ÖAMTC: Wenn Haftungsfragen nach Eis- und Schneeunfällen zum Problem werden

Wer seine Rechte und Pflichten kennt, fährt auch im Schadensfall sicherer

Wien (ÖAMTC-Presse) - Schneechaos in weiten Teilen des Landes, in tieferen Lagen aber auch Schneeregen und Regen - derzeit müssen sich die Autofahrer täglich auf neue Extremsituationen auf den Straßen einstellen. Kommt es trotz aller Vorsicht zum ärgerlichen Blechschaden, wird die Verschuldensfrage oft zum Problem. "Die Kraftfahrer sollten die grundlegenden gesetzlichen Richtlinien kennen. Gleichzeitig dürfen sie sich auch nicht darauf verlassen, dass sich alle anderen richtig verhalten", meint ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer. Der Experte hat einige Tipps, was es bei winterlichen Verhältnissen zu beachten gilt:

Wer auf Schneefahrbahn mit ungeeigneten Reifen unterwegs ist, riskiert bei einem Unfall die Haftung für Schadenersatz bei Sachschäden und eine strafrechtliche Verfolgung bei Personenschäden. In krassen Fällen, wie etwa bei weit überhöhter Geschwindigkeit mit unpassender Bereifung, wird sogar die eigene Kaskoversicherung die Leistung verweigern. Gerade nach massivem Neuschnee sind höhergelegene Straßen für Fahrzeuge ohne Winterausrüstung gesperrt. Die Missachtung einer verhängten Winterreifen- oder Schneekettenpflicht wird mit Verwaltungsstrafen von bis zu 726 Euro geahndet.

Wer Schnee vom Autodach nicht entfernt, fährt rechtlich gesehen mit einer nicht richtig gesicherten "Dachlast". Wenn ein herabfallender Schnee- oder Eisblock Schäden verursacht, muss der Verursacher bzw. die Haftpflichtversicherung des Fahrzeugbesitzers dafür einstehen. Dabei kann es nicht nur zu direkten Sachschäden oder Personenschäden, z.B. bei Fußgängern, kommen. Es passiert oft, dass die Schneefracht bei einer Bremsung über die Windschutzscheibe rutscht. Wer dann keine ausreichende Sicht hat, und deshalb einen Unfall verursacht, ist ebenfalls für die Folgen verantwortlich.

Straßenerhalter haftet nur bei grober Fahrlässigkeit

Nur in Ausnahmefällen werden "die Straßenverhältnisse" als Unfallgrund anerkannt: Straßenerhalter haften nur bei grober Fahrlässigkeit. Das trifft zum Beispiel dann zu, wenn die Möglichkeit bestanden hätte, die Schneeglätte zu beseitigen, aber der Straßendienst grundlos untätig geblieben ist. Das aber muss der Geschädigte nachweisen. "Der Straßendienst kann zum Beispiel bei Glatteis nicht überall gleichzeitig streuen. Hochrangige Straßen haben hier Vorrang vor Nebenstraßen, aber selbst auf Autobahnen muss im Ernstfall eine gewisse Zeitverzögerung in Kauf genommen werden", sagt der ÖAMTC-Jurist. Daher muss man vor allem auf Landes- und Gemeindestraßen mit plötzlich auftretender Straßenglätte rechnen und kann sich in den meisten Fällen nicht am Straßenerhalter schadlos halten.

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ÖAMTC-Pressestelle/Claudia Kesche

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