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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 23.12.2004: Österreich sucht einen Grund zum Feiern - von Peter Muzik
Wien (OTS) - Es ist eine Bilanz mit Ambivalenz: So ähnlich wie das
heurige Weihnachtsgeschäft für den österreichischen Handel gelaufen
ist - relativ flau, aber nicht hoffnungslos -, ist das gesamte,
allmählich zu Ende gehende Jahr zu bewerten: Es hat sich zwar - von
der EU-Erweiterung am 1. Mai bis zur Pensionsharmonisierung -
ziemlich viel Wichtiges ereignet; es war auch, nicht nur wegen der
üblichen Skandale und Grotesken, sondern auch auf Grund der
zahlreichen Wechsel auf wichtigen Posten stets relativ spannend -
aber in wirklich toller Erinnerung wird uns dieses Jahr 2004 wohl
dennoch nicht bleiben.
Das hat zweifellos mit der Politik und der Konjunktur, primär
jedenfalls mit der oben angesprochenen Ambivalenz zu tun: Heuer gab’s
für Unternehmer und Manager zwar sicherlich wenig Grund für Frust und
Krisengejammer - aber genauso wenig gab es besondere Anlässe für
Jubel und Begeisterung. Stichwort Politik: Auch wenn die notwendigen
Reformen auf politischer Ebene - vom Steuersystem bis zum
Gesundheitswesen - gewiss richtig waren und teilweise sogar auch
erfreuliche Neuerungen brachten, etwa die längst fällige Senkung der
KöSt auf 25 Prozent, bot die Bundesregierung den Österreichern
letztlich keinen brauchbaren Grund für Freudenfeste.
Stichwort Konjunktur: Auch das konjunkturelle Umfeld liess in der
Wirtschaft durchaus zu wünschen übrig, denn der mehrmals prophezeite
Aufschwung kam und kam nicht bzw. ist, sobald man ihn
überraschenderweise zu erspähen schien, gleich wieder verschwunden.
Dieses ewige Warten und Hoffen hat in den Chefbüros der meisten
Betriebe - so erfolgreich etliche im Einzelfall auch unterwegs
gewesen sind - massiv die Stimmung gedrückt und keine rechte Freude
aufkommen lassen. Und dann noch die harten Facts, die halt so leicht
Depression zu verbreiten im Stande sind: steigende Inflation, ein
Rekord bei Firmenpleiten, die gewohnten Troubles am Arbeitsmarkt,
Sparprogramme, wohin man schaut - alles in allem ein Jahr, in dem es
so gut wie nichts zu feiern gab.
Im nächsten Jahr soll dafür bekanntlich umso mehr gefeiert werden,
was einesteils ja erfreulich, aber anderseits nicht ungefährlich ist:
Denn es reicht bestimmt nicht, wenn sich die Regierung bloss im
Lichte historischer Daten zu sonnen versucht. Es wäre daher schön,
wenn es für Österreich zugleich auch einen aktuellen Anlass gebe, um
einmal kräftig auf die Pauke zu hauen - etwa den so lang
herbeigesehnten Konjunkturaufschwung.
OTS0163 2004-12-22/17:15
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