"Kleine Zeitung" Kommentar: "Auch Klasnic konnte Red Bull keine Flügel mehr verleihen" (Von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 20.01.2005

Graz (OTS) - Beendet, begraben. Endgültiger kann eine Absage gar nicht formuliert sein: "Jeder weitere Versuch einer Fortführung", heißt es im Schreiben von Dietrich Mateschitz an Waltraud Klasnic, "wäre für unser Unternehmen nicht zu verantworten, zum Scheitern verurteilt und könnte auch unseren Partnern nicht guten Gewissens empfohlen werden."

Die Hoffnung, es könnte doch noch gelingen, den Chef von Red Bull zur Rückkehr nach Spielberg zu überreden, war von Anfang an dünner als ein Strohhalm. Mateschitz sagte bereits unmittelbar nach Erhalt der ersten Nachricht, dass der Umweltsenat sein Projekt verworfen habe, damit sei die Sache für ihn "erledigt".

Es hätte ein Projekt der Superlative werden sollen: Um die gewaltige Summe von 700 Millionen Euro wollten Mateschitz und seine Partner aus der Auto- und Flugzeugindustrie auf dem Gelände des verwaisten A1-Rings im obersteirischen Spielberg ein Motorsportzentrum der Superlative errichten: Rennstrecken, Tribünen, Boxen, Hotels, alles von den besten Architekten entworfen und so ausgelegt, dass eines Tages der Formel-1-Zirkus wieder zurückkehren kann.

Es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob der mit dem Modegetränk Red Bull zum Milliardär gewordene Mateschitz sich in seiner Heimat ein Denkmal aus Stahl und Beton erbauen wollte und geahnt hat, dass es zu groß geraten wäre. Man muss sich an seine Aussage halten, dass das Projekt nur in seiner geplanten "Einzigartigkeit" von Interesse war. Abstriche kamen und kommen für Mateschitz nicht in Frage.

Visionäre glauben an ihre Visionen. Deshalb waren alle Versuche, Mateschitz zu einem Abspecken des Projektes zu bewegen, ohne Chance. Klasnic unternahm sogar einen Canossagang zum Hangar 7 nach Salzburg, doch war der Chef von Red Bull nicht mehr umzustimmen. In seiner Erklärung, "das Projekt Spielberg ist somit von Rechts wegen beendet", schwingt die Enttäuschung mit, dass die Landespolitik ihre Versprechungen, man werde die Umweltverträglichkeitsprüfung schon richten, nicht einhalten konnte.

Über die Schuldfrage an den dilettantischen Verfahren wird erneut gestritten werden, vielleicht auch noch über die Kosten der Aufräumarbeiten auf der verlassenen Baustelle.

Waltraud Klasnic, die im Herbst Wahlen zu schlagen hat, steht mit leeren Händen da. Eine bittere Niederlage für die Landeshauptfrau und auch ein schwerer Schlag für das Land, weil es den Ruf festigt: In der Steiermark geht nichts mehr. ****

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