- 10.12.2004, 12:59:41
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AKNÖ: Höchster Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit in der EU
Staudinger: "Aussagen der Regierung zur Jugendarbeitslosigkeit nicht nachvollziehbar!"
Wien (AKNÖ) - Die Regierung will von der durch die PISA-Studie
offenbar gewordenen Bildungsmisere ablenken und verweist auf die
angeblich rosige Situation auf dem Arbeitsmarkt: Österreich habe die
niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Die NÖ Arbeiterkammer
weist diese Aussagen strikt zurück - vielmehr habe sich die
Jugendarbeitslosigkeit in Österreich seit 2000 nahezu verdoppelt.
Die Regierungsparteien riefen am Donnerstag im Nationalrat zu einer
seriöseren Diskussion auf. Denn neben dem schlechten Ergebnis der
PISA-Studie hätte Österreich auch - zum Beispiel was die Chancen der
Schulabgänger betrifft - "hervorragende Daten" aufzuweisen, hieß es.
ÖVP-Bildungssprecher Amon meinte etwa, Österreich verfüge über die
niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in Europa. AKNÖ-Präsident Josef
Staudinger kann diese Argumentation nicht nachvollziehen: "Teile der
Regierung versuchen nun offenbar, die dramatischen Ergebnisse der
PISA-Studie mit angeblich guten Arbeitsmarktdaten aufzupolieren." Die
Experten der wirtschaftspolitischen Abteilung der AKNÖ haben
nachgerechnet und beweisen: Die aktuellen EUROSTAT-Zahlen sprechen
eine andere Sprache.
Nur mehr Vierter bei Jugendarbeitslosigkeit
Österreich war seit dem EU-Beitritt das Land mit der geringsten
Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Den Spitzenrang verlor Österreich
im März 2001 an die Niederlande. Seit August 2003 hat Irland eine
geringere Jugendarbeitslosigkeit, und seit Dezember 2003 hat auch
Dänemark Österreich überholt. Derzeit befindet sich Österreich auf
Platz 4. AKNÖ-Arbeitsmarktexperte Mag. Marc Pointecker: "Das
schlimmste ist nicht der Rückfall im Ranking, sondern das Schicksal
der derzeit 65.959 Jugendlichen, die Arbeit suchen, aber keine
finden."
EU-weit steilster Anstieg
Problematisch ist vor allem der rasche Anstieg in Österreich seit dem
Jahr 2000: Seit 2000 hat sich die Jugendarbeitslosigkeit von 5,3 %
auf 9,8 % nahezu verdoppelt. Der Anstieg um 84 % ist der stärkste
Anstieg in allen 25 EU-Ländern. Der absolute Anstieg um 4,5
Prozentpunkte ist der vierthöchste in der EU. In 11 EU-Ländern
(darunter auch Finnland) ist die Jugendarbeitslosigkeit seit 2000
gesunken, in 14 EU-Mitgliedsstaaten ist sie angestiegen.
Pointecker: "Geht dieser Trend so weiter, fällt Österreich demnächst
hinter Zypern zurück." Auch im beliebten Vergleich mit Deutschland
zeigt sich: Der Vorsprung hat sich seit 2000 bereits halbiert.
Für AKNÖ-Präsident Staudinger mehr als ein Alarmsignal: "Die
Wirtschaftspolitik der Bundesregierung hat vor allem den Unternehmen
genützt. Die Bedürfnisse der Menschen, gerade der Jugendlichen,
bleiben dabei aber auf der Strecke. Wir fordern daher einen
wirtschaftspolitischen Kurswechsel mit Vollbeschäftigung als
zentralem Ziel und einen Lastenausgleich bei der Lehrlingsausbildung:
Betriebe, die die Lehrlingsausbildung verweigern, sollen an Betriebe,
die Lehrlinge ausbilden, einen Ausgleichsbeitrag zahlen."
OTS0201 2004-12-10/12:59
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