- 14.01.2005, 17:49:57
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FISCHER: AUS DER VERGANGENHEIT LERNEN, MUT FÜR DIE ZUKUNFT SCHÖPFEN Bundespräsident dankt für die österreichische Hilfe in Südostasien
Wien (PK) - Bundespräsident Heinz Fischer ging anlässlich der
Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr 2005 zunächst auf die
Flutkatastrophe in Südostasien ein. Er habe mit Dankbarkeit zur
Kenntnis genommen, wie sehr die Republik Österreich mit einem Herzen
fühlt, mit einem Kopf denkt und auch gemeinsam handelt, wenn es um
die Anteilnahme am Schicksal der Katastrophenopfer, am Leid ihrer
Angehörigen und um Hilfe für die Betroffenen gehe. Er wolle sich als
Bundespräsident bei allen Helferinnen und Helfern für ihren enormen
Einsatz ganz ausdrücklich bedanken. Und er bedanke sich auch für jede
einzelne Spende und für jeden einzelnen Euro.
Die Solidarität und Anteilnahme gelte natürlich in besonderer Weise
den Landsleuten und persönlich Bekannten, aber sie sei ganz bestimmt
nicht nur auf Österreich beschränkt, betonte Fischer, sondern gelte
in grenzüberschreitender Weise allen Opfern, gleichgültig aus welchem
Land sie stammen, welche Sprache sie sprechen oder welche Religion
sie haben. Das Leid dieser Katastrophe habe uns zu einer globalen
Familie gemacht, die gemeinsam trauert, gemeinsam zu helfen versucht
und solidarisch um einen Wiederaufbau bemüht ist. Dies soll auch
durch eine interkonfessionelle Gedenkveranstaltung zum Ausdruck
gebracht werden, zu der er gemeinsam mit dem Bundeskanzler für
kommenden Mittwoch in den Redoutensaal der Wiener Hofburg eingeladen
habe, erklärte Fischer.
Sodann kam Fischer auf das Jubiläumsjahr 2005 zu sprechen. Er
erinnerte daran, dass Österreich vor wenigen Tagen das erste
Jahrzehnt seiner Mitgliedschaft in der Europäischen Union vollendet
hat. Ganz besonders wichtig sei die historische Tatsache, dass die
Zweite Republik heuer auf einen erfolgreichen und friedlichen Weg von
genau sechs Jahrzehnten zurückblicken könne. Der Bundespräsident wies
darauf hin, dass es im Verlaufe dieses Jahres noch weitere wichtige
Jubiläen geben wird, nicht zuletzt das halbe Jahrhundert seit dem
Abschluss des Staatsvertrages, seit der Beschlussfassung über das
Neutralitätsgesetz und seit dem Beitritt zu den Vereinten Nationen.
Ausgangspunkt der friedlichen und positiven Entwicklung der Zweiten
Republik sei die Wiedergeburt eines demokratischen Gemeinwesens im
Frühjahr 1945, also vor 60 Jahren, gewesen. Voraussetzung dafür war
das Ende des grausamen und leidvollen Krieges. Auch das Ende der
Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus stehe mit diesem Datum in
Verbindung und daher auch das Ende der Konzentrationslager und das
Ende des Anschlusses, erinnerte der Bundespräsident. "Vor 60 Jahren
gab es gewissermaßen den Triumph der rot-weiß-roten-Fahne über das
Hakenkreuz, den Triumph der Demokratie über die Diktatur." Alle
danach folgenden innen- und außenpolitischen Erfolge in der Zweiten
Republik wären nicht möglich gewesen ohne die im Jahr der
Wiedergeburt der Republik gemeinsam gelegten Grundsteine.
Man dürfe sich aber nicht in Versuchung führen lassen, die Erfolge
der Vergangenheit als Garantieschein für eine bequeme Zukunft zu
betrachten, gab der Bundespräsident zu bedenken. Der Blick auf eine
positive Vergangenheit sei natürlich ein Grund zur Freude, aber der
Blick in die Zukunft sei etwas anderes, allein schon deshalb, weil
die Zukunft immer in Varianten gedacht werden müsse. Die Zukunft sei
mit Anstrengungen und Unsicherheiten verbunden. "Unsere Aufgabe und
unser Recht ist es, aus der Vergangenheit zu lernen und daraus den
Mut zur Zukunft zu schöpfen. Unsere Aufgabe ist es auch, Risken
richtig einzuschätzen und nach Möglichkeit zu begrenzen."
Mit den Jubiläen, mit den Gedenkveranstaltungen und Feiern im Laufe
des Jahres 2005 werde man letztlich nur dann zufrieden sein, wenn man
den Rückblick in den Dienst der Zukunft stelle und wenn man den
richtigen Maßstab für die Beurteilung von Vergangenheit, Gegenwart
und Zukunft zu findet, sagte Fischer.
Das alles könne aber nicht das Werk einzelner Personen, einzelner
Parteien oder einzelner Institutionen sein. Es könne nur gelingen,
wenn sich alle gemeinsam bemühen und gemeinsam daran arbeiten. "Um
diese Gemeinsamkeit darf ich Sie bitten, aus Respekt vor den großen
Leistungen der Wiederaufbaugenerationen, aber auch aus Respekt vor
der Größe der vor uns liegenden Aufgaben. Unserer Heimat, der
Republik Österreich, und damit Ihnen allen wünsche ich eine gute und
friedliche Zukunft."
Nach der Rede des Bundespräsidenten wurde erstmals ein kurzer Auszug
aus einer großen zeitgeschichtlichen ORF-Dokumentationsreihe zum Jahr
2005 präsentiert, in der Hugo Portisch mit zum Teil noch nie
veröffentlichten Bildern und Dokumenten nachzeichnet, wie "Österreich
vom halb zerstörten Land zum drittreichsten Land Europas werden
konnte". (Fortsetzung)
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