• 13.01.2005, 20:01:22
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"Kleine Zeitung" Kommentar "Der SPÖ fehlt nur noch eine Kleinigkeit: Der Siegeswille" (Von Hans Winkler)

Ausgabe vom 14.01.2005

Graz (OTS) - Die SPÖ hat an an den letzten zwei Tagen in Wien eine
Neujahrskonferenz abgehalten. Bei dieser Veranstaltung trat auch der
Chefredakteur des "Falter" Armin Thurnher auf, der sich seit fünf
Jahren fast jede Woche sein Unglück darüber von der Seele schreibt,
dass Österreich von einer rechten Koalition regiert wird. Die ÖVP, so
konstatierte Thurnher zutreffend, habe sich in der Zeit, als sie
nicht an der Macht war, "in ihrem Geburtsrecht als Staatspartei
beleidigt gefühlt".

Dasselbe lässt sich - leicht abgewandelt- von der SPÖ sagen. Auch sie
fühlt sich seit dem Jahr 2000 in einem vermeintlichen Geburtsrecht
beleidigt, nämlich dem auf die Macht überhaupt, das ihr kraft
historischer Notwendigkeit eigentlich zustehe.

Nur sehr langsam und widerstrebend öffnet sich die SPÖ der Einsicht,
dass sie keine Chance hat, wieder an die Macht zu kommen, solange sie
in diesem Zustand der Beleidigtheit verharrt, der sie lähmt und
handlungsunfähig macht. Die Wähler lassen sich nicht gern
unterstellen, sie hätten sich eigentlich geirrt.

Das Problem der SPÖ ist natürlich ihr Vorsitzender, aber auch die
Art, wie mit ihm umgegangen wird. Wenn sich der Wiener Bürgermeister
für alle sichtbar ihm gegenüber wie ein Firmgöd aufführt und die
übrigen Genossen buchstäblich mit verschränkten Armen zuschauen, wie
sich der Chef auf der Bühne abstrampelt, bleibt das dem Publikum
nicht verborgen. So schlecht wie Alfred Gusenbauer hat die SPÖ nicht
einmal den ebenfalls ungeliebten Viktor Klima behandelt. Dieses
Verhalten hat geradezu masochistische Züge.

Die letzten Jahre haben bei vielen Wähler die unerschütterliche
Sicherheit auf die ewige Finanzierbarkeit der gewohnten Ansprüche an
den Sozialstaat ins Wanken gebracht. Die Reformen nehmen sie aber
nicht als Versuch der Sicherung des Systems wahr, sondern als
mutwillige Absicht, ihnen etwas wegzunehmen. Die Unsicherheit der
einen konkurriert freilich mit der Erfahrung der anderen, dass es dem
Land und ihnen selbst ziemlich gut geht.

Die SPÖ vertraut darauf, dass sich die Dinge notwendigerweise zu
ihren Gunsten entwickeln. Die Wahlerfolge der letzten zwei Jahre
scheinen ihr auch recht zu geben.

Das alles wird ihr aber wenig nützen, wenn sie nicht entwickelt, was
ihr der neuernannte Kommunikationsdirektor, der von keinen
Selbstzweifeln angekränkelte Josef Kalina, sehr richtig ins Stammbuch
schreibt: "Wenn wir Siegeswillen zeigen, nehmen uns die Leute auch
unsere Inhalte ab". ****

OTS0220    2005-01-13/20:01

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