• 02.02.2005, 12:43:15
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Menasses Stück für die "Burg": Der neue "Heldenplatz"?

Wien (OTS) - Der Autor Robert Menasse hat ein Auftragsstück für
das Burgtheater geschrieben, und das Ergebnis könnte in seiner
Brisanz "Heldenplatz"-Dimension erreichen. NEWS berichtet in seiner
morgen erscheinenden Ausgabe detailliert über die politische Satire,
die offenbar an den Eregnissen der schwarz-blauen Regierungsbildung
im Jahr 1999 Maß nimmt. Der richtige Regisseur scheint gleichfalls
gefunden: Wie Menasse in NEWS erklärt, hat Bachler die Regie seinem
Vorgänger Claus Peymann angeboten.

Das Stück mit dem Titel "Das Paradies der Ungeliebten" ist
realsatirische Burleske, Königsdrama und Untergangsvision in einem.
Es spielt in Dänemark - wo, so Menasse, bekanntlich etwas faul im
Staate ist -, und die handelnden Personen tragen die Namen der
dänischen Europameistermannschaft des Jahres 1992. Dennoch ist der
österreichische Wiedererkennungswert beträchtlich.

- Bundeskanzler Flemming "Lemming" Povlsen ist Sozialdemokrat,
Prototyp für das ideologische Elend seiner Partei, Eheversager,
Behüpfer seiner Sekretärin in deprimierenden Stundenhotels. Er wird
von seinem Berater, den man "Spin doctor" nennen könnte, zur
Witzfigur verzerrt.

- Der amtierende konservative Vizekanzler heißt Claus
Christiansen, verbündet sich mit einer Partei, die mit NS-Gedanken
kokettiert, und wird Kanzler. Menasse: "Die Figur zeigt, was in einem
Menschen vorgeht, der sich für seinen Lebenstraum mit dem Teufel
verbündet, dabei aber noch immer das Schlupfloch sucht, ein
christlicher Politiker zu bleiben. Das ist spannender als der
konkrete Schüssel."

- Christiansens Büroleiterin trägt den kärntnerisch anmutenden
Namen "Piechnik". Die Dame, die mit dem Chef perverse Bet-Rituale in
der Hündchenstellung pflegt, ist die Instanz seines Vertrauens.

- Der rechtspopulistische Oppositionspolitiker Peter Schmeichel,
Christiansens Koalitionspartner, ist ein Narziss und Menschenfänger,
der seine Anhängerschaft mit den Auslesemethoden der SS rekrutiert.
Ein linksgerichteter Redakteur, der gegen Schmeichels brutalen
Wirtschaftsfachmann recherchiert hat, wurde von Unbekannt ins
temporäre Koma mit bleibenden körperlichen Schäden geprügelt.

- Der Journalist Brian Laudrup, Herausgeber einer vom Konkurs
bedrohten linken Zeitschrift, will Schmeichel ermorden und beruft
sich dabei auf die Charta der Vereinten Nationen, die eine bestimmte
Qualität des politischen Attentats billigt. Das Motiv des politischen
Mordes ziehe sich durch die gesamte Literaturgeschichte, sagt
Menasse, und sei auch im gegenständlichen Fall als Theatertradition
ausgewiesen. "Ich begreife nicht, wie man darin ein Problem erkennen
kann, wenn man heute an die zwei Jahrtausende dauernde Geschichte
dieses Stoffs anknüpft. Im Übrigen ist es ein Unterschied, ob ich zum
Attentat aufrufe oder in einem Stück einen Menschen darstelle, der
mit dem Gedanken spielt, man müsste einen politischen Mord begehen."

- Der ehemalige Schauspieler Lars Olsen ist ein gekaufter
Schmierist und ehemaliger Rocksänger, der so lang wider die Koalition
mit Schmeichel deklamiert, bis der ihn verachtende Parteifreund
Christiansen ihm das Amt des Kulturministers vor die Füße wirft.
Zitate aus Interviews des amtierenden Kulturstaatssekretärs (und
Subventionsausschütters über das Burgtheater) sind sogar in den Text
collagiert. "Für mich", sagt Menasse, "ist Franz Morak vollkommen
hinter der Figur dieses Stücks verschwunden. Ich bin nicht einmal
sicher, ob er überhaupt noch existiert."

Menasse zum Stück: "Ein europäisches Stück, das von der
Demokratiedämmerung in Europa handelt. Da aber die
Kleinhäuslerpolitiker in Österreich in ihren Neurosen und Allüren
natürlich Ähnlichkeiten mit den Palastpolitikern in den großen
Ländern haben, kann man in Österreich natürlich auch glauben: Aha
Österreich! Andererseits habe ich nichts dagegen, wenn man auch
Österreich darin erblickt. Deshalb betrachte ich es als Geschenk an
unsere Republik im Jubiläumsjahr: Schaut euch an, worüber ihr redet,
wenn ihr über politische Verantwortung, Demokratie und
gesellschaftliche Entwicklungen redet! Und was mittlerweile mit den
Menschen geschieht, die zu vertreten ihr euch anmaßt."

OTS0177    2005-02-02/12:43

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NES

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