- 27.10.2004, 09:12:22
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Keine Konkurrenz zwischen Halloween und Allerheiligen
Katholische Jungschar Österreichs will Kinder vor Zwang und Angstmacherei schützen
Wien (OTS) - "Gerade zu Allerheiligen könnten wir mit Mädchen und
Buben über existentielle Fragen zu Leben, Sterben, Tod und
Auferstehung ins Gespräch kommen. Wir sehen natürlich die zeitliche
Nähe von Halloween und dem christlichen Allerheiligenfest, die
historisch begründet ist. Das in Österreich traditionelle
Totengedenken zu Allerheiligen soll aber seinen eigenständigen
Charakter behalten und nicht von Halloween-Aktivitäten überlagert
werden." meint Dr. Gerald Faschingeder, Vorsitzender der Katholischen
Jungschar Österreichs, zum vermeintlichen Spannungsfeld Halloween und
Allerheiligen. Die größte Kinderorganisation Österreichs empfiehlt,
Halloween einerseits und das Allerheiligenfest andererseits
eigenständig und unabhängig voneinander zu betrachten. Eine religiöse
Konkurrenz lasse sich auf jeden Fall nicht begründen, da Halloween in
seiner derzeitigen Form bei uns sicher nicht als religiöses Brauchtum
empfunden werde.
Halloween ist für die Kinder der "Abend der Streiche". Allgemein
geduldet dürfen sie in schaurigsten Verkleidungen an Haus- und
Wohnungstüren klingeln und die Herausgabe von Süßigkeiten fordern -
anderenfalls böse Streiche androhen ("Trick or treats!"). Üblich sind
inzwischen auch alle Arten von Halloween-Partys, die insbesondere
auch in Kindergärten, Kindergruppen, Schulen und Vereinen als Spiel-
und Verkleidungsfeste gefeiert werden. Eine aktuelle Befragung der
Katholischen Jungschar Salzburg von 150 Salzburger Mädchen und Buben
zwischen neun und 12 Jahren ergab, dass das Verkleidungsspiel mit
Gruselgeistern, Hexen und Monstern eher die Jüngeren anspricht, mit
zunehmendem Alter gilt es jedoch als "kindisch". Es sind also vor
allem jüngere Mädchen und Buben, die möglichen negativen Aspekten des
Spektakels (Angst machen, Vandalismus, Gewalttätigkeiten, ...)
ungeschützter ausgesetzt sind.
"Wie für jede andere Spielaktivität von Mädchen und Buben sollte
auch für Halloween das Prinzip der Freiwilligkeit und der Schutz der
Person gelten. Es gibt auch Kinder, denen gruselige Verkleidungen
unangenehm sind oder gar Angst einjagen. Es gibt auch Kinder, denen
das Anläuten an fremden Wohnungstüren peinlich ist. Es gibt auch
Kinder, die größte Skrupel haben, anderen Streiche zu spielen - und
es gibt auch Kinder, die sich vor Halloween fürchten, weil sie dann
möglicherweise selbst Opfer der "Scherze" von Gleichaltrigen werden."
Faschingeder sieht die Aufgabe der Erwachsenen darin, Kinder zu
schützen, dass sie nicht in Aktivitäten hineingenommen oder zu
Handlungen genötigt werden, die sie selbst weder lustig noch
angemessen finden oder die gar zu Schäden gegenüber Dritten führen.
So dürfe nicht übersehen werden, dass Halloween vor allem aus
kommerziellen Gründen stark vom Handel gefördert werde. "Mit
Schokokürbissen und dergleichen wird eine der Lücken im
Schokoladejahr geschlossen - ob es sich da um Geister, den Tod oder
um keltische Traditionen handelt, ist gleichgültig, solange die Kasse
klingt. Damit schreitet die Ökonomisierung der Kindheit weiter voran,
und das sollte uns zu denken geben," so Faschingeder.
Vorsichtig positiv bewertet werden könne zumindest, dass Halloween
die ansonsten in unserer Gesellschaft übliche Generationenordnung für
einen begrenzten Zeitraum umgekehre: "Es ist ein Anlass für Mädchen
und Buben sich originell zu verkleiden, Spaß damit zu haben und - in
erlaubtem Rahmen - laut und fordernd Erwachsenen gegenüber zu treten.
Zumindest einen Abend lang dürfen sich Mädchen und Buben mächtiger
fühlen als die Erwachsenen." umschreibt der Jungschar-Vorsitzende den
anarchischen Charakter von Halloween.
OTS0030 2004-10-27/09:12
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