"Kleine Zeitung" Kommentar "Der SPÖ fehlt nur noch eine Kleinigkeit: Der Siegeswille" (Von Hans Winkler)

Ausgabe vom 14.01.2005

Graz (OTS) - Die SPÖ hat an an den letzten zwei Tagen in Wien eine Neujahrskonferenz abgehalten. Bei dieser Veranstaltung trat auch der Chefredakteur des "Falter" Armin Thurnher auf, der sich seit fünf Jahren fast jede Woche sein Unglück darüber von der Seele schreibt, dass Österreich von einer rechten Koalition regiert wird. Die ÖVP, so konstatierte Thurnher zutreffend, habe sich in der Zeit, als sie nicht an der Macht war, "in ihrem Geburtsrecht als Staatspartei beleidigt gefühlt".

Dasselbe lässt sich - leicht abgewandelt- von der SPÖ sagen. Auch sie fühlt sich seit dem Jahr 2000 in einem vermeintlichen Geburtsrecht beleidigt, nämlich dem auf die Macht überhaupt, das ihr kraft historischer Notwendigkeit eigentlich zustehe.

Nur sehr langsam und widerstrebend öffnet sich die SPÖ der Einsicht, dass sie keine Chance hat, wieder an die Macht zu kommen, solange sie in diesem Zustand der Beleidigtheit verharrt, der sie lähmt und handlungsunfähig macht. Die Wähler lassen sich nicht gern unterstellen, sie hätten sich eigentlich geirrt.

Das Problem der SPÖ ist natürlich ihr Vorsitzender, aber auch die Art, wie mit ihm umgegangen wird. Wenn sich der Wiener Bürgermeister für alle sichtbar ihm gegenüber wie ein Firmgöd aufführt und die übrigen Genossen buchstäblich mit verschränkten Armen zuschauen, wie sich der Chef auf der Bühne abstrampelt, bleibt das dem Publikum nicht verborgen. So schlecht wie Alfred Gusenbauer hat die SPÖ nicht einmal den ebenfalls ungeliebten Viktor Klima behandelt. Dieses Verhalten hat geradezu masochistische Züge.

Die letzten Jahre haben bei vielen Wähler die unerschütterliche Sicherheit auf die ewige Finanzierbarkeit der gewohnten Ansprüche an den Sozialstaat ins Wanken gebracht. Die Reformen nehmen sie aber nicht als Versuch der Sicherung des Systems wahr, sondern als mutwillige Absicht, ihnen etwas wegzunehmen. Die Unsicherheit der einen konkurriert freilich mit der Erfahrung der anderen, dass es dem Land und ihnen selbst ziemlich gut geht.

Die SPÖ vertraut darauf, dass sich die Dinge notwendigerweise zu ihren Gunsten entwickeln. Die Wahlerfolge der letzten zwei Jahre scheinen ihr auch recht zu geben.

Das alles wird ihr aber wenig nützen, wenn sie nicht entwickelt, was ihr der neuernannte Kommunikationsdirektor, der von keinen Selbstzweifeln angekränkelte Josef Kalina, sehr richtig ins Stammbuch schreibt: "Wenn wir Siegeswillen zeigen, nehmen uns die Leute auch unsere Inhalte ab". ****

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