Verbesserte Turnusärzteausbildung auf dem Rücken der Krankenschwestern?

Die Ursache für die "katastrophale Ausbildungssituation der Turnusärzte in Wien" kann nicht bei den Pflegeberufen gesucht werden.

Wien (OTS) - Nachdem in den letzten Wochen immer wieder Meldungen über die katastrophale Ausbildung der Jungärzte in Wien auftauchen und dies mit den Pflegeberufen in Zusammenhang gebracht wird, muss dringend eine Richtigstellung erfolgen. Christine Ecker, MAS, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes: "Tätigkeiten am Krankenbett, wie verabreichen von Arzneimitteln und Spritzen, Infusionen vorbereiten und anhängen sind dezidiert primär ärztliche Tätigkeiten, welche nach eingehender Untersuchung und Beurteilung des Zustandes der Patientin/des Patienten durch die Ärztin/den Arzt zu erfolgen haben. Dabei ist keine generelle Delegation an die Pflegeberufe vorgesehen."

Das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz regelt die Gesundheits-und Krankenpflegeberufe. Christine Ecker: "Gerade was die umfassende Dokumentation betrifft, wundere ich mich sehr über die Aussagen der Turnusärztevertreter. Allein wenn ich an die vor nicht allzu langer Zeit aufgetretenen so genannten "Pflegeskandale" denke. Fehlende Dokumentation bedeutet für die Berufsgruppe ein enormes rechtliches Risiko. Es kann doch nicht sein, dass man trotz Mangels an Pflegepersonal versucht, weitere Tätigkeiten abzuschieben und noch dazu verlangt, dass die Pflegenden weniger dokumentieren sollen."

Die Pflegeberufe haben ihren eigenen Tätigkeitsbereich und gewährleisten auch die Ausbildung vom eigenen Berufsnachwuchs. Besteht ein Ressourcendefizit im Pflegebereich kommt niemand auf die Idee, pflegerische Tätigkeiten an andere Gesundheitsberufe, z.B. Ärzte, zu delegieren. Generell ist bekannt, dass gerade im Pflegebereich immer wieder Personalengpässe bestehen.

Dass die Ausbildung der Jungärzte krankt ist den Pflegeberufen leidlich bekannt, da allzu oft die von der eigenen Berufsgruppe alleingelassenen Turnusärzte von erfahrenen Pflegekräften unterstützt werden. Ecker: "Es ist außerdem zu hinterfragen, wann Ärzte die zitierten patientennahen Tätigkeiten erlernen sollen, wenn nicht während ihrer Ausbildung."

Wenn die Übernahme einzelner ärztlicher Tätigkeiten durch die Pflegeberufe diskutiert werden soll, müssen unbedingt die entsprechenden Konsequenzen in Bezug auf Stellenpläne und Rahmenbedingungen mit einbezogen werden. Dabei darf keinesfalls vergessen werden, dass gerade bei den Pflegeberufen, im Gegensatz zur Ärzteschaft, ein eklatanter Personalmangel besteht.

Die Pflegeberufe berechnen aufgrund von Modellen (z.B. PPR, DKI...) den tatsächlichen Personalbedarf. Vergleichbare Organisationsmodelle für den Nachweis tatsächlich erbrachter Leistungen sind im ärztlichen Bereich nicht vorhanden, in Zeiten von Ressourcenverknappung und Leistungstransparenz eigentlich nicht zu verantworten.

Es ist völlig klar, dass die zukünftigen Anforderungen im Gesundheitssystem nur dann zu bewältigen sind, wenn die einzelnen Berufsgruppen in gegenseitiger Wertschätzung und tatsächlich patientenorientiert agieren.

Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband ist der Berufsverband aller Pflegeberufe Österreichs. Er ist unabhängig, überparteilich und interkonfessionell.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband
DGKS Christine Ecker, MAS, Präsidentin
Mollgasse 3a, 1180 Wien
www.oegkv.at
christine.ecker@oegkv.at
Tel.: 0664/488 24 33

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEB0005