• 15.11.2004, 16:36:18
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Das Kreuz mit der A-Kammer - von Peter Muzik

WirtschaftsBlatt Kommentar vom 16.11.2004

Wien (OTS) - Die Arbeiterkammer, die in diesen Tagen ganz schön
unter Beschuss steht, spielt irgendwie in einer Liga mit der
Katholischen Kirche: Mit 278 Millionen Euro, die ihr heuer via
AK-Umlagen zufliessen, geht es ihr in finanzieller Hinsicht summa
summarum ähnlich erfreulich wie der Erzdiözese Wien und den Diözesen
in Eisenstadt, Linz, Salzburg, Graz und Salzburg. Den drei Millionen
Arbeitnehmern, die ihre österreich-weite, aus 2500 Mitarbeitern
bestehende Interessensvertretung mit 0,5 Prozent ihrer
Bruttomonatsgage am Leben halten, ist das in etwa genau so viel Wert
wie den 3,7 Millionen Katholiken Österreichs, die brav ihren
Kirchenbeitrag zahlen, um Kirchen, Pfarrer, Ordensleute und alles,
was sonst dazu gehört, in Schuss zu halten. Der angenehme finanzielle
Nieselregen, der AK und Kirche gleichermassen erfreut, beschert
ihnen allerdings auch durchaus vergleichbare Probleme: Der Kammer für
Arbeiter und Angestellte wollen Politiker der andersfärbigen
Reichshälfte neuerdings bekanntlich die Einnahmen stutzen, und dass
die 'Steuer' an die Kirche zahllosen Bürgern längst ein Dorn im Auge
ist, ist ja unbestritten. Die beiden ungleichen Institutionen können
derlei, für sie geradezu lebensbedrohliche Ansichten nicht einfach
vom Tisch fegen: Es genügt folglich nicht, wenn die AK argumentiert,
dass sie immerhin zwei von drei Mitgliedern Jahr für Jahr Rat, Tipps
und rasche Hilfe gebe; dass sie jährlich zu mehr als 400 Gesetzen
Stellung nehmen müsse; oder dass sie im Prozessweg für ihre Schäfchen
per anno mehr als 200 Millionen Euro heraushole. Das alles wird
nämlich als ebenso selbstverständlich empfunden wie beispielsweise
das Faktum, dass die Kirche in breitester Präsenz flächendeckend
Seelsorge zu offerieren und dazu ein vielfältiges Sozial- und
Bildungsangebot zu bieten hat, um ihre gläubige Klientel auf dem
rechten Weg zu halten. Dieses klerikal-spirituelle Fullservice hat
logischer Weise seinen Preis: Allein die Erzdiözese Wien stellt ein
Netz von 600 Pfarren bereit und benötigt vom Priester über die
Pastoralassistentin bis zum Laienangestellten insgesamt 2500
Mitarbeiter, übrigens genau so viele wie die gesamte AK.

Trotzdem sollten Arbeiterkammer und Kirche nicht über die obligate
Neidgenossenschaft jammern, sondern möglichst rasch umdenken: Denn
Transparenz ist wahrlich nicht ihre Stärke. Es ist, auch wenn sie
unzählige oberflächliche Rechenschaftsberichte legen, nur relativ
bruchstückhaft bis gar nicht nachvollziehbar, was wirklich mit dem
vielen Geld geschieht. Herbert Tumpel und Christoph Schönborn, die
obersten Bosse, sollten jedenfalls für mehr Klarheit und Offenheit
sorgen.

OTS0186    2004-11-15/16:36

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