- 03.11.2004, 10:05:00
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AUFS GAS BEI ROT: JEDE AMPEL IN ÖSTERREICH WIRD ALLE ACHT MINUTEN BEI ROT ÜBERFAHREN
KfV-Studie: Rotsünder wesentlich häufiger, als angenommen. Das "Täter-Profil": männlich, berufstätig, zwischen 26 und 64 Jahre.
Wien (OTS) - Vor allem Stress und Zeitdruck dürften die
Bereitschaft, bei Rot aufs Gas zu steigen, enorm erhöhen. Denn
Rotsünder Nummer Eins sind nicht junge Fahrer zwischen 18 und 25
Jahren, die ansonsten als Risikolenker gelten, sondern Berufstätige
zwischen 26 und 64. Das zeigt eine aktuelle Erhebung des Kuratorium
für Verkehrssicherheit. Diese Faktoren erklären auch die Tatsache,
dass Kreuzungskollisionen gerade in den Nachmittagsstunden
Hochkonjunktur haben - das Unfallaufkommen ist hier sogar wesentlich
höher als im Frühverkehr. Drei Kategorien von Rotsündern sind dabei
auffällig: Jene, die bewusst die Rotphase missachten, jene, die
geistesabwesend sind und so genannte "Frühstarter" - jene, die sofort
nach Stillstand des Querverkehrs die Kreuzung queren. Und: Vor allem
Männer (85 Prozent aller Rotsünder) nehmen es mit den roten Ampeln
wesentlich weniger genau als Frauen.
Sechs Bundesländer (Wien, Oö., Slzb., Ktn., Stmk., Tirol) wurden in
puncto "Anhaltebereitschaft bei Rot" genau unter die Lupe genommen.
Das Ergebnis: Im Schnitt wird das Rotlicht in Österreich pro
ampelgeregelter Kreuzung alle acht Minuten überfahren - in Wien sogar
alle fünf Minuten. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit hängt dabei eng
mit der Risikobereitschaft zusammen: Höhere Geschwindigkeiten
verleiten automatisch zu häufigeren Gelb- oder Rotlichtübertretungen.
88 Prozent der Rotsünder queren den Kreuzungsbereich in den ersten
beiden Sekunden der Rotphase. Einige zeigen sich jedoch auch später
risikobereit: zwölf Prozent überfahren die Haltelinie noch in der
dritten bis achten (!) Sekunde. Zumeist nicht ohne Schaden, zeigt die
Unfallstatistik: Im vergangenen Jahr verunglückten rund 1.200
Personen durch Rotlicht-Missachtungen, 120 wurden dabei schwer
verletzt, sechs bezahlten mit dem Leben. Fußgänger sind besonders
gefährdet: Jeder Vierte, der in eine solche Kollision verwickelt
wird, erleidet entweder schwere oder tödliche Verletzungen.
Das Kuratorium für Verkehrssicherheit fordert daher verstärkte
Kontrollen an geregelten Kreuzungen. "Pilotprojekte haben gezeigt,
dass meist bereits die Ankündigung einer Kreuzungsüberwachung die
Risikobereitschaft der Lenker deutlich senkt", weiß KfV-Direktor Dr.
Othmar Thann. Zusätzlich sollten Unfallhäufungsstellen saniert sowie
die Strafhöhen für Rotsünder dem europäischen Niveau angepasst
werden. Auch verstärkte Aufklärung - beispielsweise im Zuge der
Führerscheinausbildung - spiele eine große Rolle, so Thann.
Bremsfaktor Rotlichtüberwachungskameras
Geregelte Kreuzungen, die bereits mit so genannten
Rotlichtüberwachungskameras versehen sind - wie beispielsweise die
Kreuzung "Minimundus" in Klagenfurt - zeigen eindeutige Erfolge: Vor
Installierung der Überwachungskamera wurden an dieser Kreuzung
überdurchschnittlich viele Rotsünder registriert. Nach Bekanntmachung
der Inbetriebnahme nahm diese Zahl deutlich ab. Das zeigt, dass
allein das Wissen über eine permanente Überwachung die
Rotlichtmissachtungen reduziert.
Gelb als verlängerte Grünphase
Die Erhebung machte zusätzlich deutlich, dass die Gelbphase, die
eigentlich bereits "Halt" signalisiert, von vielen Lenkern als
verlängerte Grünphase angesehen wird. Die StVO regelt zwar, dass
Lenker, denen ein sicheres Anhalten bei Gelb nicht mehr möglich ist,
weiterfahren dürfen - 90 Prozent der Gelblichtüberfahrer hätten
jedoch problemlos vor der Ampel halten können.
Wien, 03.11.2004
OTS0070 2004-11-03/10:05
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