- 25.11.2004, 10:00:00
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Seelische Gesundheit: Prävention soll steigernder Zahl psychisch bedingter Erkrankungen vorbeugen
6. Österreichische Präventionstagung des Fonds Gesundes Österreich
Wien (OTS) - Etwa 60 bis 80 Prozent aller Erkrankungen gelten als
psychisch bedingt oder zumindest mitbedingt, erklärte heute in Wien
der renommierte Psychiater und Psychotherapeut Prof. Nossrat
Peseschkian. Rund ein Viertel aller Menschen leidet im Lebensverlauf
an zumindest einer seelischen oder mentalen Störung im engeren Sinn.
Am 25. und 26. November diskutierten internationale ExpertInnen in
Wien was angesichts derartiger Trends für die psychische Gesundheit
getan werden kann. Bei der 6. Präventionstagung des Fonds Gesundes
Österreich wurden konkrete Strategien präsentiert, wie das seelische
Wohlbefinden erhalten und gefördert werden kann.
"Heute kommen wir nicht mehr an der Feststellung vorbei, dass etwa
60 bis 80 Prozent aller Erkrankungen psychisch bedingt oder zumindest
mitbedingt sind", hob Prof. Dr. Nossrat Peseschkian, der Leiter der
Wiesbadener Akademie für Psychotherapie, bei der Eröffnung der 6.
Präventionstagung des Fonds Gesundes Österreich in Wien den hohen
Anteil seelischer Faktoren an körperlichen Leiden hervor. Beschwerden
wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, rheumatische Erkrankungen,
Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Sexualstörungen würden immer
mehr unter dem Gesichtspunkt der Erlebnisverarbeitung sowie
psychischer und sozialer Konflikte gesehen, sagte Prof. Peseschkian,
der auch als Autor zahlreicher Sachbücher bekannt ist.
Psychosomatische Zusammenhänge, also die Wechselwirkungen zwischen
Körper und Seele, zeigten sich auch in volkstümlichen Sprichworten
und Lebensweisheiten, so der deutsche Psychiater und Psychotherapeut
- beispielsweise in Äußerungen wie: "Da bleibt einem die Luft weg",
"etwas in sich hineinfressen", "vom Schicksal gebeugt" oder "Gift und
Galle spucken".
Zunehmend mehr seelische Leiden.
Doch nicht nur der Anteil der Psyche an körperlichen Beschwerden
wird von internationalen ExpertInnen als sehr hoch eingeschätzt. Auch
die Zahl der seelischen Leiden im engeren Sinn nimmt zu. So werden
etwa laut Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO
Depressionen bis zum Jahr 2020 den zweitgrößten Anteil an der
"globalen Krankheitslast" haben. Derzeit steht diese psychische
Erkrankung noch an vierter Stelle der am weitesten verbreiteten
Gesundheitsbeeinträchtigungen.
Gezielte Initiativen für das seelische Wohl
Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat betonte bei der 6.
Österreichischen Präventionstagung, dass der zunehmenden Zahl an
psychischen Beeinträchtigungen entgegengewirkt werden müsse: "Gerade
in einer Zeit in der an jede und jeden Einzelnen erhöhte
Anforderungen gestellt werden, sind im seelischen und mentalen
Bereich gezielte Initiativen zur Gesundheitsförderung notwendig,"
sagte die Präsidentin des Fonds Gesundes Österreich. Eines der
wesentlichen Problemfelder seien die steigenden psychischen
Belastungen im Berufsleben, so die Ministerin und Präsidentin des
Fonds Gesundes Österreich: "Aus Untersuchungen wissen wir, dass
Stress einem Drittel der ArbeitnehmerInnen schwer zu schaffen macht."
Fähigkeiten verwirklichen. "Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit
von Krankheit - diese grundsätzliche Definition der
Weltgesundheitsorganisation gilt auch im seelischen Bereich", bezog
sich Dennis Beck, der Geschäftsführer des Fonds Gesundes Österreich,
bei der 6. Präventionstagung auf den Gesundheitsbegriff der WHO.
"Psychische Gesundheit" wird von den internationalen ExpertInnen der
Weltgesundheitsorganisation als ein Zustand definiert, "in dem ein
Individuum ihre oder seine Fähigkeiten verwirklichen, die normalen
Belastungen des Lebens bewältigen, produktiv und nutzbringend
arbeiten und einen Beitrag zu ihrer oder seiner Gemeinschaft leisten
kann".
Bedingungen für seelische Gesundheit
Mit den Voraussetzungen für die seelische Gesundheit beschäftigte
sich Prof. Dr. Dr. Thomas Abel vom Institut für Sozial- und
Präventivmedizin der Universität Bern. Zum einen stellte er die Frage
nach den personalen Ressourcen, zum anderen wurden strukturell
verankerte Bedingungen für die Gesundheit diskutiert, insbesondere
wies Prof. Dr. Dr. Abel auf die sozial ungleiche Verteilung der
Gesundheitschancen hin.
Seelenwohl durch hohes "Soziales Kapital"
Die Rolle der Gemeinschaft und vor allem die Bedeutung sozialer
Kontakte für die seelische Gesundheit thematisierte auch Prof. Dr.
John Raeburn von der Universität Auckland in Neuseeland in seinem
Referat bei der 6. Präventionstagung. Prof. Raeburn betonte vor allem
die Bedeutung des Konzepts "Social Capital." "Gemeinschaften mit
hohem sozialem Kapital sind durch hohe BürgerInnen-Beteiligung,
Gegenseitigkeit und Vertrauen geprägt", sagte Prof. Raeburn. Durch
Studien sei ein "beeindruckender Zusammenhang" zwischen hohem
"sozialen Kapital" und einem guten Gesundheitszustand der Bevölkerung
belegt.
Mentale Gesundheit geht alle an.
Prof. Dr. Ville Lehtinen vom National Research and Development
Centre for Welfare and Health in Finnland zählt ebenso wie Prof.
Raeburn zu den AutorInnen des WHO-Grundsatzdokuments "Promoting
Mental Health". Bei der 6. Präventionstagung betonte der finnische
Wissenschaftler, dass die Förderung seelischer Gesundheit
zielgruppenspezifisch in bestimmten "Settings" oder Lebenswelten
erfolgen sollte. "Das heißt, dass wir dort ansetzen müssen, wo wir
leben: in den Schulen, am Arbeitsplatz, bei Freizeitaktivitäten und
in den Straßen", erklärte Prof. Lehtinen.
Im Einzelnen umfasse die Förderung psychischen Wohlbefindens jede
Art von Aktivität, die seelisch unterstützende Einflüsse stärke und
seelisch schädliche Faktoren reduziere, so der Gesundheitsforscher
bei der 6. Präventionstagung des Fonds Gesundes Österreich in Wien:
"Mentale Gesundheit ist ein Alltagskonzept und geht jede und jeden
etwas an. Denn es gibt keine Gesundheit ohne mentale Gesundheit",
sagte Lehtinen.
OTS0083 2004-11-25/10:00
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