• 07.02.2005, 13:14:44
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  • OTS0111 OTW0111

Verbesserte Turnusärzteausbildung auf dem Rücken der Krankenschwestern?

Die Ursache für die "katastrophale Ausbildungssituation der Turnusärzte in Wien" kann nicht bei den Pflegeberufen gesucht werden.

Wien (OTS) - Nachdem in den letzten Wochen immer wieder Meldungen
über die katastrophale Ausbildung der Jungärzte in Wien auftauchen
und dies mit den Pflegeberufen in Zusammenhang gebracht wird, muss
dringend eine Richtigstellung erfolgen. Christine Ecker, MAS,
Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und
Krankenpflegeverbandes: "Tätigkeiten am Krankenbett, wie verabreichen
von Arzneimitteln und Spritzen, Infusionen vorbereiten und anhängen
sind dezidiert primär ärztliche Tätigkeiten, welche nach eingehender
Untersuchung und Beurteilung des Zustandes der Patientin/des
Patienten durch die Ärztin/den Arzt zu erfolgen haben. Dabei ist
keine generelle Delegation an die Pflegeberufe vorgesehen."

Das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz regelt die Gesundheits-
und Krankenpflegeberufe. Christine Ecker: "Gerade was die umfassende
Dokumentation betrifft, wundere ich mich sehr über die Aussagen der
Turnusärztevertreter. Allein wenn ich an die vor nicht allzu langer
Zeit aufgetretenen so genannten "Pflegeskandale" denke. Fehlende
Dokumentation bedeutet für die Berufsgruppe ein enormes rechtliches
Risiko. Es kann doch nicht sein, dass man trotz Mangels an
Pflegepersonal versucht, weitere Tätigkeiten abzuschieben und noch
dazu verlangt, dass die Pflegenden weniger dokumentieren sollen."

Die Pflegeberufe haben ihren eigenen Tätigkeitsbereich und
gewährleisten auch die Ausbildung vom eigenen Berufsnachwuchs.
Besteht ein Ressourcendefizit im Pflegebereich kommt niemand auf die
Idee, pflegerische Tätigkeiten an andere Gesundheitsberufe, z.B.
Ärzte, zu delegieren. Generell ist bekannt, dass gerade im
Pflegebereich immer wieder Personalengpässe bestehen.

Dass die Ausbildung der Jungärzte krankt ist den Pflegeberufen
leidlich bekannt, da allzu oft die von der eigenen Berufsgruppe
alleingelassenen Turnusärzte von erfahrenen Pflegekräften unterstützt
werden. Ecker: "Es ist außerdem zu hinterfragen, wann Ärzte die
zitierten patientennahen Tätigkeiten erlernen sollen, wenn nicht
während ihrer Ausbildung."

Wenn die Übernahme einzelner ärztlicher Tätigkeiten durch die
Pflegeberufe diskutiert werden soll, müssen unbedingt die
entsprechenden Konsequenzen in Bezug auf Stellenpläne und
Rahmenbedingungen mit einbezogen werden. Dabei darf keinesfalls
vergessen werden, dass gerade bei den Pflegeberufen, im Gegensatz zur
Ärzteschaft, ein eklatanter Personalmangel besteht.

Die Pflegeberufe berechnen aufgrund von Modellen (z.B. PPR,
DKI...) den tatsächlichen Personalbedarf. Vergleichbare
Organisationsmodelle für den Nachweis tatsächlich erbrachter
Leistungen sind im ärztlichen Bereich nicht vorhanden, in Zeiten von
Ressourcenverknappung und Leistungstransparenz eigentlich nicht zu
verantworten.

Es ist völlig klar, dass die zukünftigen Anforderungen im
Gesundheitssystem nur dann zu bewältigen sind, wenn die einzelnen
Berufsgruppen in gegenseitiger Wertschätzung und tatsächlich
patientenorientiert agieren.

Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband ist der
Berufsverband aller Pflegeberufe Österreichs. Er ist unabhängig,
überparteilich und interkonfessionell.

OTS0111    2005-02-07/13:14

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