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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Red Bull ohne Flügel: In der Grünen Mark geht nichts mehr" (Von Erwin Zankel)
Ausgabe vom 08.11.2004
Graz (OTS) - Dietrich Mateschitz hat die Nase voll. Für ihn ist
mit dem Spruch des Umweltsenats die Wiederbelebung der Rennstrecke in
Spielberg gestorben. Der Chef von Red Bull hat schon viel Geld in das
Projekt gesteckt und wollte noch viel mehr fließen lassen. 700
Millionen Euro, in alter Währung 10 Milliarden Schilling, hätte er in
die Motorsport & Aviation Academy gesteckt. Eine Investition, die
sich wohl kaum unmittelbar gerechnet hätte, sondern eher ein
monumentales Denkmal für den aus der Steiermark stammenden
Geschäftsmann gewesen wäre.
Ob auf dem ehemaligen Gelände des Formel 1-Rings je wieder Rennautos
kurven, Motorräder heulen oder Flugzeuge starten? Mateschitz scheint
entschlossen, die Baugrube zu verlassen und das Projekt zu beerdigen.
Zurück bleibt die Landespolitik, die den Milliardär bedrängt und
bekniet hat, für seine Heimat etwas zu tun. Man hat ihm zwar Türen
geöffnet und Zuschüsse versprochen, doch gelang es nicht, den
Widerstand der Anrainer auszuräumen. Das Desaster ist der Höhepunkt,
aber wahrscheinlich nicht der Endpunkt in einer Reihe spektakulärer
Fehlschläge, die der Steiermark den Ruf eingetragen haben, hier wären
Großprojekte nicht zu verwirklichen.
Den ersten Fehlschlag erlitt die alte Voest, die südlich von Graz
gemeinsam mit dem japanischen Elektronikkonzern Oki eine Fabrik
errichten wollte. Das Projekt scheiterte am Widerstand militanter
Umweltschützer, obwohl die Chip-Produktion mit Hochöfen und Schloten
nichts zu tun hat. Der Protest war eine Mischung von
Technikfeindlichkeit und Bürgerstolz, der sich gegen die
Zwangsbeglückung durch die Obrigkeit wehrte.
Zum Torso geriet die Schnellstraße durch das Ennstal. Die in das Moor
gerammten Betonwannen wurden zwar mittlerweile in Ortsumfahrungen
eingebunden, doch bewirkt der sagenhafte Wachtelkönig einen dauernden
Stau, der nicht nur den Verkehr, sondern die Entwicklung der Region
hemmt.
Bloß ein Loch im Berg ist der Semmering-Tunnel. Oben rasen die Autos
durch Tunnels, unten darf die Eisenbahn nicht fahren, weil der
Nachbar Gefahr für die Umwelt vorschützt. Nicht viel weiter ist die
380-kV-Stromleitung, die der Grazer Raum als Lebensader braucht.
Gewiss, die Bewilligungsverfahren sind langwierig und bei
Umweltgesetzen wurde übers Ziel geschossen. Wenn dann auch noch die
Vertreter des Landes ängstlich und unentschlossen sind, fürt das zu
Lähmung und zum Schluss, dass in der Steiermark nichts mehr geht.****
OTS0228 2004-12-07/18:55
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