Anfang 2005 im Österreichischen Impfplan dringlich empfohlen wird. Rund 90 Prozent der jährlich 80.000 bis 90.000 Neugeborenen in Österreich infizieren sich mit Varizellen, den Erregern von Windpocken. "Wenn wir es schaffen, eine generelle Impfung im Alter von 15 Monaten mit einer Durchimpfungsrate von 85 Prozent durchzusetzen, würden 82 Prozent der Erkrankungsfälle wegfallen", so Mutz. Die Einsparungen für das Gesundheitssystem wären dabei enorm und würden etliche Millionen Euro betragen. Windpocken bzw. Schafblattern könnten solcherart in 18 Jahren ausgerottet werden.

Neuer Trend: Impfstoff im Joghurt

Wann immer ein Krankheitserreger über die Schleimhäute aufgenommen wird, macht es Sinn eine entsprechende Schutzimpfung über dieselbe Route zu wählen. Die Vorteile: Schutz an den Infektionsorten Nasenschleimhaut oder Rachen, leichte Applizierbarkeit, geringe Nebenwirkungen und damit eine hohe Akzeptanz bei den Patienten. Das hat auch die forschende Industrie erkannt: So werden 2006 zwei neue orale Impfstoffe gegen die Rotavirusinfektion auf den Markt gebracht. Das Rotavirus befällt vor allem Kinder unter fünf Jahren und ruft eine gefährliche Durchfallserkrankung hervor. Österreich verzeichnet hochgerechnet rund 4.000 stationäre Rotavirus-Erkrankungsfälle pro Jahr.

Auch gegen die gefährliche Grippe, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wird, wurde erst kürzlich in den USA ein nasaler Influenzaimpfstoff registriert. Erfolgsversprechende Konzepte für weitere nasale Impfstoffe gibt es weiters gegen Pneumokokken, Herpes simplex oder HIV (allerdings erst im Tierversuch).

"Eine Weiterentwicklung soll die Anwendung so genannter essbarer Vakzine bringen", erläutert Univ.-Prof. DDr. Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin am Zentrum für Physiologie und Pathophysiologie der Medizinuniversität Wien. Konkret werden bestimmte Nahrungsmittel als Vakzinevehikel (Trägermedium) für Impf-Antigene verwendet. Die größte Bedeutung wird derzeit den Milchsäurebakterien beigemessen, die in Joghurt und Käse vorkommen.

Kampf dem Gebärmutterhalskrebs

In Europa sterben jährlich 15.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Jedes Jahr kommen 33.000 neue Krankheitsfälle hinzu. Die derzeitigen Standardtherapien können den bereits eingetretenen Schaden mehr oder weniger erfolgreich beseitigen.

Verhindert werden können die krebserregenden humanen Papillomaviren (HPV) aber nur durch Prävention - und die lässt vermutlich nicht mehr lange auf sich warten. Im Herbst 2006 soll ein neuer Impfstoff auf den Markt kommen, der vor vier verschiedenen HPV-Typen schützt. Im Mai 2002 wurde ein Versuchsprojekt gestartet, an dem mehrere tausend junge Frauen teilnehmen. Die Wiener Frauenklinik ist das bedeutendste Zentrum dieser Studie für Mittel-und Osteuropa. "Aufgrund der exzellenten Zwischenergebnisse wird bald das amerikanische und europäische Zulassungsverfahren beginnen", zeigt sich Univ.-Prof. Dr. Elmar A. Joura, Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Wien, zuversichtlich. Die österreichischen Gesundheitsbehörden sind daher jetzt schon aufgerufen, für die entsprechenden finanziellen Mittel vorzusorgen.

Impfen: Gesund, ökonomisch, einfach, preisgünstig

In Österreich werden jährlich geschätzte 3 Millionen Impfungen verabreicht. Diese präventiven Maßnahmen kosten natürlich Geld. Doch die Investitionen in große Impfkampagnen sind gut angelegt und helfen, Gesundheitskosten einzusparen. Ein kleines Beispiel: Im Jahr 2000 gab es eine Grippe-Epidemie in Österreich, die die Sozialversicherungen und Krankenhäuser mit jeweils 700 Millionen Euro belastet hat und die Wirtschaft durch Arbeitsausfälle sogar mit 1,4 Milliarden Euro. Eine gezielte Impfkampagne hätte diese finanziellen Belastungen auf einen Bruchteil dessen gesenkt.

Ähnlich stellt sich die Situation bei der Pneumokokken-Impfung für Senioren dar: Spitalsaufenthalte und Medikamente kosten in etwa 3,5 mal mehr als Impfungen. "Schutzimpfungen sind die erfolgreichste und kostengünstigste medizinische Vorsorgemaßnahme, die uns zur Verfügung steht", sagt Prof. Dr. Diether Konrad Spork, Impfreferent der Ärztekammer für Steiermark.

Appell an die Gesundheitsbehörden

Am 9. April 2005 findet in Salzburg der 14. Österreichische Impftag statt, an dem über 1000 Ärzte und Apotheker über neue Impfstoffe, neue Impfempfehlungen und aktuelle Trends diskutieren werden. Die Veranstalter - das Österreichische Grüne Kreuz für Vorsorgemedizin, die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, die Österreichische Ärztekammer und die Österreichische Apothekerkammer - appellieren an die österreichischen Gesundheitsbehörden, Schutzimpfungen großzügig und noch viel stärker als bisher zu unterstützen.

Zentrale Rolle der Apotheken

Apothekerinnen und Apotheker haben bei der Information über die Notwendigkeit von Impfungen schon immer eine zentrale Rolle gespielt. "Unsere Aufgabe ist es, die Informationen über die Möglichkeit von Impfungen gemeinsam mit den Ärzten in das Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen", sagt Mag.pharm. Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer. Für uns ist es daher eine gesundheitspolitische Aufgabe, immer wieder Impfaktionen zu unterstützen. Seit Anfang April läuft eine Impfaktion für Hepatitis A und B, die bis Ende Mai dauert. Von Anfang Jänner bis Ende Juli findet eine Impfaktion für FSME statt. Informieren Sie sich. Es geht um Ihre Gesundheit und die Ihrer Familie.

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