"Treffpunkt Kultur" gratuliert Friederike Mayröcker

Letzte Sendung mit Barbara Rett vor deren "Treffpunkt Kultur"-Pause

Wien (OTS) - Vor dem Antritt ihrer "Treffpunkt Kultur"-Pause präsentiert Barbara Rett die letzte Sendung in diesem Jahr am Montag, dem 20. Dezember 2004, um 22.30 Uhr in ORF 2 mit folgenden Themen:

Werner Herzog: Tagebuch aus der Hölle
"Eroberung des Nutzlosen" - Aufzeichnungen zu den Dreharbeiten von "Fitzcarraldo"

Mario Adorf und Jason Robards hatten längst das Weite gesucht, auch Mick Jagger machte in Smoking und Turnschuhen kehrt. Aber ein Mann jagte immer noch seiner großen Metapher hinterher: vom riesigen Schiff, das über den Berg muss. Werner Herzogs Kinoklassiker "Fitzcarraldo" schildert einen gewaltigen Sisyphos-Akt: Klaus Kinski spielt darin einen Abenteurer, der einen Dampfer durch den südamerikanischen Dschungel schleifen lässt, um am jenseitigen Fluss Neuland anzusteuern. Die Dreharbeiten sollten sich schließlich als der noch größere Kraftakt herausstellen: Der Filmdampfer sitzt monatelang auf einer Sandbank fest, Indianerstämme proben den Aufstand, Schiffe versinken, Flugzeuge stürzen vom Himmel, es kommt zu Messerstechereien und zu Begegnungen mit tödlichen Spinnen. Und in seiner Hütte sitzt Werner Herzog und schreibt gegen den Wahnsinn an, um nicht selbst verrückt zu werden. "Eroberung des Nutzlosen" nennt er sein Buch, das er nun aus den 25 Jahre alten Tagebuchnotizen übertrug. "Der Text wird den Film überleben", urteilt dazu Herzogs Regie-Kollege Volker Schlöndorff. "Treffpunkt Kultur" stellt das Buch vor, Werner Herzog ist Live-Gast im Studio.

Von Vätern, Sex und anderen Katastrophen: "Agnes und seine Brüder" Studiogast Oskar Roehler und sein hoch gelobter neuer Film

Welch brüderliches Trio! Kaum betritt Hans-Jörg seinen Arbeitsplatz, die Bibliothek, biegt er auch schon auf die Toilette ab. Es ist nicht der Harn, der ihn drängt. Es sind die kurzberockten Studentinnen. Denn Hans-Jörg ist Voyeur und onaniesüchtig. Der ältere Bruder hingegen hat es geschafft - vordergründig zumindest. Er lässt sich als Grünpolitiker im dicken Auto vom Chauffeur spazieren fahren. Nur seine maliziöse Frau will längst nichts mehr von ihm wissen und der Sohn nutzt jede Gelegenheit, den Vater zu blamieren. Bleibt noch der Jüngste: Der heißt Agnes, weil er sich ins schönere Geschlecht umwandeln ließ. Und er ist - genau wie seine Brüder - das Opfer seines gewalttätigen Vaters. "Agnes und seine Brüder" heißt Oscar Roehlers Film, der sich wie eine grelle Farce anlässt und sich in eine Tragödie von nahezu antiker Wucht - samt Katharsis - steigert. Einhellig begeistert sind die Rezensenten über die schauspielerische Ensembleleistung von Moritz Bleibtreu, Herbert Knaup und dem jungen Martin Weiß. "Treffpunkt Kultur" stellt den Film vor, Regisseur Oskar Roehler ist Studiogast.

Grande Dame: Friederike Mayröcker: Die österreichische Literatin feiert 80. Geburtstag

Im August 1939 erlauscht sie: "metallisch klingt der Morgen auf". Alsbald donnern Stahlgewitter vom Himmel - der Zweite Weltkrieg tobt. Friedericke Mayröcker ist damals 15 Jahre jung und schreibt bereits an ihrer Poetik. Das innere Gehör hat sie wohl in den langen Sommern der Abgeschiedenheit trainiert, die sie ihrer schwächlichen Gesundheit wegen auf dem elterlichen Anwesen an der tschechisch-niederösterreichischen Grenze verbrachte. Am 20. Dezember wird die Grande Dame der österreichischen Literatur 80 Jahre alt. Rund 1.000 Gedichte hat die vielfach Preisgekrönte verfasst, die einen erstaunlichen stilistischen Bogen beschreiben: surreal, experimentell, bisweilen klassisch anmutend. Der nun im Suhrkamp-Verlag vorgelegte Band "Gesammelte Gedichte 1939-2003", Spitzenreiter der ORF-Bestenliste im Dezember, gibt davon Zeugnis. "Treffpunkt Kultur" zeichnet ein Porträt der Jubilarin, die als Favoritin für den Literaturnobelpreis gegolten hat - bevor er Elfriede Jelinek zuerkannt wurde.

Studioact: Sch*nee: Jazz und Lyrik, schräg interpretiert

Irgendwie, so dachten sie, müssten auch sie mit dem Fest der Feste fertig werden. Als Therapie verordneten sich die Musiker Andy Manndorf und Bumi Fian gemeinsam mit dem Schauspieler Markus Kühne Jazz und Lyrik. Mit Hilfe des Schweizer Regisseurs Christian Papke fanden sie eine musikalisch neu geprägte Form von Weihnachts- und Raunachtslyrik. "Sch*nee" nennen sie das zugehörige Programm - ein wenig trashig, wie ein Rezensent urteilte, aber nicht zynisch, und durchaus eine jazzige Hetz. Zu erleben live im "Treffpunkt Kultur"-Studio.

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