- 05.04.2005, 16:09:04
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 6.4.2005: Haiders Clique kommt den Staat zu teuer - von Engelbert Washietl
Wien (OTS) - Es gibt Zinshäuser und auch Fabriken, die in ihrer
Substanz nicht zu retten sind. In solchen Fällen suchen die Betuchten
- manchmal sind das zugleich die Besitzer - rechtzeitig das Weite.
Den letzten Akt des Abwohnens, Abarbeitens und Ausweidens erfüllen
diejenigen, die übrig bleiben - gemeinsam mit manchen
Unterstandslosen, für die sogar die Erbärmlichkeit der Stunde noch
eine Gunst ist.
Alles deutet darauf hin, dass sich Jörg Haider und sein politisch am
Rande eines kalkulierten Bankrotts taumelnder Familienclan verbessern
wollen. Die von ihnen geschaffene Unordnung bleibt zurück, die
Schulden hängt man der "Altpartei" FPÖ um, auf geht’s. Es behaupte
doch niemand, dass eine Partei, die seit spätestens 1986 kein anderes
Prinzip als das der kurzfristigen Wählermaximierung kannte, an einem
unüberbrückbaren Prinzipienstreit zwischen Unbeugsamen zerbrochen
wäre. In Istanbul, um den verqueren Slogan eines aus der altblauen
Rotte zu verwenden, schreiten die Leute aufrechter als in Haiders
Kärntner Wagenburg und im künftigen BZÖ-Klub des Wiener Parlaments.
Wie die Blauen und Orangen mit dem Geld herumwerfen, das sie ihren
Wählern und allen Steuerzahlern über die Parteienfinanzierung und
Wahlkampfkostenerstattung legal abgeknöpft haben, ist ein
unerträglicher Skandal. Nur dank dieser Subventionsform, die im
Gegensatz zu allen Beteuerungen ständig mehr statt weniger Geld
flüssig macht, kann dieses unwürdige Theater finanziert werden. Es
ist geeignet, die letzten jungen Österreicher in die politische
Abstinenz zu treiben: wegschauen, weghören, weggehen, weil niemand
mit diesem Eliteklüngel etwas zu tun haben will und - so der kurze
Schluss - weil letztlich eh alle in der Politik so seien. Also wird
ein Gesinnungsvakuum, das Raum für einen noch schlimmeren Absturz
gibt, aus öffentlichen Mitteln finanziert.
Das Nächste, was ganz sicher passieren wird, ist, dass die neue BZÖ
dringend Geld braucht. Schliesslich wollen die Beteiligten ja nicht
den Charakter wechseln (das ginge gratis), auch nicht nur die Farbe
(kostet nicht viel), sondern aus dem Nichts eine Parteistruktur
aufbauen, die wiederum tauglich sein muss, wie in den besseren alten
Zeiten Geldströme anzuziehen.
Wenn das alles ist, was Haider zu bieten hat, dann müssten auch die
privaten Geldgeber allmählich nachdenken, ob sie nicht bloss das
nächste Desaster mitfinanzieren.
OTS0239 2005-04-05/16:09
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