- 11.01.2005, 10:52:28
- /
- OTS0068 OTW0068
Tsunami-Flutkatastrophe in Südostasien als Chance für Erhöhung der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit (0,7%)
2005 - Wendepunkt bei der Bekämpfung der weltweiten Armut?
Wien (OTS) - Die Tsunami-Flutkatastrophe ist ein doppeltes
Unglück: sie hat nicht nur Millionen Menschen in Südostasien in akute
Not gestürzt, sondern es ist zu befürchten, dass sie viel Geld bindet
und es dadurch in afrikanischen Elendsgebieten südlich der Sahara zu
gefährlichen Engpässen in der Entwicklungszusammenarbeit kommen
könnte.
Viele der in der AGEZ (Dachverband von 30 entwicklungspolitischen
NGOs in Österreich) zusammengeschlossenen Organisationen engagieren
sich seit Jahren mit Projekten in den von der Flutkatastrophe
betroffenen Regionen in Südostasien und sammeln nun zusätzliche
Spenden, um die notwendige und wichtige Katastrophen- und humanitäre
Hilfe für die Flutopfer leisten zu können. Die Spendenbereitschaft
und das Spendenaufkommen durch die österreichische Bevölkerung sind
großartig. Die AGEZ erwartet sich dieses Verständnis und eine
ausreichende Dotierung für die langfristige
Entwicklungszusammenarbeit dementsprechend auch von der
Österreichischen Bundesregierung.
Zusagen der Regierung kommen aus welchen Budgettöpfen?
Die AGEZ begrüßt die jüngste Zusage von Bund, Ländern und Städten,
50 Mio. Euro für Nothilfe und Wiederaufbaumaßnahmen zur Verfügung zu
stellen. Die NGOs hoffen jedoch, dass die von der Regierung
zugesagten Finanzmittel für die Flutopfer aus zusätzlichen Budgets
finanziert werden und nicht aus dem ohnehin schon knapp dotierten
Entwicklungszusammenarbeits-Budget. Um diesbezügliche Zweifel
auszuräumen fordern die NGOs im Sinne der Transparenz eine
detaillierte Aufschlüsselung der zugesagten Hilfsmittel und ihrer
Finanzierungsquellen.
Tragische Flutkatastrophe: trauriger Anlass für Notwendigkeit für
mehr Entwicklungszusammenarbeit
Die Organisationen hoffen, dass die tragische Flutkatastrophe zu
einem Umdenken bei den EntscheidungsträgerInnen führt und die
Notwendigkeit nach mehr langfristig nachhaltiger Entwicklungshilfe im
Anschluss an die Linderung der ärgsten Not auch umgesetzt wird.
Mitleid und Hilfsbereitschaft der ÖsterreicherInnen sind wunderbar,
doch können sich diese Gefühle früher oder später wieder
verflüchtigen, sobald es keine Fernsehbilder mehr aus diesen Regionen
gibt.
Die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) appellieren an dieser
Stelle vehement, auf das tägliche Leid derjenigen Menschen, die nicht
in den Medien präsent sind, nicht zu vergessen. Um nur ein Beispiel
zu nennen: weltweit sterben 30.000 Kinder an vermeidbaren
Krankheiten. Täglich! (Human Development Report 2003 der Vereinten
Nationen). Das Leid der Einen darf nicht gegen das Leid der Anderen
ausgespielt werden und Politikentscheidungen dürfen nicht nach
Medienattraktivität gefällt werden.
Kampf gegen weltweite strukturelle Armut notwendig
Was wir hingegen brauchen, ist der weltweite und kontinuierliche
Kampf gegen die Armut, der im Jahr 2000 durch die Verabschiedung der
Millenniumsentwicklungsziele durch die Vereinten Nationen begonnen
wurde. Ziel ist es, die absolute Armut bis zum Jahr 2015 zu
halbieren. Dazu braucht es nicht nur ein gerechtes
Weltwirtschaftssystem sondern auch mehr Entwicklungszusammenarbeit:
0,7% des BNE als Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit ist die
einzige Möglichkeit, den Wiederaufbau in den betroffenen Ländern für
die nächsten Jahre zu sichern und die entwicklungspolitischen
Herausforderungen, wie sie sich in vielen Regionen der Welt seit
Jahrzehnten stellen, voranzubringen. Das Aufbringen zusätzlicher
Mittel anlässlich der Flutkatastrophe wäre auch eine Chance für
Österreich, einen echten Schritt in Richtung 0,7% zu tun. Denn
Katastrophen haben in den armen Ländern aufgrund der schwachen
Infrastruktur oftmals verheerendere Auswirkungen als in reichen
Ländern.
2005 - Jahr der Weichenstellung um die extreme Armut zu besiegen?
In den Entwicklungsländern geht es darum, die strukturelle Armut
zu bekämpfen, damit alle Menschen über ausreichend Nahrung und
sauberes Trinkwasser verfügen und Zugang zu Gesundheitsdiensten und
Bildung haben. Im September 2005 steht die Überprüfung der bisherigen
Fortschritte beim Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele im
Rahmen eine UN-Konferenz an. Die Regierungen der Industrieländer
könnten dabei Geschichte machen, wenn sie 0,7% des BNE für
Entwicklungshilfe bereitstellen, weitere Entschuldungen durchführen
und sich für ein faires Weltwirtschaftssystem einsetzen. Auch
Österreich ist gefordert: Es braucht für die Erreichung der
Millenniumsentwicklungsziele eine substanzielle Erhöhung der
öffentlichen Mittel für Entwicklungszusammenarbeit, mit dem Ziel, die
vor mehr als 30 Jahren zugesagten 0,7% des BNE bis zum Jahr 2010 zu
erreichen. Denn 2003 rangierte Österreich als viertreichstes Land der
EU mit nur 0,2% an vorletzter Stelle der EU-"Geber"länder.
OTS0068 2005-01-11/10:52
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GEZ






