Miedl: Österreich braucht detaillierte Unfallforschung

Experten aus Medizin und Technik belegen Notwendigkeit

Wien, 1. März 2005 (ÖVP-PK) Der morgige Beschluss des Vormerkführerscheins sei ein "Meilenstein in Sachen Verkehrssicherheit", sagte heute, Dienstag, ÖVP-Verkehrssprecher Abg.z.NR Werner Miedl im Rahmen einer Pressekonferenz. Dennoch müssten weiter Strategien entwickelt werden, um die relativ hohe Verkehrsunfallsquote in Österreich zu minimieren. In diesem Zusammenhang sprach sich Miedl gemeinsam mit Univ.Prof.DI Dr. Hermann Steffan vom Institut für Fahrzeugsicherheit an der Technischen Universität Graz und Univ.Prof.Dr.med. Johannes Mayr von der Univ.Klinik für Kinderchirurgie Graz, Vizepräsident des Österreichischen Komitees für Unfallverhütung im Kindesalter, für eine detaillierte Unfallforschung in Österreich aus. ****

Zur Zeit würden rund 32.000 Unfallakte jährlich durch die Exekutive angelegt. Rund 480.000 Stunden minutiöser Recherchearbeit würden dazu von den Exekutivbeamten jährlich aufgewandt. Miedl stellte in der Pressekonferenz klar, dass diese Daten jedoch für jede weitere Auswertung verloren wären, da sie nur dem statistischen Zentralamt und den Gerichten zur Verfügung gestellt und keiner weiteren wissenschaftlichen Analyse oder
Schlussfolgerung unterzogen würden. Auch als Politiker sei man auf Informationen von verschiedenen Institutionen angewiesen, die ihre eigenen Interessen transportieren wollen, so Miedl. "Es fehlt der Zugang zu objektiven Daten." Österreich brauche daher Kommissionen, die tödliche Unfälle tatsächlich detailliert untersuchen. Auch gebe es keine zentrale Sammelstelle für alle verkehrsunfallsrelevanten Daten. Selbst medizinisches Wissen zur Unfallprophylaxe werde nur wenig genützt.

Miedl sprach sich deshalb dafür aus, die Unfallforschung gesetzlich zu verankern. "Wir wollen, dass die Unfalldaten digitalisiert und anonymisiert einer Unfallforschungseinrichtung
zur Verfügung gestellt werden", so Miedl. Das bedeute, dass neben dem Statistischen Zentralamt auch einer Unfallsforschungsstelle diese Daten zur Verfügung gestellt werden. Jedoch würden digitale Fotografien bei Gericht noch nicht anerkannt werden. Dies müsse geändert werden, so Miedl. Der ÖVP-Verkehrssprecher sprach sich auch für die Einrichtung von Unfallkommissionen in allen Bundesländern aus, die bei schweren Unfällen vor Ort ihre Untersuchungen tätigen. "Die relativ hohe Zahl an Verkehrstoten würde dieses Vorgehen durchaus rechtfertigen. Wir könnten in Europa auch eine Vorreiterrolle einnehmen. Zur Zeit gibt es eine ähnliche Unfalldatensammlung lediglich in den USA", so Miedl.

Univ.Prof.DIDr. Hermann Steffan vom Institut für Fahrzeugsicherheit an der Technischen Universität Graz legte anhand verschiedener Beispiele dar, wie wichtig es sei, Unfälle detailliert zu rekonstruieren, um sowohl in der Fahrzeugforschung als auch in der Straßenbauforschung weiterzukommen. Derzeit seien die dazu notwendigen Daten schlecht zugänglich und für verschiedenste Forschungszwecke nicht zentral abrufbar. "Wir investieren enorme Summen in sichere Fahrzeuge und sichere Straßen, haben aber nur unzureichende Möglichkeiten, ihre Effizienz auch zu prüfen", so Steffan.

Univ.Prof.Dr.med. Johannes Mayr von der Univ.Klinik für Kinderchirurgie Graz, Vizepräsident des Österreichischen Komitees für Unfallverhütung im Kindesalter, legte ebenfalls anhand seiner Arbeit mit Kindern, die in Unfälle verwickelt waren, dar, welche Informationen zur Unfallvermeidung fehlen würden. Vor allem bei "Insassenunfällen" gebe es sehr wenige Daten und fehle die Dokumentation völlig, so Mayr.

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