- 01.03.2005, 12:55:42
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Miedl: Österreich braucht detaillierte Unfallforschung
Experten aus Medizin und Technik belegen Notwendigkeit
Wien, 1. März 2005 (ÖVP-PK) Der morgige Beschluss des
Vormerkführerscheins sei ein "Meilenstein in Sachen
Verkehrssicherheit", sagte heute, Dienstag, ÖVP-Verkehrssprecher
Abg.z.NR Werner Miedl im Rahmen einer Pressekonferenz. Dennoch
müssten weiter Strategien entwickelt werden, um die relativ hohe
Verkehrsunfallsquote in Österreich zu minimieren. In diesem
Zusammenhang sprach sich Miedl gemeinsam mit Univ.Prof.DI Dr.
Hermann Steffan vom Institut für Fahrzeugsicherheit an der
Technischen Universität Graz und Univ.Prof.Dr.med. Johannes Mayr
von der Univ.Klinik für Kinderchirurgie Graz, Vizepräsident des
Österreichischen Komitees für Unfallverhütung im Kindesalter, für
eine detaillierte Unfallforschung in Österreich aus. ****
Zur Zeit würden rund 32.000 Unfallakte jährlich durch die
Exekutive angelegt. Rund 480.000 Stunden minutiöser Recherchearbeit
würden dazu von den Exekutivbeamten jährlich aufgewandt. Miedl
stellte in der Pressekonferenz klar, dass diese Daten jedoch für
jede weitere Auswertung verloren wären, da sie nur dem
statistischen Zentralamt und den Gerichten zur Verfügung gestellt
und keiner weiteren wissenschaftlichen Analyse oder
Schlussfolgerung unterzogen würden. Auch als Politiker sei man auf
Informationen von verschiedenen Institutionen angewiesen, die ihre
eigenen Interessen transportieren wollen, so Miedl. "Es fehlt der
Zugang zu objektiven Daten." Österreich brauche daher Kommissionen,
die tödliche Unfälle tatsächlich detailliert untersuchen. Auch gebe
es keine zentrale Sammelstelle für alle verkehrsunfallsrelevanten
Daten. Selbst medizinisches Wissen zur Unfallprophylaxe werde nur
wenig genützt.
Miedl sprach sich deshalb dafür aus, die Unfallforschung
gesetzlich zu verankern. "Wir wollen, dass die Unfalldaten
digitalisiert und anonymisiert einer Unfallforschungseinrichtung
zur Verfügung gestellt werden", so Miedl. Das bedeute, dass neben
dem Statistischen Zentralamt auch einer Unfallsforschungsstelle
diese Daten zur Verfügung gestellt werden. Jedoch würden digitale
Fotografien bei Gericht noch nicht anerkannt werden. Dies müsse
geändert werden, so Miedl. Der ÖVP-Verkehrssprecher sprach sich
auch für die Einrichtung von Unfallkommissionen in allen
Bundesländern aus, die bei schweren Unfällen vor Ort ihre
Untersuchungen tätigen. "Die relativ hohe Zahl an Verkehrstoten
würde dieses Vorgehen durchaus rechtfertigen. Wir könnten in Europa
auch eine Vorreiterrolle einnehmen. Zur Zeit gibt es eine ähnliche
Unfalldatensammlung lediglich in den USA", so Miedl.
Univ.Prof.DIDr. Hermann Steffan vom Institut für
Fahrzeugsicherheit an der Technischen Universität Graz legte anhand
verschiedener Beispiele dar, wie wichtig es sei, Unfälle
detailliert zu rekonstruieren, um sowohl in der Fahrzeugforschung
als auch in der Straßenbauforschung weiterzukommen. Derzeit seien
die dazu notwendigen Daten schlecht zugänglich und für
verschiedenste Forschungszwecke nicht zentral abrufbar. "Wir
investieren enorme Summen in sichere Fahrzeuge und sichere Straßen,
haben aber nur unzureichende Möglichkeiten, ihre Effizienz auch zu
prüfen", so Steffan.
Univ.Prof.Dr.med. Johannes Mayr von der Univ.Klinik für
Kinderchirurgie Graz, Vizepräsident des Österreichischen Komitees
für Unfallverhütung im Kindesalter, legte ebenfalls anhand seiner
Arbeit mit Kindern, die in Unfälle verwickelt waren, dar, welche
Informationen zur Unfallvermeidung fehlen würden. Vor allem bei
"Insassenunfällen" gebe es sehr wenige Daten und fehle die
Dokumentation völlig, so Mayr.
Rückfragehinweis: ÖVP Bundespartei, Abteilung Presse und Medien
Tel.:(01) 401 26-420; Internet: http://www.oevp.at
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