"Meilenstein in der Krebsbehandlung"

Von der visionären Idee zur Realität - erster Angiogenesehemmer in Österreich zugelassen

Wien (OTS) - Bei einer Pressekonferenz anlässlich der Zulassung
des ersten Angiogenesehemmers in Österreich, am 1. Februar an der Wiener Medizinischen Universität, sprachen ExpertInnen von einer "neuen Ära in der Krebsbehandlung".

Jahrzehntelang wurde geforscht, wurden hoffnungsvolle Studienergebnisse diskutiert, um das bereits 1971 entwickelte Wirkprinzip der so genannten Angiogenesehemmung für die Praxis zu erschließen. Doch erst jetzt steht erstmals ein Medikament für die klinische Anwendung zur Verfügung, das tatsächlich die Blutzufuhr zum Tumor unterbinden, ihn dadurch aushungern und somit zerstören kann. Seit 12. Jänner 2005 steht Bevacizumab (Avastin(R)) auch in Österreich zur Verfügung und gibt v. a. Menschen mit Darmkrebs neue Hoffnung.

Zugelassen für PatientInnen mit Darmkrebs

Avastin(R) ist zur Erstbehandlung bei metastasierendem Dickdarmkrebs in Kombination mit einer Standard-Chemotherapie zugelassen.

In Studien zeigte die Kombination von Avastin(R) mit einer Chemotherapie im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie eine bemerkenswerte Überlebensverlängerung von beinahe fünf Monaten. Darüber hinaus steigt die Chance, langfristig zu überleben bzw. geheilt zu werden. Auf Grund des neuen Wirkprinzips ruft eine Avastin(R)-Therapie nicht die für eine Chemotherapie typischen Nebenwirkungen (Haarausfall etc.) hervor. Der Zeitaufwand für die Therapie ist gering: Bevacizumab wird während der Behandlungszyklen alle drei Wochen zusätzlich zur Chemotherapie intravenös verabreicht. Ein kleiner Aufwand für ein deutliches Mehr an Wirkung, wie auch Mag. Kurt Schlachter, der bereits mit Avastin(R) behandelt wird, bei der Pressekonferenz bestätigte.

Gezielte Wirkung

Anders als bei Chemotherapien, die unspezifisch auf den gesamten Körper wirken, greift das neue Therapieprinzip den Tumor direkt an. Ausgangspunkt für die Entwicklung von Avastin(R) war die Erkenntnis, dass ein Tumor nur überleben kann, wenn er mit Blutgefäßen versorgt wird. Andernfalls könnte er nicht größer werden als ein Stecknadelkopf. "Bevacizumab ist ein Antikörper, der gegen den Wachstumsfaktor VEGF (vascular endothelial growth factor) gerichtet ist, der für die Blutgefäßversorgung des Tumors eine Schlüsselrolle spielt. Erstmals haben wir also ein Mittel zur Verfügung, das spezifisch die Blutgefäßversorgung des Tumors blockiert", so Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin I und Leiter der klin. Abteilung für Onkologie, auf der Pressekonferenz. Der Tumor wird nicht mit neuen Blutgefäßen versorgt und bereits entwickelte Gefäße bilden sich zurück -Tumorwachstum und Metastasierung werden dadurch gehemmt.

In kombinierter Form besonders wirkungsvoll

Vor allem die Kombination Chemotherapie und Avastin(R)-Therapie bringt große Erfolge. "Erfahrungen bei anderen Tumorerkrankungen wie z.B. Brustkrebs und Lymphdrüsenkrebs haben gezeigt, dass die Kombination von Chemotherapie und neuen, gezielt angreifenden Substanzen zu besseren Behandlungsergebnissen führt als die alleinige Chemotherapie. Nun beginnt diese neue Ära auch in der Behandlung des Dickdarmkrebses" so Univ.-Prof. Dr. Werner Scheithauer, Universitätsklinik für Innere Medizin I, klin. Abteilung für Onkologie.

Zahlen und Fakten

Die durchschnittliche Überlebensdauer konnte unter Avastin(R)-Therapie um fast fünf Monate (von 15,6 auf 20,3 Monate) verlängert werden (Steigerung um 30%; p < 0,001). Das mediane progressionsfreie Überleben verbesserte sich durch die Avastin(R)-Gabe hochsignifikant um 4,4 Monate (von 6,2 auf 10,6 Monate), was einer Steigerung um 71% entspricht (p < 0,001).
"Die in der Zulassungsstudie erreichte Verlängerung des Gesamtüberlebens kann als geradezu 'dramatischer Effekt' bezeichnet werden." so Univ.-Prof. Dr. Gabriela Kornek, Universitätsklinik für Innere Medizin I, klin. Abteilung für Onkologie. Noch beeindruckender sind die Ergebnisse, wenn man jene PatientInnen herausgreift, die im Anschluss an die Therapie mit Avastin(R)+ IFL noch eine zweite Therapielinie in Form von Oxaliplatin (R) erhielten. Diese erreichten nämlich eine durchschnittliche Überlebenszeit von 25,1 Monaten. "Das ist eine enorme Steigerung, wenn man bedenkt, dass wir noch vor kurzem mit einer durchschnittlichen Überlebenszeit von rund 12 Monaten zu rechnen hatten", so Prof. Kornek weiter.

Zukunftsaussichten

Die Realisierung dieses bestechenden Therapiekonzeptes ist einem optimalen Zusammenspiel von Grundlagenforschung und klinischer Forschung zu verdanken. Dr. Martin Hangarter, Geschäftführer von Roche Austria: "Roche setzt auf intensive Forschung im Bereich maßgeschneiderter Therapien."

Derzeit wird Avastin(R) auch bei PatientInnen in einem früheren Darmkrebs-Stadium, nämlich unmittelbar nach der Operation geprüft. Hier ist das neue Therapieprinzip insofern höchst viel versprechend, da die Absiedelung von Metastasen verhindert werden könnte.

"Roche und Genentech führen gegenwärtig auch ein umfassendes klinisches Programm zur Anwendung von Avastin(R) bei fortschreitendem Darmkrebs mit anderen Chemotherapien durch", so Dr. Hangarter. Darüber hinaus dürfte der Wirkmechanismus der Angiogenesehemmung auch bei anderen malignen Tumoren Bedeutung haben. "Avastin (R) wird auch bei anderen Krebsarten wie Lungenkrebs, Brustkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Ovarialkrebs und Nierenkrebs geprüft.", ergänzt Dr. Hangarter.

Selbsthilfegruppe Darmkrebs

Auf der Presskonferenz wurden auch die Anliegen der im September 2004 gegründeten Selbsthilfegruppe Darmkrebs vorgebracht. "Wir stehen erst am Anfang unserer Arbeit, haben uns aber viel vorgenommen", so Helga Thurnher, Frau eines Betroffenen und Gründungsmitglied der Selbsthilfegruppe. Neben Beratung, Information, Erfahrungsaustausch stehen die Punkte "Interessensvertretung für PatientInnen" und "Information über neue Behandlungsmöglichkeiten" auf ihrer Agenda. "Denn", so Thurnher, "die Gefahr wird immer größer, dass PatientInnen aus 'gesundheitsökonomischen Gründen’ nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen Zugang zu den neuesten Behandlungsmöglichkeiten erhalten. Wir möchten uns dafür einsetzen, dass flächendeckend in allen Spitälern Österreichs allen PatientInnen adäquate, moderne, für sie maßgeschneiderte Krebs-Therapien zur Verfügung stehen."

Alle Unterlagen zur Pressekonferenz (Texte, Fotos, Präsentationen) sowie die längere Version dieser Presseaussendung finden Sie unter:
www.roche.at -> Presse -> Presse national -> Pressekonferenz vom 1. Februar, Benutzername: Presse,
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Rückfragen & Kontakt:

Kontakt Selbsthilfegruppe Darmkrebs:
shg-darmkrebs@gmx.net
www.derdickdarm.at

Kontakt für JournalistInnen-Rückfragen
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