Expertenplattform plädiert für Einrichtung eines unabhängigen Qualitätssicherungs-Instituts

Bei Austria perspektiv angesiedelte Plattform "Nachhaltige Gesundheitspolitik für Österreich" stellt Arbeitsgruppen-Ergebnisse vor

Wien (OTS) - "Wir wünschen uns ein unabhängiges Institut für Qualitätssicherung, bei dem nicht die Standesvertretungen das Sagen haben", meinte Dr. Karin Eglau, Leiterin des Arbeitskreises "Qualitätssicherung in der medizinischen Versorgung" der bei Austria perspektiv angesiedelten Expertenplattform "Nachhaltige Gesundheitspolitik für Österreich" vor Journalisten. Weitere Themen, zu denen die Experten Überlegungen anstellten, betreffen die Gesundheitsregionen und Netzwerkbildung sowie die Neugestaltung des Sozialversicherungsystems. Dr. Martin Gleitsmann, der die Arbeitsgruppe "Optionenmodelle in der Sozialen Krankenversicherung" leitete, sprach sich für eine Abkehr vom derzeit gegebenen "Einheitspaket für Versicherte" in Richtung Wahlfreiheit innerhalb der gesetzlichen Pflichtversicherung aus.

Als zentrale Voraussetzung einer Qualitätssicherung in der medizinischen Versorgung nannte Eglau, selbst Ärztin und als Controllerin bei der Humanomed GmbH tätig, die Partizipation aller betroffenen Berufsgruppen gemäß ihrer Erfahrung: "Durch die Möglichkeit, Konzepte mitzugestalten erreicht man in der Regel eine höhere Akzeptanz bei den MitarbeiterInnen, die die zusätzlich anfallende Arbeit zu tragen haben". Erforderlich sei darüber hinaus eine in anderen europäischen Staaten schon übliche Gesundheitsberichterstattung, in der konkrete und klare Gesundheitsziele formuliert werden, deren Erreichung laufend überprüft und veröffentlicht wird. Zu den wünschenswerten Maßnahmen zähle weiters ein entsprechendes Risikomanagement, um Fehler anonymisiert erfassen und analysieren zu können. Außerdem sollte die medizinische Dokumentation in allen Sektoren gewährleistet und die Möglichkeit zur wissenschaftlichen Auswertung der generierten Daten sichergestellt sein.

Wie Gleitsmann, Leiter der WKÖ-Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit, im Zusammenhang mit Optionenmodellen betonte, ermögliche ein derartiges System das Ausschöpfen von Wirtschaftlichkeitspotenzialen: "Erste Erfahrungen in der Schweiz und Deutschland weisen darauf hin, dass sich durch das Anbieten von Optionen das Inanspruchnahmeverhalten der Versicherten ändert". Weiters könne im Rahmen von integrierten Versorgungsmodellen (Managed Care) wie Disease Management und Hausarztmodell die Effizienz und Effektivität der Versorgung gesteigert werden. Ein positiver Effekt liege auch darin, dass die Wahl einer Option die aktive Beschäftigung der Sozialversicherten mit Gesundheit beziehungsweise dem Gesundheitssystem voraussetze. Gleitsmann wies darauf hin, dass es in Österreich bereits ein erstes Beispiel für Wahlmöglichkeiten innerhalb der Pflichtversicherung gebe, nämlich in der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft.

Was den Themenkreis "Gesundheitsausgaben - Finanzierungsbasis" betrifft, urgierte Dr. Erhard Fürst, Geschäftsführer von Austria perspektiv eine Entflechtung der intransparenten Finanzierungsströme und eine Orientierung in Richtung "Finanzierung aus einer Hand". Notwendig seien auch die Schaffung von Anreizen für mehr Kostenbewusstsein und die Entlastung des Krankenversicherungssystems von Umverteilungsaufgaben, die über das Steuersystem erfolgen sollten. Fürst ging zudem auf die in Deutschland stattfindende Diskussion über die Bürgerversicherung ein und bezeichnete das Pauschalprämienmodell als "grundsätzlich positiv". Es sei höchst an der Zeit, auch in Österreich über langfristig wirkende alternative Finanzierungsmodelle nachzudenken, denn unser Land hinkt diesbezüglich hinter anderen Staaten nach, so Fürst.

Positive Beispiele für eine beginnende Netzwerkbildung in Österreich nannte die Arbeitsgruppe "Gesundheitsregion -Netzwerkbildung", der von Primarius Dr. Walter Hruby geleitet wurde:
das Kliniken-Breitbandnetzwerk in der Steiermark, das Landespilotprojekt für Telemedizin in Tirol, das Gesundheitsnetz Donaustadt, die Gesundheitsregion Feldkirch sowie die Gesundheitsregion Ost (Burgenland, Wien, Niederösterreich). Was das Thema Vernetzung und Föderalismus betrifft, plädiert die Arbeitsgruppe grundsätzlich für eine länderübergreifende Steuerung im Rahmen von zwei bis drei Gesundheitsregionen. Zum einen seien Ungleichgewichte pro Versicherten in größeren Regionen grundsätzlich besser bewältigbar zum andern solle eine Regionenabgrenzung unter Berücksichtigung der österreichischen Topographie primär nach Erreichbarkeitskriterien vorgenommen werden.

Die beim Think Tank "Austria perspektiv - Ein Institut der Österreichischen Wirtschaft" angesiedelte Expertenplattform "Nachhaltige Gesundheitspolitik für Österreich" setzt sich aus im weitesten Sinn unternehmerisch tätigen Akteuren im Gesundheitsbereich zusammen und befasst sich mit langfristig wirksamen Modellen, die über die aktuelle Tagespolitik hinausgehen. Nähere Informationen unter www.austriaperspektiv.at .

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