• 15.10.2004, 09:28:58
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ÖAMTC: Der Führerschein zum Dumping-Preis kann teuer kommen (Teil 2)

Club warnt vor unterschätzten Zusatzkosten und Ärger mit Behörden

Wien (ÖAMTC-Presse) - "Auf den ersten Blick sind die
Fahrschulpreise in Tschechien, Ungarn und der Slowakei tatsächlich
unglaublich, weil sie so gering sind. Aber der Billig-Führerschein
hat gleich mehrere Haken", warnt ÖAMTC-Juristin Ursula Zelenka.

Nach EU-Recht besteht für den Erwerb der Lenkberechtigung zwar die
Vorraussetzung, dass der Führerschein-Anwärter für zumindest 185 Tage
in dem Land, das den Führerschein ausstellt, den ordentlichen
Wohnsitz hatte, aber: Nach tschechischem Recht ist die
185-Tage-Regelung derzeit noch nicht umgesetzt. Und der europäische
Gerichtshof hat im April dieses Jahres bekräftigt, dass EU-Staaten
grundsätzlich alle EU-Führerscheine anerkennen müssen - unabhängig
davon, in welchem Land der Führerschein-Besitzer gerade wohnt. "Ein
Umschreiben in einen nationalen Führerschein ist nicht notwendig. Die
Erwartung, schnell und günstig zur begehrten Lenkberechtigung zu
kommen, wird zusätzlich im Internet und in Inseraten genährt",
berichtet Zelenka. Bei genauer Betrachtung offenbaren sich etliche
Fallen, hat die ÖAMTC-Juristin festgestellt:

* Kein Schlupfloch beim Führerschein-Entzug. Wenn jemandem in
Österreich der Führerschein entzogen wurde, könnte er sich seine
Lenkberechtigung nun im Ausland holen. Außer die Führerschein-Behörde
im Nachbarland erkundigt sich vorweg, ob der Betreffende schon einen
Führerschein hat beziehungsweise ob er ihn mittlerweile wieder
eingebüßt hat. Aber selbst wenn das nicht geschieht und das Dokument
ausgestellt wird, besteht kein Grund zur Freude: "Die Entziehung der
österreichischen Lenkberechtigung gilt auch für den neu erworbenen
Auslands-Führerschein, er ist also praktisch wertlos", erläutert
Zelenka.

* Unterschätzte Zusatzkosten. Nicht außer Acht lassen darf man
jene Kosten, die auf die Führerschein-Aspiranten für Leistungen
zukommen, die nicht in den maßgeschneiderten Paketlösungen enthalten
sind. Vom beeideten Dolmetscher bei der Prüfung über
Verwaltungsgebühren und Anreisekosten reicht die Palette der
zusätzlichen Rechnungsposten.

* Irreführende Inserate. Von Offerten, die den "Euro-Führerschein"
oder einen "internationalen Führerschein" anpreisen, sollte man sich
nicht beeindrucken lassen. Ob in Tschechien, Ungarn oder der Slowakei
- in jedem Fall erwirbt man einfach einen nationalen Führerschein,
der innerhalb der EU von allen Staaten anerkannt wird.

* Gravierende Bedenken in punkto Sicherheit. "Österreich hat mit
der Mehrphasen-Fahrausbildung einen entscheidenden
Verkehrssicherheitsvorteil. Führerschein-Werber sollten darauf
keinesfalls verzichten", sagt die Club-Juristin. Die
Mehrphasen-Fahrausbildung sieht seit Jänner 2003 nach der
Führerschein-Prüfung neben zwei Perfektionsfahrten auch ein
Fahrsicherheitstraining vor. Zelenka: "Wer das versäumt, bringt sich
außerdem um die Erfahrung, dass Sicherheit auch Spaß machen kann."

Sicheres, unfallfreies Fahren braucht eine fundierte
Fahrausbildung und nicht einen im Schnellverfahren in fremder
Umgebung durchgezogenen Führerschein-Kurs: "Allein wenn man bedenkt,
welche Unannehmlichkeiten, möglicherweise auch mit Behörden, ein
importierter Billig-Führerschein bringt, kann der Rat nur lauten:
Hände weg", zieht die ÖAMTC-Expertin ein Fazit. In den kommenden
Monaten sei ohnehin mit dem Ende des Führerschein-Tourismus zu
rechnen.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger

OTS0036    2004-10-15/09:28

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