"Diesseits von Afrika. Entdeckung Lesachtal" am 8. Dezember im ORF

Harald Friedl zeigt: Afrika beginnt in Kärnten

Wien (OTS) - "Neugierig sein die Leut' im Lesachtal wohl." Die Sprachwissenschafterin Regina Unterguggenberger aus Tscheltsch bei Liesing bringt einen Wesenszug der Menschen in diesem abgeschiedenen Kärntner Tal auf den Punkt. Auch wenn sie hinzufügt: "So wie überall wahrscheinlich." Aber nicht überall halten die Menschen einen Feldstecher griffbereit, um zu beobachten, was rundherum geschieht. Das Lesachtal, ein wunderschönes Stück Kärnten, hat mit seiner ausgewiesenen Kulturlandschaft allerlei Eigenheiten zu bieten, die wohl einmalig sind. In seinem Film "Diesseits von Afrika. Entdeckung Lesachtal" verknüpft Harald Friedl die vielen Besonderheiten dieses Tales und seiner Menschen zu einer opulent gestalteten Kulturdokumentation mit vielen Überraschungsmomenten - zu sehen in ORF 2 am Mittwoch, dem 8. Dezember, um 21.55 Uhr. In seinem Film erzählt Friedl spannende Geschichten aus dem Lesachtal, das vor einigen Jahren zum schönsten Tal Europas erklärt worden war, und reiht sich damit ein die neue ORF-Reihe bildgewaltiger und außergewöhnlicher Feiertagsdokumentationen der ORF-Hauptabteilung Kultur, in der bereits "Fürstliche Schätze - Die Liechtenstein Saga", "Hinter den Fassaden - Die Wiener Ringstraße" und "Der Mehlspeis-Adel" zu sehen waren.

Da gibt es zunächst einmal die geologische Besonderheit: Afrika beginnt in Kärnten. Generationen von Geologen kommen aus allen Teilen der Welt hierher, um den Verlauf der Periadriatischen Naht (wo die afrikanische und die europäische Platte aufeinander stoßen) entlang der Karnischen Alpen zu studieren. Und Fossilien machen deutlich, dass es dort, wo heute prachtvolle Berge - weiße und dunkle - für einen herausragenden landschaftlichen Reiz sorgen, einst ein Meer gab.

Eine andere Besonderheit ist der weitgehend unbekannte Bezug des Lesachtals zur Lagunenstadt Venedig: Der gemeinsame Nenner ist das Holz, das in diesem Tal so reichlich vorhanden ist und besonders haltbare Stämme abgibt, so dass ein Teil Venedigs auf Pfählen aus Kärnten ruht. Früher wurden ganze Bäume zum Bau der prächtigen Palazzi benötigt, heute ist das Lesachtaler Schnittholz besonders gefragt - zum Ausstatten venezianischer Bauten. Venedigs Alltagskultur wird also immer noch vom Holz aus Kärnten mitgeprägt.

Aber auch einer der größten Künstler, die Venedig prägten, war mit dem Lesachtal verbunden: Tizian, der Schöpfer großartiger Gemälde, war von Beruf Holzhändler. Der Mann aus Pieve di Cadore, auf der italienischen Seite der Karnischen Alpen, hatte ein Legat, um im Lesachtal Holz einzukaufen.

Der einstige Holzhändler fand in Venedig zu seiner wahren Berufung:
Tizians grandiose Assunta, das sieben Meter hohe Gemälde der Muttergottes in der Kirche Santa Maria Gloriosa di Frari, prägte die bildende Kunst dank seines kraftvollen Rots und der Lebendigkeit der Darstellung wie kein anderes Kunstwerk. Dieses Bild wurde oft kopiert - auch für die Kirche des Klosters Maria Luggau, dem bekannten Wallfahrtsort im Lesachtal. Dieses lang gestreckte Tal ist reich an religiöser Kunst. Vieles wurde von Künstlern geschaffen, über die wir heute nichts mehr wissen. Die Darstellung des Jüngsten Gerichts in der Kirche von St. Lorenzen vermag auch anspruchsvolle Kunstkritiker zu entzücken.

Von der Malerei zur Musik: Die Haselfichten des Lesachtals waren einst für ihren besonderen Klang höchst begehrt. Der berühmte Geigenbauer Ägydius Klotz aus Mittenwald schätzte die Klanghölzer des Lesachtals sehr. Und es heißt, dass sogar Wolfgang Amadé Mozart drei Geigen besaß, deren Holz aus dem Lesachtal stammte.

Historisch gewachsen ist auch die Lebensart der Bewohner des Lesachtals. In diesem engen Tal mussten drei Volksgruppen miteinander leben lernen: Zuerst waren die Slawen da, die sich an der Sonnenseite des Tales niederließen. Danach kamen Zuwanderer aus dem Süden, zuletzt besiedelten Germanen diesen Landstrich.

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