• 08.11.2004, 09:05:24
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"Am Schauplatz" am 9. November: Die Inder kommen

Reportage über schreiende Marktfahrer und sterbende Märkte

Wien (OTS) - Die Kirtage und Jahrmärkte sind nicht mehr das, was
sie einmal waren. Das meint auch Herr Pal aus Indien. Als er vor 20
Jahren nach Österreich kam, waren die Traditionsmärkte noch in der
Blütezeit. Damals hätten die Leute am Markt noch viel Geld
ausgegeben, heute kommen die meisten nur mehr zum Schauen vorbei. Die
"Billigsupermärkte" an jeder Ortseinfahrt hätten den
Traditionsmärkten den Gnadenstoß gegeben, meint der 49-jährige
Wahlösterreicher. Eine "Am Schauplatz"-Reportage von Ed Moschitz und
Cornelia Krebs über schreiende Marktfahrer, staunende Kunden und
sterbende Märkte - zu sehen am Dienstag, dem 9. November 2004, um
22.30 Uhr in ORF 2.

Österreicher: Angst vor dunklen Gesichtern

Nicht die Supermärkte, sondern die Billigkonkurrenz aus Indien sei
Schuld daran, sind die Österreicher überzeugt: "Indien, China,
Pakistan, da braucht man ja schon einen Reisepass! Es seien viel zu
viele geworden", meint Herr Schipfer aus Leibnitz in der Steiermark,
der noch ein paar Jahre bis zur Pension durchhalten muss. Sogar die
älteren Kunden würden sich nicht mehr auf die Jahrmärkte trauen, weil
die sich angeblich vor den dunklen Gesichtern fürchten. "Die
Österreicher reduzieren auf ein Feindbild. Sie sind nicht bereit, die
wahren Ursachen für den schwindenden Umsatz zu erkennen. Die Probleme
werden einfach auf die Inder geschoben", so Gestalter Ed Moschitz.
Doch auch Herr Schipfer kauft nur von Chinesen, am Stadtrand von
Florenz, gefertigte Handtaschen, weil man die um zwei bis drei Euro
einkaufen kann. Österreichische Produkte sind fast gänzlich von den
Märkten verschwunden.

Wasserstrahl gegen Inder

"Vielen wäre es recht, wenn auch wir Inder wieder von den Märkten
verschwinden würden", erzählt Herr Pal, der selbst schon vom
Marktplatz vertrieben wurde. "Richtige Vertreibungsaktionen hat es da
schon gegeben. Die Feuerwehr musste ausrücken, mit Wasserstrahl
wurden die Menschen verdrängt", so Ed Moschitz über das schwierige
Verhältnis zwischen indischen und österreichischen Marktfahrern.
Damit das nicht mehr passiert, möchte Herr Pal bei den nächsten
Kammerwahlen kandidieren. Inder dürfen zurzeit nämlich nur
Standplätze einnehmen, die von den Österreichern übrig gelassen
werden. Und das passiert in den vergangenen Jahren eben immer öfter.
"In der Früh dreht sich auf dem Marktplatz alles um die freien
Plätze. Die Gemeindebediensteten sind hier ziemlich überfordert. Man
wünscht sich die Inder nicht im Ortskern, die müssen am Rand stehen",
so Moschitz. "Jedenfalls sind die Inder die letzten Marktfahrer, die
wirklich noch durch ganz Österreich fahren. Geschlafen wird
selbstverständlich im Auto." Das zeitige Aufstehen, die schlechteren
Arbeitsbedingungen bei sinkenden Einnahmen, da vergehe den jungen
Österreichern eben die Freude am Marktgeschäft.

OTS0029    2004-11-08/09:05

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