- 12.11.2004, 11:37:26
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Expertenplattform plädiert für Einrichtung eines unabhängigen Qualitätssicherungs-Instituts
Bei Austria perspektiv angesiedelte Plattform "Nachhaltige Gesundheitspolitik für Österreich" stellt Arbeitsgruppen-Ergebnisse vor
Wien (OTS) - "Wir wünschen uns ein unabhängiges Institut für
Qualitätssicherung, bei dem nicht die Standesvertretungen das Sagen
haben", meinte Dr. Karin Eglau, Leiterin des Arbeitskreises
"Qualitätssicherung in der medizinischen Versorgung" der bei Austria
perspektiv angesiedelten Expertenplattform "Nachhaltige
Gesundheitspolitik für Österreich" vor Journalisten. Weitere Themen,
zu denen die Experten Überlegungen anstellten, betreffen die
Gesundheitsregionen und Netzwerkbildung sowie die Neugestaltung des
Sozialversicherungsystems. Dr. Martin Gleitsmann, der die
Arbeitsgruppe "Optionenmodelle in der Sozialen Krankenversicherung"
leitete, sprach sich für eine Abkehr vom derzeit gegebenen
"Einheitspaket für Versicherte" in Richtung Wahlfreiheit innerhalb
der gesetzlichen Pflichtversicherung aus.
Als zentrale Voraussetzung einer Qualitätssicherung in der
medizinischen Versorgung nannte Eglau, selbst Ärztin und als
Controllerin bei der Humanomed GmbH tätig, die Partizipation aller
betroffenen Berufsgruppen gemäß ihrer Erfahrung: "Durch die
Möglichkeit, Konzepte mitzugestalten erreicht man in der Regel eine
höhere Akzeptanz bei den MitarbeiterInnen, die die zusätzlich
anfallende Arbeit zu tragen haben". Erforderlich sei darüber hinaus
eine in anderen europäischen Staaten schon übliche
Gesundheitsberichterstattung, in der konkrete und klare
Gesundheitsziele formuliert werden, deren Erreichung laufend
überprüft und veröffentlicht wird. Zu den wünschenswerten Maßnahmen
zähle weiters ein entsprechendes Risikomanagement, um Fehler
anonymisiert erfassen und analysieren zu können. Außerdem sollte die
medizinische Dokumentation in allen Sektoren gewährleistet und die
Möglichkeit zur wissenschaftlichen Auswertung der generierten Daten
sichergestellt sein.
Wie Gleitsmann, Leiter der WKÖ-Abteilung für Sozialpolitik und
Gesundheit, im Zusammenhang mit Optionenmodellen betonte, ermögliche
ein derartiges System das Ausschöpfen von
Wirtschaftlichkeitspotenzialen: "Erste Erfahrungen in der Schweiz und
Deutschland weisen darauf hin, dass sich durch das Anbieten von
Optionen das Inanspruchnahmeverhalten der Versicherten ändert".
Weiters könne im Rahmen von integrierten Versorgungsmodellen (Managed
Care) wie Disease Management und Hausarztmodell die Effizienz und
Effektivität der Versorgung gesteigert werden. Ein positiver Effekt
liege auch darin, dass die Wahl einer Option die aktive Beschäftigung
der Sozialversicherten mit Gesundheit beziehungsweise dem
Gesundheitssystem voraussetze. Gleitsmann wies darauf hin, dass es in
Österreich bereits ein erstes Beispiel für Wahlmöglichkeiten
innerhalb der Pflichtversicherung gebe, nämlich in der
Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft.
Was den Themenkreis "Gesundheitsausgaben - Finanzierungsbasis"
betrifft, urgierte Dr. Erhard Fürst, Geschäftsführer von Austria
perspektiv eine Entflechtung der intransparenten Finanzierungsströme
und eine Orientierung in Richtung "Finanzierung aus einer Hand".
Notwendig seien auch die Schaffung von Anreizen für mehr
Kostenbewusstsein und die Entlastung des Krankenversicherungssystems
von Umverteilungsaufgaben, die über das Steuersystem erfolgen
sollten. Fürst ging zudem auf die in Deutschland stattfindende
Diskussion über die Bürgerversicherung ein und bezeichnete das
Pauschalprämienmodell als "grundsätzlich positiv". Es sei höchst an
der Zeit, auch in Österreich über langfristig wirkende alternative
Finanzierungsmodelle nachzudenken, denn unser Land hinkt
diesbezüglich hinter anderen Staaten nach, so Fürst.
Positive Beispiele für eine beginnende Netzwerkbildung in
Österreich nannte die Arbeitsgruppe "Gesundheitsregion -
Netzwerkbildung", der von Primarius Dr. Walter Hruby geleitet wurde:
das Kliniken-Breitbandnetzwerk in der Steiermark, das
Landespilotprojekt für Telemedizin in Tirol, das Gesundheitsnetz
Donaustadt, die Gesundheitsregion Feldkirch sowie die
Gesundheitsregion Ost (Burgenland, Wien, Niederösterreich). Was das
Thema Vernetzung und Föderalismus betrifft, plädiert die
Arbeitsgruppe grundsätzlich für eine länderübergreifende Steuerung
im Rahmen von zwei bis drei Gesundheitsregionen. Zum einen seien
Ungleichgewichte pro Versicherten in größeren Regionen grundsätzlich
besser bewältigbar zum andern solle eine Regionenabgrenzung unter
Berücksichtigung der österreichischen Topographie primär nach
Erreichbarkeitskriterien vorgenommen werden.
Die beim Think Tank "Austria perspektiv - Ein Institut der
Österreichischen Wirtschaft" angesiedelte Expertenplattform
"Nachhaltige Gesundheitspolitik für Österreich" setzt sich aus im
weitesten Sinn unternehmerisch tätigen Akteuren im Gesundheitsbereich
zusammen und befasst sich mit langfristig wirksamen Modellen, die
über die aktuelle Tagespolitik hinausgehen. Nähere Informationen
unter www.austriaperspektiv.at .
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