• 03.12.2004, 15:00:00
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LH Hans Niessl übergibt den Pflegepreis Burgenland 2004 an Ulrike Haring-Kremsner und Karoline Pöll

Wien (OTS) - Erstmals in der siebenjährigen Geschichte des
AUVA-Pflegepreises zeichnet Landeshauptmann Hans Niessl am Freitag,
dem 3. Dezember 2004, um 15 Uhr, im Empire Saal, Schloss Esterhazy,
Eisenstadt, zwei Burgenländerinnen aus, die ihre nach Arbeitsunfällen
schwerstverletzten Männer seit mehr als zehn Jahren aufopfernd zu
Hause im Familienverband betreuen. Für Ulrike Haring-Kremsner aus
Schattendorf und Karoline Pöll aus Grafenschachen ist es
selbstverständlich, Tag und Nacht für sie da zu sein, eigene
Interessen hintan zu stellen. Für Viele ist es außergewöhnlich. Für
Landeshauptmann Hans Niessl, Dir. Ing. Johann Kaiser, AUVA
(Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) Landesstelle Wien und Karl
Ziegler, Stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft
Bau-Holz Anlass, "Danke" zu sagen und den Preisträgerinnen
sorgenfreie Stunden zu schenken.

Es gratulieren Landesrat Dr. Peter Rezar, Landtagsabgeordneter
Oswald Klikovits, Bürgermeister Alfred Grafl, Schattendorf,
Vizebürgermeister Johann Lotter, Schattendorf, Bürgermeister Richard
Loidl, Grafenschachen, Vizebürgermeister Ing. Alfred Halwachs,
Grafenschachen, Chefredakteur Thomas Orovits, Burgenland-Woche, Dr.
Peter Schwendenwein, Hausarzt der Familie Kremsner, Bundessekretär
Anton Korntheuer, Bundesvorsitzender-Stellvertreter Johann Holper,
Kammerrat Rudolf Silvan, Mitglied Rehabilitationsausschuss, und
Landessekretär Karl Marhold - alle Gewerkschaft Bau-Holz -,
Pflegedirektorin Mag. Renate Peischl, Burgenländische
Krankenanstaltengesellschaft, Mag. Pia-Maria Rosner-Scheibengraf,
Wirtschaftskammer und Mitglied Rehabilitationsausschuss,
Dr. Hartmut Pelinka, Ärztlicher Direktor AUVA, die Direktoren der
AUVA-Landesstelle Wien, das Betreuerteam der Außenstelle Oberwart,
Mitglieder der Jury und Familienmitglieder.

Ulrike Haring-Kremsner meistert dreifach Belastung Beruf,
Haushalt und Pflege seit 10 Jahren

Eine aus vier Metern herabstürzende Eisentraverse verletzte Walter
Kremsner am 4. Februar 1994 so schwer, dass er bis Juli 1995 in
ärztlicher Behandlung bleiben musste. Schädel, Kiefer, Brust- und
Lendenwirbel, Rippen, Ober- und Unterschenkel und der rechte Arm
waren betroffen, der rechte Unterschenkel konnte nicht gerettet
werden. Die Folgen: der 48-Jährige blieb teilweise gelähmt, hat
Schwierigkeiten sich zu artikulieren und leidet unter epileptischen
Anfällen. Walter Kremsner braucht ständige Beobachtung und Betreuung.
Mit Hilfe eines Rollstuhls kann er sich im Haus bewegen und seine
Gattin begleiten.

Wie der Pflegebedürftige zum Zentrum des Lebens von Ulrike
Haring-Kremsner (46 Jahre) geworden ist, so steht sie im Mittelpunkt
seiner Interessen. Er begleitet sie überall hin: in die Arbeit, in
den Gemüsegarten und schaut ihr aufmerksam zu. Konkurrenz bekommt sie
lediglich durch seine - streng rationierte - Vorliebe für Zigaretten.

Der Tag von Ulrike Haring-Kremsner beginnt zwischen 6 Uhr 30 und 7
Uhr mit der gemeinsamen Kosmetik und dem Frühstück. Oft steht dann
die Arbeit im biologischen Gemüsegarten - für den Eigenbedarf - auf
dem Programm. Ein paar Minuten, in denen die Preisträgerin abschalten
kann und Kraft schöpft. Drei Tage in der Woche ist sie "online" für
die Buchhaltung einer Baugenossenschaft, bei der sie seit 30 Jahren
beschäftigt ist, tätig. An zwei Tagen fährt sie mit ihrem Mann, der
diese Abwechslung liebt, nach Wien ins Büro.
Das pflegerische Rüstzeug hat sich die Schattendorferin bei den
Aufenthalten im Spital und in den Rehabilitationseinrichtungen der
AUVA abgeschaut. Einmal pro Woche kommt eine Physiotherapeutin.
Bruder und Cousin greifen bei den "Männerarbeiten" im Haus mit an.

Die für Burgenland zuständige AUVA-Landesstelle Wien unterstützt
Familie Kremsner bei Hausadaptierungen, beim Autokauf und mit allen
medizinischen Hilfsmitteln von Einlagen und Stützstrümpfen, über
Unterschenkel-Prothesen bis zu Rollstühlen. Die Aufwendungen betrugen
bis jetzt rund 41.000 Euro. Walter Kremsner erhält
Invaliditätspension, Unfallrente sowie Pflegegeld und ist finanziell
abgesichert.

Karoline Pöll - zu jeder Zeit ein starker Rückhalt für ihre
Familie

Karoline Pöll (63) aus Grafenschachen packt ohne viel Aufhebens
an, wenn sie helfen kann. Das Wohl ihres Mannes, der drei Töchter und
ihrer Kinder steht im Vordergrund. Besuche bei der Schwester und
ihrer 90-Jährigen Mutter, die rund zehn Kilometer entfernt wohnen,
sieht sie als Ausgleich und Entspannung. Neben der Pflege ihres durch
Lähmungen gesundheitlich beeinträchtigten Mannes erhält sie eine
kleine Landwirtschaft mit drei Schweinen und baut das dafür Futter
selbst an. Arbeitet die im selben Haus wohnende Tochter, passt
Karoline Pöll zudem auf den lebhaften dreieinhalbjährigen Enkel
Marcel auf. Sorgen bereiten der Preisträgerin die stärker werdenden
Beinschmerzen ihres Mannes und, dass es für ihre Tochter so schwer
ist, als Konditor in der Nähe einen guten Halbtags-Arbeitsplatz zu
finden. Eigene Wünsche? Ein bisserl Zeit für sich zum Fernsehen,
Lesen, um am Sonntag Mutter und Schwester zu besuchen - wenn ihr Mann
beim Fußball ist.

Eine große Hilfe und körperliche Entlastung waren der Umbau des
Hauses, damit Emil Pöll alles gut mit dem Rollstuhl erreichen kann,
die Handgriffe und behindertengerechte Adaptierung von Bad und WC.
Eine wichtige Rolle spielt auch das Behindertenfahrzeug, das Emil
Pöll für Ausflüge zu Freunden, ins Gasthaus und zum Fußballplatz
nützt. Vom Sitz seines "Graf Carello" aus beobachtet er gut geschützt
und beschwerdefrei die Spiele.

Emil Pöll arbeitete als Zimmerer und wurde am 2. Juli 1992 beim
Abladen von Baustahlgittern von zurückschnellenden Matten am Kopf
getroffen. Seit dem kann er Arme und Hände, die Körpermuskulatur und
vor allem das linke Bein fast nicht mehr bewegen. Für kurze Wege
reichen Unterarmstützkrücken, sonst benützt er den Rollstuhl oder
sein Behindertenfahrzeug. Nach dem anfänglichen Unfallschock arbeitet
der 63-Jährige fleißig an seiner Beweglichkeit. Zwei bis dreimal am
Tag absolviert er rund 20 Minuten auf einem Laufband. Dies hilft bei
den Durchblutungsstörungen in den Beinen und auch ein wenig gegen die
von der Wirbelsäule ausstrahlenden Schmerzen.

Die AUVA-Landesstelle Wien unterstützt Familie Pöll mit
medizinischen Hilfsmitteln, Zuschüssen zu behindertengerechten
Umbauten und zum Fahrzeugkauf - bis jetzt in Höhe von insgesamt rund
32.000 Euro - oder Rehabilitationsaufenthalten in den AUVA-Zentren in
Tobelbad oder Rovinj. Emil Pöll ist dank Invaliditätspension,
Unfallrente und Pflegegeld der Stufe 5 finanziell abgesichert.

Der Pflegepreis

Der Pflegepreis entstand 1998 auf Initiative der zuständigen
Landesstelle der AUVA (Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt). Er
steht unter der Patronanz des Landeshauptmannes und wird von der
Gewerkschaft Bau-Holz unterstützt. Im Jahre 2004 wird er zum
siebenten Mal für aufopfernde Pflege im Familienverband vergeben.
Neben einer Urkunde und dem Relief "Sonnenstiege" von Prof. Horst
Aschermann besteht der Preis aus einem Erholungsurlaub in einem
behindertengerechten Hotel, der von der Gewerkschaft Bau-Holz zur
Verfügung gestellt wird. Während des Erholungsurlaubes ihrer
Angehörigen werden die Versehrten - so sie nicht mitfahren können -
in einem der Rehabilitationszentren der AUVA durch untersucht und
betreut.

Die Preisträgerin des Vorjahres, Maria Jandl aus Neusiedl, wird
Ihren Urlaub erst im kommenden Jahr im Schladminger Hotel des
Sozialwerks der Bau- und Holzarbeiter antreten.

Die Auswahl der Pflegerin des Jahres erfolgt in einem mehrstufigen
Bewertungsprozess. Gemeinsam mit den regionalen Sozialarbeitern
werden vom Rehabilitationsteam der AUVA-Landesstelle Wien alle
Betreuer, die einen schwerstversehrten Angehörigen nach einem
Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit aufopfernd und lange Jahre
zu Hause pflegen, nominiert. Als Kriterien gelten: Pflegedauer mehr
als drei Jahre für Versehrte der höchsten Pflegestufe 7, mehr als
fünf Jahre für Pflegestufe 6 und mehr als zehn Jahre für Versicherte
der Pflegestufe 5.

Dr. Djawad Lessan, Chefarzt der AUVA-Landesstelle, Hermine Ebner,
Pflegedienstleitung des AUVA-Unfallkrankenhauses und des
Rehabilitationszentrums Wien-Meidling, und Werner Vogl, Diplomierter
Sozialarbeiter, besuchen die Kandidaten und wählen jedes Jahr zwei
Pflegepersonen aus. Ausschlaggebend neben der Anzahl der Pflegejahre
sind die Pflegeintensität, der gesundheitliche Zustand, die
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Entbehrungen, die die
Kandidaten auf sich nehmen.

Die endgültige Auswahl trifft eine Jury, der Mag. Renate Peischl,
Pflegedirektorin der Burgenländischen Krankenanstaltengesellschaft,
Chefredakteur Thomas Orovits, "BF Die Burgenland-Woche", Karl
Ziegler, Stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft
Bau-Holz, Direktor Ing. Johann Kaiser, Leiter der AUVA-Landesstelle
Wien, und Dipl.-Ing. Peter Vavken, Direktor-Stellvertreter der
AUVA-Landesstelle Wien, angehören. Da die längere Pflegedauer durch
eine höhere Betreuungsintensität ausgeglichen wird, fiel der
einstimmige Beschluss, 2004 - erstmals - beide Kandidatinnen zu
ehren.

Die AUVA-Landesstelle Wien finden Sie im Internet unter www.auva.at/wien

OTS0267    2004-12-03/15:00

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAU

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