"Am Schauplatz" am 9. November: Die Inder kommen

Reportage über schreiende Marktfahrer und sterbende Märkte

Wien (OTS) - Die Kirtage und Jahrmärkte sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Das meint auch Herr Pal aus Indien. Als er vor 20 Jahren nach Österreich kam, waren die Traditionsmärkte noch in der Blütezeit. Damals hätten die Leute am Markt noch viel Geld ausgegeben, heute kommen die meisten nur mehr zum Schauen vorbei. Die "Billigsupermärkte" an jeder Ortseinfahrt hätten den Traditionsmärkten den Gnadenstoß gegeben, meint der 49-jährige Wahlösterreicher. Eine "Am Schauplatz"-Reportage von Ed Moschitz und Cornelia Krebs über schreiende Marktfahrer, staunende Kunden und sterbende Märkte - zu sehen am Dienstag, dem 9. November 2004, um 22.30 Uhr in ORF 2.

Österreicher: Angst vor dunklen Gesichtern

Nicht die Supermärkte, sondern die Billigkonkurrenz aus Indien sei Schuld daran, sind die Österreicher überzeugt: "Indien, China, Pakistan, da braucht man ja schon einen Reisepass! Es seien viel zu viele geworden", meint Herr Schipfer aus Leibnitz in der Steiermark, der noch ein paar Jahre bis zur Pension durchhalten muss. Sogar die älteren Kunden würden sich nicht mehr auf die Jahrmärkte trauen, weil die sich angeblich vor den dunklen Gesichtern fürchten. "Die Österreicher reduzieren auf ein Feindbild. Sie sind nicht bereit, die wahren Ursachen für den schwindenden Umsatz zu erkennen. Die Probleme werden einfach auf die Inder geschoben", so Gestalter Ed Moschitz. Doch auch Herr Schipfer kauft nur von Chinesen, am Stadtrand von Florenz, gefertigte Handtaschen, weil man die um zwei bis drei Euro einkaufen kann. Österreichische Produkte sind fast gänzlich von den Märkten verschwunden.

Wasserstrahl gegen Inder

"Vielen wäre es recht, wenn auch wir Inder wieder von den Märkten verschwinden würden", erzählt Herr Pal, der selbst schon vom Marktplatz vertrieben wurde. "Richtige Vertreibungsaktionen hat es da schon gegeben. Die Feuerwehr musste ausrücken, mit Wasserstrahl wurden die Menschen verdrängt", so Ed Moschitz über das schwierige Verhältnis zwischen indischen und österreichischen Marktfahrern. Damit das nicht mehr passiert, möchte Herr Pal bei den nächsten Kammerwahlen kandidieren. Inder dürfen zurzeit nämlich nur Standplätze einnehmen, die von den Österreichern übrig gelassen werden. Und das passiert in den vergangenen Jahren eben immer öfter. "In der Früh dreht sich auf dem Marktplatz alles um die freien Plätze. Die Gemeindebediensteten sind hier ziemlich überfordert. Man wünscht sich die Inder nicht im Ortskern, die müssen am Rand stehen", so Moschitz. "Jedenfalls sind die Inder die letzten Marktfahrer, die wirklich noch durch ganz Österreich fahren. Geschlafen wird selbstverständlich im Auto." Das zeitige Aufstehen, die schlechteren Arbeitsbedingungen bei sinkenden Einnahmen, da vergehe den jungen Österreichern eben die Freude am Marktgeschäft.

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