Gebrauchtwagen: Trotz Pickerl schwere Mängel

Wien (OTS) - Wer einen Gebrauchtwagen kauft, hat oft keine Ahnung, dass er in einem untypisierten Kfz unterwegs ist - denn trotz einwandfreien "Pickerls" kann sich im Zuge einer Verkehrskontrolle herausstellen, dass bestimmte Umbauten illegal sind und das Auto nicht verkehrs- und betriebssicher ist. Das kann enormen Ärger und beträchtliche Kosten nach sich ziehen.

Ztl.: Pickerl trotz schwerer Mängel
Eine böse Überraschung erlebte jener Autofahrer, dessen soeben gekaufter Gebrauchtwagen laut
§ 57a-Überprüfung (Pickerl-Überprüfung) fast einwandfrei war: Nur drei leichte Mängel waren bei der drei Monate zuvor gemachten Pickerlüberprüfung beanstandet worden. Im Zuge einer Verkehrskontrolle wurden dem neuen Besitzer einen Tag nach dem Kauf allerdings die Nummerntafeln abgenommen. Bei einer Überprüfung des Fahrzeugs durch die Landesregierung gemäß § 58 KFG entpuppte sich die Tönungsfolie an der Heckscheibe als schwerer Mangel, und die nicht serienmäßigen Felgen erwiesen sich als "Vorschriftsmangel". Bei der Federung herrschte sogar "Gefahr im Verzug": Denn das Auto war so tief nach unten "gelegt", dass dabei die erforderliche Bodenfreiheit unterschritten worden war. Trotz einwandfreien § 57a-Gutachtens stellte sich das Auto also als nicht verkehrs- und betriebssicher heraus. Dies ist möglich, da im Zuge der Pickerl-überprüfung die Prüfung auf Typisierung von Umbauteilen nicht vorgesehen ist.

Ztl.: Kein Einzelfall
Der beschriebene Fall ist kein Einzelfall. In der Konsumentenberatung der AKNÖ häufen sich seit dem Sommer die Anfragen zum Thema "Untypisierte Kraftfahrzeuge". Zurückgeführt wird dieser Trend auf den boomenden Autozubehörmarkt. Der Wunsch vieler - vor allem junger - Käufer nach einem optisch "aufgemotzten" Gebrauchtwagen wird dabei von manchen Händlern offenbar ausgenützt. - Sie verkaufen Autos mit nicht typisierten Anbauteilen ohne die Käufer auf diesen Mangel hinzuweisen. Bei der ersten Verkehrskontrolle kann es dann zu unliebsamen Überraschungen kommen.

Ztl.:Typenschein
Grundsätzlich muss jeder nicht genehmigte Umbau an einem Kfz im Typenschein eingetragen werden lassen. Das ist in bestimmten Fällen jedoch schwierig: Bei einem Autokauf mit Kreditfinanzierung etwa muss der Typenschein bei der Bank hinterlegt werden, und der Kunde kann dann nicht mehr jederzeit frei darüber verfügen. Aber nur anhand des Typenscheins kann geklärt werden, ob bestimmte Umbauteile eingetragen sind oder nicht. Da der Typenschein nicht im Fahrzeug mitgeführt werden muss und soll, kann im Zuge einer Verkehrskontrolle an Ort und Stelle nicht überprüft werden, ob bestimmte Autoteile typisiert sind oder nicht.

Ztl.: Ärger und Kosten für die Konsumenten
Die Folgen für den Autofahrer sind bei einer Nummernabnahme jedenfalls beträchtlich: Neben einer Verwaltungsstrafe erhält er die Aufforderung, bei der Landesregierung eine Überprüfung des Fahrzeugs vornehmen zu lassen. Die Prüfstelle der Landesregierung prüft die Richtigkeit der Typisierung, nimmt gegebenenfalls die Typisierung von Umbauteilen vor oder verlangt den Rückbau des Fahrzeugs - in diesem Fall ist eine neuerliche Überprüfung durch die Landesregierung vorgesehen. Erst wenn das Kfz bei dieser nochmaligen Überprüfung den Vorschriften entspricht, darf die Nummerntafel wieder angebracht werden.
Aber auch wenn nicht gleich die Nummerntafeln abgenommen werden, ist mit Kosten zu rechnen. Denn die Exekutive kann auch ohne eine Taferlabnahme eine Überprüfung nach § 56 KFG (die "besondere Überprüfung aller Kfz") bei der Landesregierung anordnen.
Zu den 35 Euro, die im Falle schwerer Mängel für eine Begutachtung zu zahlen sind, kommen dann gegebenenfalls auch die Wiederherstellungskosten dazu.

ztl.:Rechte und Pflichten des Lenkers
Wenn für den Lenker erkennbar ist, dass bestimmte Umbauten am Kfz die Betriebs- und Verkehrssicherheit des Fahrzeugs beeinträchtigen - wie sichtbehindernde Spoiler oder zu breite Reifen -, darf er das Fahrzeug nicht in Betrieb nehmen.
Es zahlt sich daher in keiner Weise aus, Fahrzeuge auf diese Weise "aufzumotzen": Denn wird das Fahrverhalten durch illegale Umbauten beeinträchtigt, so bringt dies nicht nur Unannehmlichkeiten durch Überprüfungen und Verwaltungsstrafen mit sich, sondern stellt vor allem auch eine massive Gefährdung im Straßenverkehr dar.

Ztl.: Forderungen der AKNÖ

· Der Zulassungsschein soll aufgewertet werden, indem typisierte

Anbauteile eingetragen werden. So ist es möglich, bei Verkehrskontrollen vor Ort zu überprüfen, ob es sich um legale Umbauten handelt und das Fahrzeug somit verkehrs- und betriebssicher ist.

· Im Pickerl-Prüfbericht soll es folgenden Zusatzpassus geben: "Bei

Umbauteilen wurde der Nachweis der Typisierung erbracht: ja / nein". Diese Information bringt mehr Sicherheit für den Konsumenten, stellt aber auch eine Absicherung für die § 57a-Prüfer dar.

· Sowohl Reifen- als auch Felgendimension sollen zur Absicherung des Prüfers im Prüfbericht vermerkt werden. · Die AKNÖ fordert die Händler auf, faire Verkaufsgespräche zu

führen. - Sie müssen jedenfalls ihrer Unternehmerwarnpflicht nachkommen und potenzielle Käufer nachweislich auf nicht typisierte Anbauteile (sichtbehindernde Spoiler, zu wenig Bodenfreiheit) hinweisen!

· Es kommt immer wieder vor, dass ein § 57a-Gutachten ausgestellt

wird, obwohl das Fahrzeug nicht verkehrs- und betriebssicher ist. Die Landesregierung ist weiterhin dazu aufgerufen, diesen Betrieben die Berechtigung zur Pickerl-Überprüfung zu entziehen.

Tipps für Konsumenten:

· Auch wenn das Auto noch so "schön" ist und der Händler

beteuert, es sei alles in Ordnung, ist vor einem Autokauf ein Ankaufstest bei einem der Autofahrerclubs oder einer Fachwerkstätte Ihres Vertrauens ratsam - denn ein Ankaufstest ist umfangreicher und aktueller als die § 57a-Überprüfung, die stets nur eine "Momentaufnahme" darstellt. Eine solche Überprüfung ist zwar mit Kosten verbunden, doch diese Investition lohnt sich. Eine Kopie des Typenscheins sollte zum Ankaufstest mitgenommen werden.

· Konsumenten sollten sich nicht von tollen Extras - etwa

Scheinwerfern oder verspiegelten Folien - blenden lassen, sondern den Kaufvertrag ganz genau durchlesen: In manchen Fällen sind im § 57a-Gutachten nur leichte Mängel ausgewiesen, im Kaufvertrag ist gleichzeitig jedoch von einem "Defekt" oder einer "Havarie" die Rede.

· Wenn jemand ein Fahrzeug kaufen will, sollte er alle Papiere

genauestens prüfen und im Zweifelsfall einen Fachkundigen zu Rate ziehen.

· Achtung: Sind offensichtlich Umbauten vorgenommen worden, die

nicht im Typenschein eingetragen sind, könnten sie sich als "sichtbarer Mangel" entpuppen. Wird dieser nicht sofort und nachweislich gerügt, verliert der Konsument den Anspruch auf Gewährleistung und muss somit eine eventuelle Typisierung oder das Abmontieren der illegalen Teile auch selbst bezahlen.

· Ein Auto illegal umzubauen ist kein Kavaliersdelikt! Wenn ein

Fahrzeug nicht betriebs- und verkehrssicher ist, kann sich die Unfallgefahr erhöhen.

· Vorsicht: Wenn untypisierte Teile am Fahrzeug montiert werden,

ist auch der Versicherungsschutz weg, wenn ein kausaler Zusammenhang zwischen den Umbauten und dem Unfall besteht!

· Besondere Vorsicht ist beim Kauf von Privat zu Privat geboten!

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