Ausgaben für Chefärzte deutlich höher als angeblicher Nutzen

Pharmig: Kosten von mehr als 50 Millionen Euro stehen bestenfalls Einsparungen von 16 Millionen Euro gegenüber.

Wien (OTS) - "Es ist höchste Zeit, die Funktion der Chefärzte generell zu hinterfragen. Denn dass die Chefärzte einen wichtigen Beitrag leisten, um die Medikamentenkosten zu senken, ist einfach ein Mythos", erklärt Jan Oliver Huber, Generalsekretär des Branchenverbands Pharmig.

Huber untermauert seine These mit Zahlen: 2003 haben die Ausgaben für chefarztpflichtige Medikamente exakt 325 Millionen Euro betragen (Quelle: APA v. 11. 1. 2005). Nachdem 95 Prozent aller chefarztpflichtigen Medikamente ohnehin bewilligt werden, bleibt ein Einsparvolumen von etwa 16 Millionen Euro pro Jahr. Dem stehen aber ungleich höhere Kosten für die Chefärzte gegenüber: Setzt man das Gehalt eines Chefarztes mit 120.000 Euro pro Jahr an (inkl. Pension und Arbeitgeberbeiträge) und rechnet man noch 40.000 Euro hinzu (Jahresgehalt einer Sekretärin inkl. Pension und Arbeitgeberbeiträge) plus 20.000 Euro pro Jahr für sonstige Aufwendungen (Bürokosten, Dienstauto), kommt man auf einen Betrag von 180.000 Euro pro Jahr und Chefarzt. Laut Angaben von Josef Probst, dem zuständigen Geschäftsführer des Hauptverbands, gibt es in Österreich 283 Chefärzte (Quelle: Oberösterreichische Nachrichten v. 26. 5. 2004). Die dann laut obiger - ohnehin moderat angesetzter - Gesamtrechnung insgesamt mehr als 50 Millionen Euro kosten.

"Angesichts dieser Zahlen sind wir für die sofortige Abschaffung der Chefarztpflicht", fordert der Generalsekretär der Pharmig. "Wir zahlen 50 Millionen Euro, damit wir vielleicht 16 Millionen Euro einsparen - das ist wirklich völliger Unsinn." Dabei sind die gesamten volkswirtschaftlichen Kosten für die derzeitige Handhabung der Chefarztpflicht hier noch gar nicht mit eingerechnet. Jan Oliver Huber: "Die Zeit während der die Patienten auf ihre Fax-Bewilligung warten, die Personalkosten für die Dienstgeber, die Bearbeitungskosten, die Kosten für zusätzliche Fax-Geräte und -Leitungen, das alles ist teuer. Hier kommt sicher noch ein zweistelliger Millionenbetrag hinzu. Das Fazit kann also nur lauten:
Weg mit der unsinnigen Chefarztpflicht!"

Prinzipiell, räumt Huber ein, sei auch die Pharmig für eine Kontrolle der Medikamentenkosten im Interesse der Versicherten. Dafür würde es aber ausreichen, das Verschreibungsverhalten der Ärzte im Nachhinein zu kontrollieren. "Der "gläserne Arzt", betont der Pharmig-Chef, "ist doch längst Realität - die Krankenkassen wissen über das Verschreibungsverhalten der Ärzte haargenau Bescheid. Außerdem gibt es die Richtlinien zur ökonomischen Verschreibweise, nach denen die Ärzte jetzt schon verpflichtet sind, bei gleicher Wirksamkeit das günstigste Medikament zu verschreiben. Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, umso mehr fragt man sich - wozu das Ganze?"

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