- 15.10.2004, 17:09:45
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Offener Brief von Abg.z.NR Silvia Fuhrmann an SPÖ-Klubobmann Cap
Sehr geehrter Herr Klubobmann, lieber Kollege!
Wien, 15.Oktober 2004 (ÖVP-PK) Mit einigem Amusement habe ich ihre
Aussage, wonach es einem "Friseurbesuch von Glatzköpfigen"
entspräche, wenn die ÖVP sich zum Nachdenken zusammenfindet, zur
Kenntnis genommen. ****
Die Zeit, in der Sie in der Jugendpolitik tätig waren, ist ja schon
einige Zeit vorüber. Ebenso wie die Zeit, in der man vom Nachwuchs
der SPÖ etwas gehört hat. Für mich persönlich eigentlich schade:
Ich hätte gerne ein politisches Gegenüber, dass in der eigenen
Partei ernst genommen wird und mit dem ich mich dementsprechend im
politischen Wettkampf messen kann. Aber außer einigen halblustigen
Sprüchen wie "Besser bekifft ficken, als besoffen Auto fahren" ist
da nichts. Schade, wie gesagt.
Doch zurück zu Ihnen. Anscheinend haben Sie Sehnsucht nach der
guten alten Zeit, als Sie als Revoluzzer der SPÖ durch die Lande
zogen. Und anscheinend sind Sie bemüht, Ihren Nach-Nachfolgern in
der Sozialistischen Jugend zu beweisen, dass sie noch der alte sind
und es dementsprechend noch immer beherrschen, sich mit markigen
Sprüchen in Szene zu setzen. Es stünde Ihnen aber besser an, sehr
geehrter Herr Klubobmann, wenn sie sich dafür einsetzen würden,
dass sich die SPÖ an einem Nachdenkprozess für die Zukunft unseres
Landes beteiligt und auch junge Leute mitgestalten lässt. Leider
Gottes ist Ihre Partei derzeit ja eher mit Personalfragen und dem
Finden einer einheitlichen Linie beschäftigt. Das gilt etwa für die
Frage EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei oder den politischen
Rohrkrepierer "SPÖ-Wirtschaftsprogramm". Matznetter präsentiert,
Gusenbauer schwächt ab, verschiedene Funktionäre der zweiten und
dritten Ebene geben ihre Wortspenden ab, und am Schluss war ja dann
doch alles gar nicht so gemeint.
Bevor man ein derartiges Bild in der Öffentlichkeit abgibt, sehr
geehrter Herr Klubobmann, ist es wohl besser, sich eingehend mit
den Zukunftsfragen dieses Landes zu beschäftigen, wie dies die ÖVP
derzeit in Alpbach tut. Im Übrigen darf ich Sie daran erinnern,
dass die 800 Teilnehmer am Bundeskongress in Alpbach nicht nur ÖVP-
Funktionäre, sondern auch Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft
und Kultur sind. Die Jugend ist ebenfalls stark vertreten. Sie alle
werden Ihre Vorstellungen zu den im Vorfeld erarbeiteten
Diskussionspapieren einbringen. Die Ergebnisse des Alpbach-
Prozesses der ÖVP werden Substanz beinhalten und das mediale Echo
wird dementsprechend groß sein.
Das muss gerade für Sie einigen Frust mit sich bringen, weshalb ich
einerseits Verständnis für Ihren unpassenden Spruch habe. Denn
schließlich haben Sie mit einem grausamen Schicksal zu kämpfen: Die
eigene Partei in Führungsdebatten aufgerieben, ein inhaltliches
Konzept nicht erkennbar und das einzige Thema, das die
Öffentlichkeit nach einem Pressestunde-Auftritt des Josef Cap
beschäftigt, ist jene, ob, wann und warum er neuerdings Krawatten
trägt.
Andererseits, lieber Kollege, sollten gerade Sie wissen, dass
diese, Ihre, Aussage als mediale Hauptreaktion der SPÖ übrig
bleiben wird. Und die Österreicherinnen und Österreicher werden
sich einmal mehr fragen, ob Sie denn inhaltlich rein gar nichts zu
bieten haben.
Mit freundlichen Grüßen
Abg.z.NR Silvia Fuhrmann
Bundesobfrau der Jungen ÖVP
Rückfragehinweis: ÖVP Bundespartei, Abteilung Presse und Medien
Tel.:(01) 401 26-420; Internet: http://www.oevp.at
OTS0273 2004-10-15/17:09
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