• 17.03.2005, 11:06:22
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Pharmig: "Immer mehr Patienten fallen durch alle Netze"

Studie des Hauptverbands: Fast 40 Prozent der Patienten bleiben nach Ablehnung durch den Chefarzt unbehandelt.

Wien (OTS) - Politik/Gesundheit/Hauptverband/Pharma/Pharmig

"Es gibt offenbar eine neue Kategorie von Patienten, die durch alle
Netze fallen", erklärt Jan Oliver Huber, Generalsekretär der Pharmig,
des Verbands der pharmazeutischen Industrie Österreichs. "Auch beim
Hauptverband weiß man das, da dieses Phänomen durch eine eigene
Studie belegt ist. Aber offenbar ist das dort allen egal", lautet
Hubers nüchterner Schluss.

Im März und April 2004 hat der Hauptverband der österreichischen
Sozialversicherungsträger in der hausinternen Stabstelle "Evidence
Based Medicine" eine Studie über die Auswirkungen von Ablehnungen
durch den Chefarzt durchgeführt und die Ergebnisse später in der
eigenen Zeitung veröffentlicht (Quelle: "Soziale Sicherheit" vom
Dezember 2004). Untersuchungsgegenstand waren exakt 2.911
chefärztliche Ablehnungen, das verblüffende Resultat: 52,22 Prozent
der Patienten haben trotz einer ersten Ablehnung durch den Chefarzt
das beantragte Medikament dann doch bekommen. "Das heißt, dass in
mehr als der Hälfte aller Fälle die Ablehnung schlichtweg falsch
war", kritisiert Pharmig-Generalsekretär Huber. "Eine Fehlerquote,
die sich kein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen leisten
könnte, die wir aber im Hauptverband der Sozialversicherungsträger
offenbar widerspruchslos akzeptieren."

Doch das bemerkenswerteste Ergebnis der Hauptverbands-Studie: 38,20
Prozent der Patienten haben nach der Ablehnung durch den Chefarzt das
beantragte Medikament nicht bekommen und es war auch keine
Ersatztherapie mit einem anderen Medikament feststellbar. "Das ist
jene Kategorie von Patienten, um die sich offenbar heute niemand mehr
kümmert", argumentiert Huber. "Denn es gibt nur zwei Möglichkeiten:
Entweder die Patienten bezahlen sich ihre Behandlung selbst, was sich
aber nur wenige leisten können. Oder diese Patienten bleiben einfach
unbehandelt, was eine Gefahr für die Gesundheit und höhere
Folgekosten nach sich zieht. Und wenn man nicht unterstellt, dass
alle diese Patienten zuvor Hypochonder waren und die Ärzte aus Jux
und Tollerei chefarztpflichtige Medikamente verschreiben, ist das ein
alarmierender Befund und muss den Gesundheitspolitikern zu denken
geben."

Übrigens: Nur 9,58 Prozent der Patienten sind nach der Ablehnung
durch den Chefarzt auf ein billigeres Medikament in einer
vergleichbaren Indikation umgestellt worden. Jan Oliver Huber: "Damit
ist klar bewiesen, dass der angebliche Zweck der Chefarztpflicht kaum
erfüllt wird und die Chefarztpflicht sowohl ökonomisch, als auch
medizinisch ein Unsinn ist." In Richtung von
Hauptverbands-Geschäftsführer Josef Probst argumentiert der
Pharmig-Generalsekretär: "Zu behaupten, die Chefarztpflicht sei eine
medizinische Zweitmeinung, obwohl die Chefärzte die Patienten
überhaupt nicht zu Gesicht bekommen, ist an Absurdität nicht mehr zu
überbieten. Offenbar versucht man hier, uns alle für dumm zu
verkaufen."

OTS0110    2005-03-17/11:06

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