Faktendarstellung zur Wildregulierung im Klammbachtal

Schmerzhafte Lösung für frühere Fehler bei der Wildhege

Wien (OTS) - Seit Jahren machen große Verbissschäden am Jungwald den Waldeigentümern im Klammbachtal bei Achenkirch zu schaffen. Ursache des Problems war die falsch verstandene Wildhege eines Jagdpächters, die zum enormen Anwachsen des Wildbestands geführt hatte. Da die Auflösung der Futterstelle und gezielte Versuche, das Wild zur neu errichteten Winter-Fütterung zu locken, zu wenig gewirkt hatten, griffen die Bundesforste zur letzten Alternative. Mit behördlicher Genehmigung unter Einbindung des Bezirksjägermeisters und auf Drängen der Grundnachbarn wurde der Wildbestand durch Jagd auf ein verträgliches Maß gebracht. "Wir waren zu dieser Wildregulierung gezwungen, um die natürliche Balance zwischen Wild und Wald wieder herzustellen", so Forstmeister Egon Fritz. "Die Bundesforste müssen nicht nur den Ansprüchen des Wildes, sondern auch den Bedürfnissen des Waldes gerecht werden."

- Jungwald durch Wildschäden massiv bedroht -
Durch gezielte Anfütterung und deutlich zu wenige Abschüsse hatte der frühere ÖBf-Jagdpächter den Wildbestand stark in die Höhe getrieben. Das Gleichgewicht zwischen Wild und Wald war vollkommen aus den Fugen geraten. Dies umso mehr, als sich in den letzten 20 Jahren rund um die Wildfütterung ein bedeutender, aber besonders empfindlicher Jungwald entwickelt hatte. Auch der unweit gelegene Schutzwald war damit akut bedroht. Wildverbiss und Schälschäden an den Jungbäumen nahmen immer mehr zu und waren für die Waldeigentümer, darunter auch die ÖBf, nicht mehr zu tolerieren. Bereits vor 10 Jahren wurde deshalb die Winter-Fütterung mit einem mehrere Hektar großen Gatter umgeben, um so das Wild von der Schädigung der benachbarten Jungwälder abzuhalten. Als auch diese Maßnahme nicht ausreichend war, entzogen die Bundesforste wegen der schlechten Wildregulierung ihrem langjährigen Pächter die Jagdpacht.

- Wildregulierung mit behördlicher Genehmigung -
Eine Novelle des Tiroler Jagdgesetzes aus dem Jahr 2002 machte schließlich die Auflösung des bereits 1993 errichteten Wintergatters erforderlich und zwang die Bundesforste zum weiteren Einschreiten. Nach der Verlegung der Futterstelle an einen geeigneteren Standort und vor der Auflösung der alten Futterstelle sowie des Gatters setzten die Bundesforste eine ganze Reihe von Maßnahmen: Zunächst wurde das Gatter geöffnet, anschließend wurden verschiedene Lockmittel eingesetzt. Weil die Tiere trotzdem an ihrem gewohnten Standort blieben und sich weiterhin an den Jungbäumen gütlich taten, sollten schließlich Lärm und Forstarbeiten die Tiere aus dem mehrfach geöffneten Gatter vertreiben. All diese Schritte zeigten jedoch zu wenig Wirkung. Die Zeit drängte, weil mit dem Voranschreiten des Winters auch die Wildschadensgefahr - speziell durch Schälung der Baumrinden - dramatisch ansteigt.

Mit Genehmigung der Bezirksjagdbehörde wurde der am alten Fütterungsstandort verbliebene Wildbestand daher im Jänner durch Jagd auf ein für den Jungwald verträgliches Maß reduziert. Für Forstmeister Egon Fritz war der Abschuss der Tiere "die letzte Alternative, zu der wir greifen mussten, weil alle anderen Maßnahmen zu wenig Wirkung zeigten. Darüber hinaus", betont er "war diese Wildregulierung behördlich und gesetzlich voll gedeckt gewesen."

- Interessen ausgleichen - auch in der Natur -
Als größter Naturbetreuer des Landes sehen sich die Österreichischen Bundesforste mit vielfältigsten Ansprüchen konfrontiert und arbeiten täglich am Ausgleich zwischen den verschiedensten Interessen, die rund um den heimischen Wald aufeinander treffen. Nicht nur die Interessen der menschlichen Waldnutzer - wie etwa Jäger, Sportler oder Forstwirte -, sondern auch die Bedürfnisse der Tier- und Pflanzenwelt müssen bei der Arbeit der Bundesforste laufend berücksichtigt werden. "Dieser dauernde Interessenausgleich macht unsere Arbeit nicht immer einfach", so Forstmeister Egon Fritz. "Aber nur durch den Ausgleich zwischen allen Ansprüchen können wir nachhaltig arbeiten - und den Wald und die Tierwelt für die Zukunft gesund erhalten. Manchmal sind aber leider auch schmerzhafte Einschnitte notwendig, um die Balance zwischen Mensch, Tier und Wald zu erhalten."

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