WirtschaftsBlatt Kommentar: Warum sollen Arbeitgeber für Pflege zahlen? - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Mit Subventionen ist es bekanntlich so wie mit Koks:
Anfangs putschen sie auf, aber man wird verdammt schnell davon abhängig. Zivildiener, die manchen Unternehmen, Vereinen und Organisationen weit unter ihren volkswirtschaftlichen Kosten zur Verfügung gestellt werden, sind so eine Subvention. Bekanntlich wurde in den Siebzigern für Wehrdienstverweigerer ein Wehrersatzdienst eingerichtet. Wer aus Gewissensgründen nicht beim Heer dienen will, kann in einer anerkannten Organisation seinen Ersatzdienst leisten. Begünstigt sind Rettungsorganisationen, Pflegeeinrichtungen, gemeinnützige Vereine, Anfangs aber auch Unternehmen wie die Post. Die Kosten dafür werden breit gestreut: Natürlich muss auch die Trägerorganisation einen kleinen Beitrag leisten, aber der Zivildiener verzichtet auf einen Teil seines Lebenseinkommens, sein Arbeitgeber auf eine eben erst ausgebildete Arbeitskraft, und die Volkswirtschaft die Produktivität der jungen Zivildiener. Demnächst soll der Wehrdienst durch die Einführung eines Freiwilligenheeres obsolet werden (übrigens ein Vorhaben, das auch unter dem Blickwinkel nochmals überdacht werden sollte, wer denn freiwillig zu einem solchen Heer ginge und ob man gerade solche Typen auch noch bewaffnen sollte). Logisch, dass damit auch der Zivildienst abgeschafft werden müsste. Doch da beweist sich das Eingangs Gesagte: Subventionen machen abhängig. Rotes Kreuz, Altenheime etc. müssten schliesslich ihren Personalbedarf zu Marktkonditionen befriedigen, nachdem sie 30 Jahre lang mit subventionierten Arbeitskräften wirtschaften konnten. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass die Zivildienst-Reformkommission unter dem Vorsitz eines Rot-Kreuz-Mannes übrigens ein klarer Fall von Bock als Gärtner, noch viel schlimmer als die eben als verfassungswidrig aufgehobene Funktion des Roten Kreuzes in der Zivildienst-Organisation nach Alternativen sinnt:
Wie man hört, soll der Zivildienst durch ein verpflichtendes Sozialjahr für Männer und Frauen ersetzt werden. Statt die bisherige Subventionierung durch Zivildiener, Unternehmen und Volkswirtschaft endlich einzustellen, sollen künftig also auch Frauen und ihre Arbeitgeber zur Kasse gebeten werden. Vom wirtschaftlichen Standpunkt ist das grober Unfug: Jede direkte Subvention ist effizienter und volkswirtschaftlich billiger, als branchenfremdes Personal zum Billig-Dienst abzukommandieren.

Rückfragen & Kontakt:

Redaktion WirtschaftsBlatt
Tel.: 01/60117-305

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001