• 19.01.2005, 19:25:22
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Auch Klasnic konnte Red Bull keine Flügel mehr verleihen" (Von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 20.01.2005

Graz (OTS) - Beendet, begraben. Endgültiger kann eine Absage gar
nicht formuliert sein: "Jeder weitere Versuch einer Fortführung",
heißt es im Schreiben von Dietrich Mateschitz an Waltraud Klasnic,
"wäre für unser Unternehmen nicht zu verantworten, zum Scheitern
verurteilt und könnte auch unseren Partnern nicht guten Gewissens
empfohlen werden."

Die Hoffnung, es könnte doch noch gelingen, den Chef von Red Bull zur
Rückkehr nach Spielberg zu überreden, war von Anfang an dünner als
ein Strohhalm. Mateschitz sagte bereits unmittelbar nach Erhalt der
ersten Nachricht, dass der Umweltsenat sein Projekt verworfen habe,
damit sei die Sache für ihn "erledigt".

Es hätte ein Projekt der Superlative werden sollen: Um die gewaltige
Summe von 700 Millionen Euro wollten Mateschitz und seine Partner aus
der Auto- und Flugzeugindustrie auf dem Gelände des verwaisten
A1-Rings im obersteirischen Spielberg ein Motorsportzentrum der
Superlative errichten: Rennstrecken, Tribünen, Boxen, Hotels, alles
von den besten Architekten entworfen und so ausgelegt, dass eines
Tages der Formel-1-Zirkus wieder zurückkehren kann.

Es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob der mit dem Modegetränk Red
Bull zum Milliardär gewordene Mateschitz sich in seiner Heimat ein
Denkmal aus Stahl und Beton erbauen wollte und geahnt hat, dass es zu
groß geraten wäre. Man muss sich an seine Aussage halten, dass das
Projekt nur in seiner geplanten "Einzigartigkeit" von Interesse war.
Abstriche kamen und kommen für Mateschitz nicht in Frage.

Visionäre glauben an ihre Visionen. Deshalb waren alle Versuche,
Mateschitz zu einem Abspecken des Projektes zu bewegen, ohne Chance.
Klasnic unternahm sogar einen Canossagang zum Hangar 7 nach Salzburg,
doch war der Chef von Red Bull nicht mehr umzustimmen. In seiner
Erklärung, "das Projekt Spielberg ist somit von Rechts wegen
beendet", schwingt die Enttäuschung mit, dass die Landespolitik ihre
Versprechungen, man werde die Umweltverträglichkeitsprüfung schon
richten, nicht einhalten konnte.

Über die Schuldfrage an den dilettantischen Verfahren wird erneut
gestritten werden, vielleicht auch noch über die Kosten der
Aufräumarbeiten auf der verlassenen Baustelle.

Waltraud Klasnic, die im Herbst Wahlen zu schlagen hat, steht mit
leeren Händen da. Eine bittere Niederlage für die Landeshauptfrau und
auch ein schwerer Schlag für das Land, weil es den Ruf festigt: In
der Steiermark geht nichts mehr. ****

OTS0248    2005-01-19/19:25

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