- 01.04.2005, 12:49:34
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Tumpel: Arbeitsmarkt bleibt Hauptsorge Nummer 1
Gewinne steigen - schlechtere Vorhersagen für den Arbeitsmarkt
Wien (OTS) - Im vergangenen Dezember waren die Prognosen von Wifo
und IHS für die Entwicklung am Arbeitsmarkt und für die Realeinkommen
noch relativ optimistisch, jetzt revidieren die Wirtschaftsforscher
ihre Vorhersage. "Der Arbeitsmarkt bleibt die Hauptsorge Nummer 1.
Die Arbeitslosigkeit bleibt entgegen den Erwartungen auch 2005 und
2006 unverändert dramatisch hoch und damit das größte Problem
Österreichs. Und die Regierung sieht tatenlos zu", sagt AK Präsident
Herbert Tumpel, "Monat für Monat sind wir mit steigender
Arbeitslosigkeit konfrontiert und angesichts des pessimistischen
Ausblicks wird sich daran nichts ändern." Auch bei den
Brutto-Reallöhnen pro Kopf mussten die Prognosen nach unten revidiert
werden. Sie werden heuer sogar niedriger ausfallen als im Vorjahr,
eine ausreichende Stärkung der Kaufkraft zur Ankurbelung der
Nachfrage rückt in weite Ferne. "Was wächst sind die Exporte und die
Gewinne der Unternehmen. Das hat aber keine Auswirkung auf
Investitionen und den privaten Konsum. Beides wäre aber wichtig,
damit die Wirtschaft in Schwung kommt", sagt Tumpel. Es gab nicht
genügend Investitionen in die Infrastruktur, kleine und mittlere
Einkommen wurden zu wenig steuerlich entlastet, die Belastungen
steigen, bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik wurde gespart und gegen
das organisierte Schwarzunternehmertum nicht entschieden genug
vorgegangen. Mit dem Budget 2005 und der sogenannten Steuerreform
werden auch heuer zu wenige Impulse für eine Politik für mehr
Wachstum und Beschäftigung gesetzt.
Die Hoffnung des Gewerbes auf zusätzliche Arbeitsplätze im Ausmaß
von 20.000 bis 24.000 Beschäftigte werden sich unter diesem
Rahmenbedingungen nicht erfüllen. Letztes Jahr entstanden gerade
einmal knapp 8.000 Arbeitsplätze im Gewerbe. Insgesamt viel zu wenig,
um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren, da mittelfristig über eine
sinkende Industriebeschäftigung im selben Ausmaß Arbeitsplätze
verloren gingen. Wie die neue Konjunkturprognose der
Wirtschaftsforscher zeigt, wird das Wirtschaftswachstum auch 2005 zu
niedrig sein, um die Arbeitslosigkeit zu vermindern.
Auch die vielzitierte "Gründerwelle" stellt sich bei genauerer
Betrachtung als Scheinentwicklung dar. Die Zunahme der sogenannten
Neugründungen von 2000 auf 2004 geht praktisch ausschließlich auf die
Zunahme von nicht protokollierten Einzelfirmen zurück. In den
besonders stark wachsenden Branchen, die sich in den letzten Jahren
vervielfacht haben befinden sich etwa Unternehmen wie
Wünschelrutengeher, Pendler, Wahrsager, Kartenleger, aber auch
Direktvertriebe, die von Staubsaugern über Körperpflege bis zu
Reinigungsmittel alles verkaufen. Ein großer Teil dieser Einzelfirmen
hat keine Mitarbeiter. Ein Viertel der Neugründer betreibt die
Selbständigkeit überhaupt nur im Nebenerwerb.
Vielen wurde von ihrem ehemaligen Arbeitgeber die Selbständigkeit
aufgezwungen und sind dennoch ausschließlich von ihm abhängig -
allerdings auf eigenes Risiko und mit geringerem Einkommen. Diese
Formen der "Scheinselbständigkeit" sichern weder Einkommen, noch wird
dadurch ein zukunftsweisender Beitrag für die Entwicklung der
österreichischen Wirtschaft geleistet.
Den Neugründungen stehen darüber hinaus auch steigende Insolvenzen
von Unternehmen gegenüber. Österreich liegt im internationalen
Vergleich bei den Insolvenzen an erster Stelle. Alleine in den
letzten zwei Jahren stiegen die Insolvenzen von 5.300 auf 6.300 im
Jahr 2004. Mangels Masse sind dabei auch die Lohnansprüche der
Arbeitnehmer betroffen.
OTS0174 2005-04-01/12:49
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