• 05.11.2004, 17:06:51
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WirtschaftsBlatt Kommentar: EU: Nobodys, die aus dem Nichts kommen - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Man kann zu George W. Bush stehen, wie man will, ihn
für unfähig, gefährlich oder irre halten doch zumindest ein
positiver Aspekt spricht für ihn: Die Amerikaner haben ihn
mehrheitlich gewählt. Das Volk bestätigte ihn in der Rolle des
mächtigsten Mannes der Welt, es will einfach keinen anderen und das
ist eben Demokratie. Anders verhält es sich beim designierten
Präsidenten der EU-Kommission: José Manuel Barroso wurde von den
Staatschefs nominiert und sodann vom EU-Parlament bestätigt reicht
das wirklich als Legitimation für den "Mister Europa"? Für fast alle
EU-Bürger ist der portugiesische Politiker nicht viel mehr als ein
farbloser Nobody, der plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht ist. Als
einer von vielen, mindestens ebenso gut geeigneten Kandidaten hat er
halt letztlich irgendwie das Rennen gemacht. Und genauso plötzlich
war Barroso von 24 Kommissaren umgeben, die grossteils ebenfalls aus
der Versenkung aufgetaucht und auf geheimnisvolle, jedenfalls aber
nicht transparente Weise zu ihrem Amt gekommen sind. Das Unbehagen
über die recht zufällige, ja offenbar beiläufige Auswahl der
Kandidaten war gross. Und naturgemäss tauchten sofort diverse
Gerüchte über den einen oder anderen Neo-Kommissar auf. Schliesslich
wurde es sogar den EU-Parlamentariern zu dumm:

Barroso musste, ehe er mit seinem bunt zusammengewürfelten Team
eiskalt abgeblitzt wäre, einen Rückzieher machen. Leider riskierte er
keinen Neustart, sondern warf lediglich die zwei besonders schwarzen
Schafe, Rocco Buttiglione und Ingrida Udre, raus. Der EU-Boss, der in
Wahrheit ein armer Teufel ist, weil er die Kommissare gar nicht
selber aussuchen darf, sondern von den nationalen Regierungen aufs
Auge gedrückt bekommt, versucht¹s im zweiten Anlauf mit zwei
Neulingen. Ansonst bleibt leider alles wie gehabt und damit basta.
Die meisten EU-Bürger werden das mit einem merkwürdigen Gefühlsmix
aus Skepsis, Misstrauen und Gleichgültigkeit hinnehmen und sich
nicht einmal mehr wundern, dass in Brüssel am ehesten ausrangierte
Politiker versorgt werden. Die EU sollte daher, um künftig halbwegs
ernst genommen zu werden, dringend über einen geeigneten
Selektionsmechanismus nachdenken. Dieser müsste endlich
sicherstellen, dass bei der Bestellung hochrangigster
Europa-Repräsentanten nicht der Zufall Regie führt, sondern letztlich
kompetente Profis zum Zug kommen, vielleicht sogar die Besten.

OTS0215    2004-11-05/17:06

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