SJÖ: 12. Februar hat im Gedenkjahr 2005 besondere Bedeutung

ÖVP hat einmal mehr Gelegenheit sich ihrer Vergangenheit zu stellen

Wien (OTS) - Kommenden Samstag jähren sich die Februarkämpfe 1934 und somit die gewaltsame Beseitigung der 1. Republik zum 71. Mal. Für Ludwig Dvorak, Vorsitzenden der Sozialistischen Jugend Österreich (SJÖ), ist dieser Tag gerade in Anbetracht des heurigen 60jährigen Jubiläums zur Befreiung vom Nazi-Faschismus ein geeigneter Augenblick für die ÖVP, sich endlich ihrer Vergangenheit zu stellen und der Schuld ihrer direkten Vorgängerpartei bewusst zu werden.

"Die Gräueltaten des NS-Regimes folgten direkt auf den Putsch der Christlich-'Sozialen' 1934, nachdem diese die Demokratie gewaltsam beseitigt hatten. Die ÖVP, die dem verantwortlichen Diktator Dollfuß noch immer einen Platz in ihrer Ahnengalerie im Parlamentsklub einräumt, sollte das Jahr 2005 nutzen, um endgültig mit ihrer anti-demokratischen Vergangenheit zu brechen", so Dvorak am Freitag.

Dvorak befürchtet jedoch, dass das Jubiläumsjahr zur Farce verkommen wird, da seitens der ÖVP der Opfermythos unbeeindruckt von der historischen Realität gepflegt wird: "Anstatt der Befreiung Österreichs gedenken, unterstützt die ÖVP ein Projekt, das die Ereignisse auf die Bombardierung durch die Alliierten reduziert. Dass die Bombenopfer aber ebenso Opfer des faschistischen Wahnsinns waren, geht bei dieser geschmacklosen Inszenierung unter. Gedenkkultur wird durch solch ein verqueres Geschichtsbewusstsein seitens der verantwortlichen PolitikerInnen ins Gegenteil verkehrt - nämlich in die Vergessenskultur."

Dvorak merkt an, dass gerade die ÖVP Anfang des 21. Jahrhunderts in ihrem politischen Handeln häufig an ihre anti-demokratischen Traditionen anschließt: "Fünf Jahre schwarz-blaue Bundesregierung ist gleichbedeutend mit fünf Jahren Demokratie- und Sozialabbau. Das demokratiepolitische Verständnis der ÖVP ist seit dem Jahr 2000 mehr und mehr einem bedingungslosen machtpolitischen Anspruch gewichen, der durchaus an die Agitation der Christlich-'Sozialen' in der Zwischenkriegszeit erinnert. Dies wird durch die Tatsache bekräftigt, dass die ÖVP sich ihrer Schuld am Februar 1934 in keiner Weise bewusst ist. Im Gegenteil: Die ÖVP gewährt ihrem verbrecherischen Ahnen Dollfuß einen Ehrenplatz. Ihr Geschichtsverständnis der 'geteilten Schuld' ist nichts weiter als ein Verdrängungsprozess."

"Die Sozialistische Jugend gedenkt morgen jener Arbeiter und Arbeiterinnen, die es am 12. Februar 1934 nicht hinnehmen wollten, dass die hart erkämpfte Demokratie, mit der die Christlich-'Sozialen' von Anbeginn nichts anzufangen wussten, durch eine Bande von Möchtegern-Mussolinis beseitigt wurde. Mit dem brutalen Vorgehen gegen die VerteidigerInnen der Demokratie ebneten die Dollfuß-Faschisten letztlich auch den Weg in den Nationalsozialismus. Dollfuß entpuppte sich als Steigbügelhalter Hitlers", so Dvorak abschließend.

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