• 12.10.2004, 12:24:33
  • /
  • OTS0143 OTW0143

Industrie fordert verbesserte Rahmenbedingungen für flexible Arbeitszeitgestaltung

Spartenobmann Welser fordert Diskussion ohne Tabus

Wien (PWK727) - "Da sich die österreichische Industrie ihrer
gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist und die Interessen der
Arbeitgeber und der Arbeitnehmer letztlich gleich gelagert sind und
somit in einem Boot sitzen, müssen die Forderungen der Wirtschaft und
insbesondere der Industrie nach einer Verbesserung der
Rahmenbedingungen zur Arbeitszeitgestaltung endlich ernst genommen
werden", fordert der Obmann der Bundessparte Industrie, Wolfgang
Welser. Diese Verantwortung ist bisher auf Gewerkschaftsseite nach
Auffassung von Welser zu diesem Thema leider noch nicht sehr
ausgeprägt.

Vor allem ist es notwendig, dass mit wirtschaftlicher Vernunft den
Unternehmen eine Steuerung der Arbeitskraftressourcen ermöglicht
wird, die auf die jeweiligen betrieblichen Auslastungserfordernisse
Rücksicht nimmt. Die Mitarbeiter sollen dann sinnvoller Weise ihren
Einsatz finden, wenn tatsächlich Aufträge abgearbeitet werden können.
"Ohne Tabus muss über eine neue Definition der
Durchrechnungszeiträume, wie z.B. über den Konjunkturzyklus, mit
entsprechenden Ansparungsmöglichkeiten diskutiert werden", fordert
Welser nachdrücklich.

"Wohin ständiges Mauern bzw. das Fordern von Gegenverkehr im
Zusammenhang mit Verbesserungen der Arbeitszeitflexibilisierung
führen, sehen wir in Deutschland. Dort hat die Gewerkschaft erkennen
müssen, dass nur die Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich zum
Erhalt von Standorten in Deutschland führt. Je länger wir keine
arbeitskostensenkenden Effekte durch die Gesetzgebung oder die
Kollektivvertragsebene bekommen, desto schärfer wird der Kostendruck
für die österreichische Industrie auch im Vergleich zu Deutschland
werden."

Welser sieht die sich in Deutschland anbahnende
Produktivitätsverbesserung zur Bedrohung für die österreichische
Industrie auswachsen. "Es stimmt schon, dass die vorhandenen
Flexibilisierungsbestimmungen in Österreich nicht von allen Firmen
ausgenutzt werden. Dies liegt in der Hauptsache daran, dass oft
Betriebsräte zu Arbeitszeitflexibilisierungen nicht bereit sind, da
etwa in der Metallindustrie der Zeitzuschlag für flexible Stunden zu
wenig Anreiz für Flexibilität bietet. Von den
Kollektivvertragspartnern muss ein deutlicheres Signal gesetzt
werden, das auch die Bereitschaft der Gewerkschaft zur Verbesserung
der Konkurrenzfähigkeit österreichischer Betriebe beweist."

"Die notwendige Gesamtsicht werde zu wenig beachtet", meint Welser.
"Es muss zur Kenntnis genommen werden, dass ein
Verdrängungswettbewerb über die Kosten schon jetzt stattfindet und
sich mit der EU-Erweiterung deutlich weiter verschärfen wird. Darauf
deutet die gegenwärtig gedämpfte Investitionsneigung hin, die zur
Wettbewerbsfähigkeit zu wenig beiträgt. Die Gewerkschaften sollten
den Mut haben, mittelfristig zu denken und ihren Beitrag im
Interesse der Beschäftigung zu einem Abschlusspaket zu leisten, das
die Unternehmer dazu ermuntert, mehr auf die österreichischen
Standorte zu setzen. Auch die Politik sollte durch eine Novelle des
Arbeitszeitgesetzes ihre Standortverantwortung beweisen." Die
Zufriedenheit der Unternehmer mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen
zur Arbeitszeit sei äußerst gering, unterstreicht Spartenobmann
Welser. (us)

OTS0143    2004-10-12/12:24

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel