VP-Rothauer: Strategieplan Wien ohne Strategie gegen Wildwuchs von Einkaufszentren

EKZ Monsterzuwachs gefährdet Nahversorgung

Wien (VP-Klub): "Nach all den Informationen zu in Planung befindlichen Einkaufszentren wird es in den nächsten 5 bis 10 Jahren in Wien zu einem Überangebot an Verkaufsflächen kommen. Alle Bemühungen um Stabilisierung und Sicherung der Wiener Nahversorgung und der traditionellen Einkaufsstraßen könnten damit zunichte gemacht werden", befürchtet ÖVP Wien Stadträtin Herlinde Rothauer anlässlich der Debatte zum Strategieplan Wien im heutigen Wiener Gemeinderat.

Vielen Bürgern ist der Erlebniseinkauf in einem attraktiven Einkaufszentrum wichtig. Daher liegt diese Angebotsform nicht nur im Trend der Zeit, sondern ist als Bereicherung des Einzelhandelsangebotes in der Stadt nicht mehr wegzudenken. Ebenso viele Bürger aber schätzen, oder sie sind sogar darauf angewiesen, die wohnnahen Angebote der Nahversorger und der Einkaufsstraßen. Die Lösung, so Rothauer, kann daher nur durch eine Balance zwischen den verschiedenen Angeboten und dem Erhalt der Vielfältigkeit gefunden werden. Keinesfalls aber dürfen Einkaufszentren das traditionelle Geschäftsangebot überwuchern.

Wien wird von EKZ-Lawine überrollt - 480.000 m² zusätzliche Verkaufsfläche

"Im Strategieplan ist zwar ein Bekenntnis zur Unterstützung der gewachsenen Geschäftsstrukturen dargestellt, um so unverständlicher ist es, dass hingegen auf die sich abzeichnende Einkaufszentrenlawine nicht eingegangen wird", kritisiert Rothauer.

Es sei bekannt, dass auf Wien eine Einkaufszentrenlawine zukomme. Planungen dafür bestehen:
1. an allen Bahnhöfen, die erneuert werden (Nordbahnhof, Bahnhof Wien Mitte, Westbahnhof, Zentralbahnhof)
2. an allen wichtigen U-Bahn-Stationen der U-Bahn-Verlängerungsstrecken von U 1 und U 2 (z.B. die sog. Brachmühle im 22.Bezirk)
3. an einigen weiteren Standorten, die neu bebaut werden (z.B. beim Happel-Stadion) oder wo bestehende Einkaufszentren erweitert werden sollen
4. und schließlich auch an künftigen U-Bahn-Endstationen in Kombination mit Park and Ride - Anlagen (z.B. in Rothneusiedl an der Endstation der U 1 - Verlängerung nach Süden und am Rendezvousberg an der künftigen Endstation der U 6 im Norden).
Dazu kommen noch zahllose im gesamten Stadtgebiet verstreute kleinere bis mittlere Einzelprojekte.

Wenn es ausschließlich nach dem Willen der Projektbetreiber gehe, ergäbe dies nicht nur einen Monsterzuwachs an Verkaufsflächen in Wien von geschätzten 480.000 m², was einer Größenordnung von nahezu der gesamten Verkaufsfläche in den 23 Wiener Hauptgeschäftsstraßen entspreche, sondern die neuen Einkaufszentren würden den bestehenden Geschäftsstraßen durch eine konkurrenzlos hervorragende Verkehrserschließung im öffentlichen (S-Bahn und U-Bahn) und im Individualverkehr (durch großzügig dimensionierte Garagenanlagen) überlegen sein.

Stadtplanung muss funktionierende Nahversorgung sicherstellen

"Ein Strategieplan für Wien, der die Einkaufszentrenproblematik negiert, kann nicht ernst genommen werden", so Rothauer. "Noch dazu, wenn auf der anderen Seite die öffentliche Hand, die Interessenvertretung und die Kaufleute selbst immer mehr Mittel in Revitalisierungsmaßnahmen investieren. Das könnten vergeudete Mittel sein im aussichtslosen Kampf gegen übermächtige neue Strukturen, die aber durchaus von der Stadtplanung gelenkt werden könnten."

Die ÖVP Wien lehne diesen Strategieplan ab. Die Stadtplanung habe sich ernsthaft mit der Frage auseinander zu setzen, welcher Einkaufsflächenzuwachs bei sinkender Kaufkraft in Wien überhaupt noch verträglich sei und wie eine Balance im Einzelhandelsgefüge Wiens herzustellen sei. "Im Sinne einer funktionierender Nahversorgung muss eine Angebotsvielfalt sichergestellt und erhalten werden", fordert Rothauer.

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