• 19.10.2004, 10:26:13
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LHStv. Ambrozy: Kärnten hat in der Schmerzmedizin eine Vorreiterrolle inne

Umfassende Beratung und optimale Schmerzbehandlung müssen forciert werden

Klagenfurt (LPD) - Die elementare Bedeutung der Schmerztherapie
strichen heute, Dienstag, Gesundheitsreferent LHStv. Peter Ambrozy
sowie Kärntner Mediziner bei einer Pressekonferenz zur am Montag
begonnenen 4. Österreichischen Schmerzwoche hervor. Ambrozy verwies
auf eine Umfrage, die fast 60 Prozent der Kärntnerinnen und Kärntner
chronische Schmerzen attestierte. Auch eine Österreichweite
Untersuchung im Zusammenhang mit postoperativen Schmerzen sei zu
einem erschütternden Ergebnis gekommen. Ziel der Schmerzwoche sei
daher, Bevölkerung und Ärzteschaft über das Thema umfassend
aufzuklären sowie eine optimale Behandlung von Schmerzen zu fördern.

Die Umfrage in Kärnten sei im Auftrag der Interdisziplinären
Schmerzklinik des LKH Klagenfurt und der Fachhochschule Technikum
Feldkirchen unter mehr als 500 Personen im Alter von über 65 Jahren
durchgeführt worden, erklärte Ambrozy. Sie habe gezeigt, dass fast 60
Prozent aller Kärntnerinnen und Kärntner unter chronischen Schmerzen
leiden. 7,1 Prozent der Befragten hätten angegeben, unter
unerträglich starken, 13,6 Prozent unter sehr starken Schmerzen zu
leiden. Bei 84,2 Prozent bestehe der Schmerz seit Jahren, und 37
Prozent der betroffenen Männer sowie 51,3 Prozent der Frauen seien
wegen ihrer Schmerzen zeitweise traurig und niedergeschlagen.

Österreichweit habe das Meinungsforschungs-Institut IMAS 1000
Österreicher über 16 Jahre dazu befragt, welche Erfahrungen sie
speziell im Zusammenhang mit postoperativen Schmerzen gemacht haben.
Nur 33 Prozent der Befragten hätten angegeben, nach ihrer letzten
Operation keine Schmerzen erlitten zu haben. Zwei Drittel hingegen
hätten unter Schmerzen gelitten, und zwar 22 Prozent unter starken,
22 Prozent unter mittleren und 23 Prozent unter schwachen Schmerzen,
führte Ambrozy das "erschütternde Ergebnis" an.

Auch der schmerzmedizinischen Beratung durch Ärzte sei in dieser
Umfrage alles andere als ein gutes Zeugnis ausgestellt worden:
Weniger als die Hälfte der Befragten (48 Prozent) hätten angegeben,
dass sie vor ihrer letzten Operation ein Arzt darüber informierte,
dass es Möglichkeiten gibt, Schmerzen nach der Operation optimal zu
lindern oder überhaupt zu vermeiden. "Das jeder zweite Arzt Patienten
nicht über schmerzmedizinische Möglichkeiten informiert, ist
natürlich ein dramatischer Befund", meinte der Gesundheitsreferent.

Zwar fruchte laut Umfrage auch die Aufklärungsarbeit der
Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) und der Medien, trotzdem
sei die Situation alarmierend, so Ambrozy weiters. Schmerzen während
und nach einer Operation müssten nämlich nicht sein. "Solche
Schmerzen sind absehbar, sie sind vorübergehend, und es gibt
hervorragende Möglichkeiten sie zu vermeiden", betonte er.

In Kärnten seien besonders engagierte Mediziner tätig, weshalb auch
die Qualität der postoperativen Schmerztherapie entsprechend hoch
sei. Die interdisziplinäre Schmerzambulanz am Landeskrankenhaus
Klagenfurt habe sich so als herausragendes Kompetenzzentrum
etabliert. Derzeit werden laut Ambrozy etwa 4.000 Patienten pro Jahr
im Rahmen von rund 20.000 Einzelleistungen behandelt. Zudem werde
Forschungs- und Fortbildungsarbeit geleistet, und seit zehn Jahren
werde in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Erlangen ein
Schmerzkurs für Ärzte abgehalten, der auf großes Interesse stoße. Das
Palliativversorgungskonzept für unser Bundesland umfasse 14 Betten im
LKH Klagefurt und 12 Betten im LKH Villach. 4 Palliativbetten im KH
St. Veit seien bereits im Betrieb.

Am 5. März 2005 soll außerdem die Schmerzklinik (Zentrum für
interdisziplinäre Schmerztherapie, Onkologie und Palliativmedizin;
kurz ZISOP) am LKH Klagenfurt unter der Leitung von Rudolf Likar
eröffnet werden. In Zukunft sollen auch mobile
Palliativ-Konsiliarteams für den extramuralen Bereich etabliert
werden. Sie sollen unheilbar kranke Patienten unterstützen, für die
keine das Grundleiden beeinflussbare Therapie besteht, deren
Erkrankung weit fortgeschritten ist und deren Lebenserwartung
absehbar begrenzt ist. Auch für diese Palliativteams soll das
Kompetenzzentrum als Koordinationsstelle fungieren. "Kärnten nimmt
damit bei der Behandlung von Schmerzen auch in Zukunft eine
Vorreiterrolle ein", sagte Ambrozy.

Die schmerzmedizinische Versorgung in Österreich bleibe leider
hinter jenem Niveau zurück, das angesichts der Entwicklungen der
Schmerzmedizin heute erreichbar wäre und inzwischen Standard sein
müsste, betonte auch Rudolf Likar von der Abteilung für Anästhesie
und Allgemeine Intensivmedizin am LKH Klagenfurt. Die 4.
Österreichische Schmerzwoche richte sich in diesem Sinne mit
Unterstützung der Medien an die breite Öffentlichkeit, aber auch an
die Ärzteschaft, um Wissen und Bewusstsein zum Thema Schmerz und
seine optimale Behandlung zu fördern. Ziel sei, immer mehr Ärzte dazu
zu befähigen, immer mehr Schmerzpatienten an eine optimale
Schmerztherapie heranzuführen sowie immer mehr Schmerzpatienten dazu
zu ermutigen, selbstbewusst so eine optimale Schmerztherapie von der
Ärzteschaft einzufordern.

Bei der Pressekonferenz in Klagenfurt nahmen außerdem der
Präsident der Ärztekammer Kärnten, Othmar Haas, Walter Amberger und
Martin Spendel von der Abteilung für Neurologie am LKH Klagenfurt
teil.
(Schluss)

OTS0064    2004-10-19/10:26

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